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5 (1846)
Entstehung
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der Franke» in hiesiger Gegend, die 72 Jahre nachher von einemfürchterlichen Erdbeben heimgesucht wurde. Kaiser Arnulf belagerteund eroberte die dadurch hart mitgenommene Stadt tm I. 893.

Hatto I. machte sich unabhängig und eignete sich die landesfürst-liche Würde zu. Mainz wurde deshalb 953 durch Kaiser Otto, jedochfruchtlos, belagert. Der Karolinger überdrüßig, wählten die Deutschenden fränkischen Herzog Konrad II. im I. 1025 bei Lörzweilcr zu ih-rem König, was auf Mainz einen sehr günstigen Einfluß ausübteErzbischof Willigis, schon so mächtig, daß er als der erste nachPapst und Kaiser in Deutschland angesehen wurde, hatte sich etwa einViertcljahrhundert vorher zum Kurfürst ernennen lassen. Nach seinemTode gericthen Handel und Gewerbe von Mainz in Verfall. Dennochwurde die Stadt unter Aribo, und mehr noch unter Bardo, von1928 bis 1032, erweitert. Der letzte stellte den von Willigis von 973bis t008 erbauten, und sogleich abgebrannten, Dom wieder her.In diese Zeit wird auch zuerst eines Bürgermeisters und Raths inMainz, die in der Folge sehr gewichtig wurden, Erwähnung gethan.Nach und nach ließen sich immer mehr italienische Handelsleute undJuden in der Stadt nieder, deren Verkehr bedeutend war. Es ent-standen Handwerks-Brüderschaften, welche den Grund zu den Zünftenlegten und die Macht der Bürgerschaft vermehrten.

Viele Mainzer nahmen Antheil an dem Kreuzzugc von 1064, un-ter Siegfried I. Neun Jahre nachher begann der Kampf zwischenBürgerschaft und Geistlichkeit wegen Auflagen, welche die Domherrnnicht entrichten wollten. Die erste erstürmte deshalb den Königshof.Siegfried durfte die Stadt nicht mehr betreten und seine Anhängerwurden im folgenden Jahr vertrieben.

Damit erhob sich das Stadtregimcnt der Patrizier, welche baldalle Gewalt an sich rissen und 1077 ein glänzendes Turnier, zur Feierihres Sieges, abhielten. Ihre Ueppigkeit wurde zwar etwas gemildertdurch den großen Brand von 1081, der, nebst einem bedeutendenTheil der Stadt, den Dom und drei Stifter verzehrte. Indeß warder Wohlstand schon zu allgemein, als daß sich das frühere Elend hätteerneuern können. Doch waren Wissenschaft, Sittlichkeit und öffentlicheOrdnung sehr gesunken.

Unter Ruthard befestigte sich die Selbstständigkeit der Bürger-schaft fort und fort. Deshalb befreiete sie denn auch den von KaiserHeinrich V. gefangen gehaltenen Erzbischof Ad albert I, worauf die-ser 1135 den Bürgern die wichtigen Freiheiten ertheilte, deren Gehaltin die ehernen Domthüren eingegraben ist. Erdbebe» (1164), Juden-Verfolgung, Vifionen der heiligen Hildegard, die Erstürmung desKlosters Jakobsberg und die Ermordung des Kurfürsten Arnold durchdie Bürger, am 24. Juni 1160, folgten nun rasch aufeinander. Kon-rad von Wittelsbach fein kriegerischer Fürst, der viele Mainzer nachItalien führte, wo sie die Organisation der dortigen Frcistädte kennenlernten) lies, der letztern Gräuelthat wegen, die Stadtmauern abwer-fen und vernichtete die Privilegien der Bürgerschaft. Jene wurdenerst nach 34 Jahren wieder hergestellt, als sich am Rhein und in an-dern Gegenden bereits zahllose Raubburgen erhoben hatten.

Siegfried II- baute 1226 den noch jetzt stehenden Dom. ZweiJahre vorher begann die erste Pflasterung der Straßen, und die Fen-ster wurden zum Theil mit Glasscheiben versehen. Im übrigen ge-ricthen jedoch Künste und Wissenschaften in Verfall; eine schrankenloseLottcrhaftigkcit war bei Geistliche» und Laien vorwaltend. Gcrechtig-keitSpflege und Polizei waren im erbärmlichsten Zustande. Der großeReichstag wurde 1235 auf dem Bruche, unterhalb des Gartenfeldes,abgehalten. Kurfürst Siegfried III, der die Stadt in Bann ge-than, bewältigte sie durch Verrätherei. Allein kaum in seinem Bischofs-hofe angelangt, sah er denselben von den erzürnten Bürgern umringt.Um sein Leben zu retten, gestand er jenen durch einen HauptfreiheitS-

brief ihre vollkommene Unabhängigkeit zu, und entsagte somit allenFrüchten seines Sieges.

