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Natürliche Zustände.
Lage. Auf dem Punkte wo der Rhein, inmitten seiner Haupt-richtung gegen Mitternacht, auf eine siedenstündige Strecke von dersel-ben abweichend, gegen Abend sich wendet, ligt, am linken Ufer deshier 1700 rhcinl. Fuß breiten Stromes, die großherzoglich hessischeStadt und deutsche Bundcs-Festung Mainz, unterm 50. Grade nördl.Breite und unter 25° 66" l2" östl. Länge.
Gegen Morgen, eine Viertelstunde vom obersten Theil der Stadt,am Bocksthor, mündet der hier 88V Fuß breite braunrothe Mai» inden Rhein, mit dessen grünlicher Wassermassc die seinige erst nach ei-nem mehr als 15 stündigen Laufe vollkommen sich vermischt. Bei derMainspitze wird die Höhe des Wasser-Spiegels auf 23V rheinl. Fußüber dem Meere berechnet. Der Stadtboden ist, am Fuß der Guten-bergs-Bildsäule, 2V Fuß über dem mittlern Wasserstande des Rheins,und am runden Pulverthurm in der Alerander-Bastei, dem städtischenKulminationS-Punkte, 130 Fuß über demselben.
Boden. Der Boden, auf dem Mainz erbaut ist, gehört zu der-selben Tcrtiar-Tegel-Formation, welche die ganze Provinz Rheinhessenumfaßt. Zu seinen Hauptbestandtheilen gehören versteinerte Ueberrestevon Süßwasser-Thieren und Meer-Konchplicn, untermischt mit solchenvon zahlreichen Säuge- und versündflutlichen Thieren. Der Stadt amnächsten, werden in den Steinbrüchen zwischen Weißenau und Lauben-heim, zahlreiche Exemplare solcher Versteinerungen, vorzüglich «ucci-nite» und andere Seeschalthiere, zc. gefunden.
Klima. Das Klima von Mainz und seiner Umgegend gehört imallgemeinen zu den günstigen und milden. Seine Eigenthümlichkeitenfind die aller in der Nähe beträchtlicher Flüsse gelegenen, und in eini-ger Entfernung von 1000 bis 2000 Fuß hohen Bergen umgebenen,Landstrecken, wo die meisten chronischen Uebel unbekannt, und ansteckendeKrankheiten selten sind.
Der mittlere Barometerstand ist 27" 6'"; selten einen Zoll höheroder niedriger. Der Thermometer von ksssuinur zeigt durchschnittlich14 bis 15 Grad (63 bis 65° Fahrenheit), im Sommer 20 bis 25° k.und im Winter 2 bis 5° k. Kälte; selten 10 und noch seltenerüber 15°.
Vegetation. Ergiebige Getreidefelder, Gemüsegärten, Obstpflan-zungen und Weinhügcl schmücken die heitre Gegend um Mainz, derenFruchtbarkeit ihre natürliche Schönheit noch erhöht. Der beste, innerdem Stadtumfange wachsende, Wein ist der vom Kästrich; auch der vomJakobsberg ist geschätzt. Die nächste Umgebung erzeugt den Trauben-saft am Hauptstein und im Bienen-Garten, den michelsberger, denwcißenauer Berg, den trefflichen laubenheimer und den hechtsheimer.In etwas größerer Ferne keltert man die bodenheimer, nackcnhcimerund »iersteiner Weine gegen Süd, die kostheimer und hochheimer ge-gen Ost, die heidesheimer, ingelheimer und scharlachberger, ferner die
trefflichen rheingauer Weine gegen West. Ueberhaupt ist der Weinbau,nebst dem Getreide- und Oelpflanzcnbau, in der Provinz Rheinhessenüberwiegend. — In botanischer Beziehung sind nur einige faneroga-mische, ziemlich seltene, Pflanzen beachtungswcrth.
Bevölkerung. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts, unmittelbarvor der Pest im I. 13>3, wird die Einwohnerzahl der Stadt Mainzauf 24,000 Seele» angegeben. Von da bis zum Ausbruch der fran-zösischen Staatsumwälzung, fehlt es, in statistischer Beziehung, anzuverlässigen Angaben. Vor der Belagerung, im I. 1793, zählte manin der damaligen Hauptstadt des Kurstaats 27,000, vier Jahre späteraber nur noch 21,213 Einwohner. Die Zählung von 1309 ergab24,241 Seelen, die von 1814: 23,202; von 1816: .25,351; von 1819:25,390; von >823: 28,800; von 1825 : 28,409; von 1831: 30,254; von1834: 31,130; von 1837: 31,702; von 1340 : 32,142. Für 1843 läßtsich die Bevölkerung der Stadt und ihrer Zugehörungen auf etwa33,000 Individuen bürgerlichen Standes berechnen. Dazu kommt nocheine militärische Besatzung von ungefähr 6000 Mann, zur einen Hälfteaus östreichischen, zur andern aus preußischen und einer Kompagniegroßh. hessischer Truppen bestehend.
Nach dem Glaubens-Bekenntniß scheiden sich die bürgerlichen Ein-wohner in 26,000 katholische, 5000 evangelische Christen und 2000 JS-raeliten. Staats-, kirchliche und andere Beamten sind 22l, Ackerleute36, Gewerbtreibende 3136, Ackerbau und Gewerbe zugleich betreibende4, Taglöhner (männl. 503, weibl. 442) 845, Dienstboten (m. 373, w.2427) 2800, Fabrikarbeiter (m. 225, w. 35) 260, Handwerks-Geselle»3215, Lehrlinge 785. Alle Einwohner zusammen bilden beiläufig 6460Familien, welche in 2220 Privathäusern in und außer der Stadt woh-nen, wozu noch 161 öffentliche Gebäude kommen. Zu Mainz gehörendie Johannisau, das Gartenfeld, die Hartenmühlcn, Zahlbach, dieLindenmühle und die neue Anlage, zusammen mit 8 öffentlichen Gebäu-den, 136 Privathäusern und 900 Einwohnern, welche in obigen Zah-len mit inbegriffen sind.
Wappen. Das alte Wappen der Stadt Mainz, wie früher desgleichnamigen Kurstaats, besteht in zwei scchsspeichigen Rädern, die inschräger Richtung ansteigend, durch ein Kreuz verbunden sind, undzwar in einem unten weißen, oben rothen Schilde, welches eine Mauer-krone deckt. Fuchs»), Schaab»») und ich»»*) haben dies Rad schonauf altrömischen Ziegeln gesehen. Nach andern rührt es von dem sieb-zehnten Erzbischof und ersten Kurfürsten Willigis her, dessen Vaterein Wagner gewesen sein soll.
»1 Bergt dessen »alte Geschichte von Main,." zweiter Band, S. P», ivd u. 11z.Geschichte der Stadt Mainz, erster Band, S. las.
»") Bergt, weiter unten in dem Abschnitt: Altcrthnms-Ueberrcstc, S US.