lich gewesen, läßt sich nicht mehr bestimmen. Die Wasserleitung zogdurch das von Finthcim gegen Gonsenheim sich senkende Thal, biszum Abhang der zu dem ersten gehörigen Hügel, durchschnitt sodanndie Ebene und zog sich in ziemlich gerader Richtung gegen die Stadt.
Die noch vorhandenen Pfeiler-Ueberrcste, deren man öS mehr oderweniger bedeutende zählt, beginnen erst oberhalb Zahlbach, wo derBoden gegen den Wildgrabcn sich senkt. Nur zwei unbedeutende Pfei-lerstumpfc find dicsseit des Wildgrabens an und in der Klubbisten-Schanze zu erkennen; alle übrigen befinden sich auf der andern Sei-te. Kaum deren ö oder 6 find noch so erhalten, daß man den frühe-ren Baustpl daran ermessen kann. Sie find von regelmäßig vier-eckiger Form, haben 15'/, bis 16'/, Fuß im Durchmesser, und sind ebenso weit von einander entfernt. Die am besten erhaltenen haben eineHöhe von 25 bis 30 Fuß; die höchsten Pfeiler, im Grunde des Wild-grabens, sollen 123 Fuß hoch gewesen sein. Die ganze Länge derWasserleitung, vom Königsborn bis zum Drusus-Becken, vor der alten«leeuiu»»», wird auf 23,655 Fuß, oder 1 Stunde 55 Minuten,berechnet.
Eichelstein. Dies, zum Andenken des Erbauers von si ->ku »ti->.cun» von der 2. und 14. Legion errichtete Denkmal, erhebt sich auf demehemaligen Marsberge (später Jakobsberg genannt), in der Drusus-Bastei der heutige» Zitadelle. Es besteht aus einem Gußmauerblock,der auf der Ausscnseite mit bchauenen, länglichviereckigcn Steinen be-kleidet war. Wahrscheinlich hatte er die Gestalt einer mächtigen Rund-säule und war gegen den Gipfel zugespitzt. Zm Anfang des 16.Jahrhunderts hatte der Eichelstein noch eine Höhe von 160 Fuß. Erwar oben 3 Fuß breit und maß an seiner Basis 143 Fuß im Umfang.Als Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach 1552 Mainz be-kannte, lies Kurfürst Sebastian dies Denkmal, das ein trefflicherBeobachtungspunkt war, unterböten, um es umzustürzen. Der Feindbemächtigte sich jedoch so rasch der Stadt, daß dies Borhaben nicht inAusführung gebracht werden konnte. — Mit seiner zum Theil blosgc-legten Grundmauer hat der Eichelstein jetzt eine Höhe von 50 Fuß.In neuerer Zeit wurde in seinem Innern eine Wendeltreppe angelegt,durch die man auf den flachen Gipfel der Rundsäule gelangt, wo maneine herrliche Aussicht hat.
Römische Altäre, Grabsteine und andre Denkmäler.Die Zahl derselben, welche mau sowohl im Bereiche der alten Kriegs-stadt als des MunicipiumS, ferner zu Kastel und beim Bau der Gu-stavsburg^auf der Mainspitze, wie in der übrigen Umgegend von Mainz,ausgegraben, ist sehr beträchtlich. Vieles davon ist nach Mannheimund andern Orten ausgeführt worden; doch ist die städtische Alterthü-mer-Sammlung, welche sich jetzt im ehemaligen kurfürstliche» Schlossebefindet, immer noch sehenswcrth. Es würde zu weitläufig sein, auchnur das bemerkcnswertheste davon anzudeuten. Jedenfalls ist es sehrzu bedauern, daß bis jetzt noch kein erläuterndes Verzeichniß darüberveröffentlicht worden. Ueber die „Ergebnisse der neuesten Ausgrabun-gen römischer Alterthümer in und bei Mainz," ist unter diesem Titelein Schriftchen erschienen, worin die in der Klubbisten-Schanze, imKästrich, beim Umbau des Bischofs-Hofes und auf vcrschiednen ande-ren Punkten gemachten Alterthumsfunde, deren Zahl bedeutend ist, inRede gestellt worden. Beachtungswerth ist auch der römische Bildstcin,in dem Garten des in der Altmünster-Straße gelegenen, mit L. 215,bezeichneten Militär-GebäudeS; nicht minder die im Dom-Kreuzgangaufgestellte Steinschrift, worin eines Schutzgeistes der vobergschcnJugend Erwähnung geschieht.