Einige Jahre nachher entstand, durch Arnold Salmann Walpo-den, derrheinische Städtebund," dem hinfort auch die Kurfürstenbeitreten mußten, wen» sie ihren Einfluß in der Hauptstadt ihresKurstaats sichern wollten. Köln, Worms, Speier, Straßburg undBasel waren 1254 die ersten Städte, welche, zur Sicherung des Land-friedens, dem neuen Bunde sich beigesellten, der bald deren gegen hun-dert umfaßte. Krieg gegen die Raubburgen war seine Aufgabe.

Der Kampf zwischen der Stadt und dem Erzbischof Gerhard,erneuerte sich 1275 blutiger als je zuvor. Zwei Jahre nachher wardder Städtebund erneuert und vergrößert. Er trug nicht wenig bei zudem blühenden Zustande des Handels und der steigenden Wohlfahrtvon Mainz. Gleichzeitig aber auch vermehrte sich die Eifersucht zwi-schen den gemeinen Bürgern und den alten oder Patrizier-Geschlech-tern, die in häufige Fehden ausartete». Auch die Verfolgungen gegendie Juden wiederholten sich 1249 u. 1295.

Nichts destoweniger erwarb sich Mainz um diese Zeit, als Haupt-und Mittelpunkt des rheinischen Städtebundes, seiner Macht undReichthümer wegen, den Beinamen desgoldncn" der ihm bis zurVernichtung aller seiner Freiheiten, durch Kurfürst Adolf von Nassau,blieb. Berühmt durch seine Feste, seine zahlreichen Turniere, war esder Lieblingssitz des benachbarten reiche» Adels geworden. Seine blü-henden Künste hatte» es mit vielen schönen Kirchen und Klöstern ge-schmückt. Die gothische Architektur war zu ihrem Zenith gediehen. I»ihrem Stpl wurde denn auch 1312 das Kaufhaus aufgeführt, wie schonein Vicrteljahrhundert vorher, die 1275 abgebrannte Liebfrauen-Kirchein derselben Art wieder erbaut nwrden.

Heinrich von Meisten, mit dem Beinamen Frauenlob, einerder ausgezeichnetsten Mcistersängcr jener Zeit, starb im zweiten Jahr-zehnt des 14. Jahrhunderts. Peter von Eichspalt regierte damalssegensreich. Aber schon neun Jahre nach seinem Tode war erneuerterUnfriede vorwaltend. Die Bürger erstürmten das Kloster auf demJakobsbcrg, verwandelten es in eine feste Burg, und brannten dieherrliche Albans-Kirche, nebst dem Viktorsstift bei Weißenau, nieder;worauf es abermals 1332 zwischen den Patriziern und Plebejern zublutigen Streitigkeiten kam.

Bald nachdem Johann Gensfleisch, genannt Gutenberg, dieBuchdruckerkunst erfunden, stürzten die gegenseitig sich bekämpfendenKurfürsten Diethcr von Jsenburg und Adolf von Nassau die Stadtin gränzenloses Elend. Diese erklärte sich für den ersten, ohne je-doch dem zweiten Fehde anzusagen. Demungcachtet bemcistcrte sichAdolf ihrer am 29. Oktober 1462 durch Verrath. Nach einem hart-näckige» Kampfe, wobei nur Mordbrennerei ihm den Sieg zuwandte,beraubte und verbannte er die ausgezeichnetsten Einwohner, gab dieStadt mehre Tage hindurch allen Gräueln der Plünderung preis, undvernichtete ihre sämmtlichen Freiheiten. Diese wurden durch den gleis-nerischen Diether, »ach Adolfs Tode, nicht wieder hergestellt. Um sichgegen den Unwillen der Bürger zu sichern, der am 22. Juli 1476 durcheinen bald gedämpften Aufstand sich beurkundete, baute der Kurfürst,zwei Jahre später, sich ein festes Schloß, die Martinsburg, amunter» Theile der Stadt, das 1481 ganz abbrannte. Er lies es nunaus Quadersteinen wieder aufführen. Durch ihn wurde auch 1477 dieMainzer Universität gestiftet.

Neuere Zeit. Die kirchliche Reformation veranlaßte in Mainzkeine wesentlichen Veränderungen. Der gelehrte Ruchart, mit demBeinamen Wesalia, büßte seine freisinnigen Begriffe im Kerker, ausdem ihn bald der Tod befreite. Für Rcuchlin war der Scheiterhaufenschon gebaut, als Kurfürst Uriel den Ketzerrichter I. van Hoogstra-ten mit Unwillen vertrieb. Kurfürst Albrecht neigte sich zwar selbst