Einzelne römische Ueberrestc sind theils an öffentlichen Bauwerken,wie am Thor der Zitadelle, am Fisch- und Gauthor, der vorerwähn-te» mittelalterlichen Stadtmauer, in verschiedenen Straßen und in denHänden von Privatpersonen zerstreut. Einige merovingische Säulen-
Mainj. ii.
Knäufe, die man beim Abbruch eines Theils der mittelalterlichen Mauer,beim runden Pulverthurm gefunden, ligen in einem feuchten Winkelin der neuen Anlage, oberhalb dem Gärtner-Häuschen. Ein paar ka-rolingische Bruchstücke und eine lateinische (nicht römische) Inschrift,sind am Fischthor eingemauert.
Von den 13 Grundpfeilern der römischen Steinbrücke im Rhein,woran zum Theil die heutigen Schiffmühlen befestigt sind (weshalbman diese Ocrtlichkeit auf der Arke»*) nennt), ist über dem Wassernichts mehr zu sehen. Ebenso unterscheidet man nur mit Mühe dieForm des alten Amfitheaters, unterhalb der hechtsheimer Schanze, seit-wärts von der von Mainz nach Alzei führenden Hauptstraße. DasDrusus-Becken vor der ehemaligen l>ort» ,lecui»->n->, zwischen den heu-tigen Filipps- und Klubbisten-Schanzen, worin sich das auf dem römi-schen Aquädukt hergeleitete Wasser sammelte, hat sich in neuerer Zeitin einen muldenförmigen Acker verwandelt, der nach dem hier zuletztbefindlichen Teiche, der Entenpfuhl genannt wird. Von dem Heiden-keller bei Mariaborn, einem römischen befestigten Vorwerk, ist jedeSpur verschwunden.
Bei allen Bauten im Bereiche der alten Kriegsstadt, des danebenbefindlichen Marsfeldes, des ehemaligen Munizipiums und der ganzenUmgegend von Mainz, werden noch ziemlich häufig römische Thonge-räthe und Ziegeln (mit und ohne LegionS-Stempel, wie mit dem altenmainzer Rad, das ich auf denselben mehrmals gesehen), Bruchstückevon Steinschriften und Münzen von Gold und Silber, wie von Groß-Mittcl- und Kleinerz, ic., gefunden.
Gegenwärtige und frühere Oertlichkeits-Zustände.
Rheinftrasto. Wie schon ihr Name andeutet, erstreckt sich dieseStraße, gleichlaufend mit dem Rhein und in geringer Entfernung vondemselben, vom Bocksthor bis zum alten kurfürstlichen Schlosse. Siehat eine Länge von 1760 Schritt, oder 4400 rhein. Fuß, ist nichtvollkommen regelmäßig, wird aber durch noch vorzunehmende Neu-bauten sich sehr verschönern.
Auf dem Brandplatze stand das 1317 erbaute merkwürdigeKaufhaus, welches, drohenden Einsturzes wegen, 1810 abgetragen wur-de, wodurch der gegenwärtige Platz entstand.
Inmitten zwischen dem nun verschwundenen Eiscnthor und demHolzthor, hat man durch den aus römischen, karolingischen und spä-tern Baubruchstücken zusammengesetzten Bogen des Fisch thors (nebendem sich auf runden Grundmauern ein fünfeckiger Thurm erhebt, derals Schulden-Gefängniß dient) eine überraschende Ansicht des ältesten,seit fast S00 Jahren bestehenden, Domtheils.
Das zur neüen Vcrtheidigungs-Linie längs des Rheins gehörigehalbrunde Kasemattcnwerk, mit seinen beiden starken Thürmen, amHolzthor, wird, nebst den damit zusammenhängenden Werken, demlinken Rheinufer zu Mainz einen imposanten Anblick verleihen. Vordieser Linie werden sich, wie bisher, die Landungs-Plätze der Dampf-schiffe vom Ober- und Nicdcrrhein, wie vom Main, und die Ausla-dungsstellen der zahlreichen Güterschiffe befinden, deren bunt bewim-pelter Mastenwald die Schönheit des städtischen Panoramas auf derRheinseite nicht wenig erhöht.
Schiffbrücke. Die auf 46 Pontons ruhende Schiffbrücke ist ge-genwärtig 666 Schritt oder 1666 rhein. Fuß lang. An schönen Som-mer-Abenden ist sie ein aussichtrcicher Lieblings-Spaziergang der Main-zer. Erst, wenn man das Zollhaus am rechten Ufer berühret, ent-richtet man für die Person zwei Kreuzer. Uebrigens hat man dasRecht, so lange auf der Brücke sich zu ergehen, als man will.
-) Abgeleitet von dem lateinischen Worte 4-°»» oder Brnckcn-Bozcn.