Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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Schweden zu noch härteren Kämpfen, denn obgleich die Ein-wohner sich mit diesen verbunden hatten, so leisteten doch dieSpanier einen verzweifelten Widerstand. Nicht weniger als500 Feinde blieben ans dem Kampfplätze. Noch jetzt zeigt manin dem Beinhause hinter der Katharinenkirche zwei Gewölbe,mit menschlichen Gerippen angefüllt, d-'c reihenweise auf einan-der geschichtet sind, und an jenem Orte ausgcgraben wurden,wo die Schweden bei Erstürmung der Stadt zuerst eingedrungenwaren. Diese Stelle, welche noch immerSpanier" genanntwird, ist nunmehr in einen Garten verwandelt worden. ZurErinnerung an den Ort, wo Gustav Adolf den Rhein über-schritten hatte, ließ er ein Denkmal errichten, welches nochjetzt unter dem Namen Schwcdensäulc bekannt ist. Auf einer56 Fuß hoben Pyramide befand sich ein marmorner Löwe, dereine Helmkrone und in der rechten Klaue ein bloßes Schwerttrug. Ein kaiserlicher Ofsicicr nahm wenige Jahre nachher die-ses Schwert weg und überreichte eS dem Kaiser Ferdinand II,in der Erwartung, dafür ein ansehnliches Geschenk zu erhalten,aber des Monarchen edle Gesinnung erkannte in dieser Hand-lung nichts anders als einen gemeinen Raub und eine schnödeVerunehrung. Drei Jahre »ach diesen Vorfällen mußten dieSchweden nach der unglücklichen Schlacht bei Nördlingen diePfalz verlassen, und Oppenheim wurde wieder von den Kaiser-lichen eingenommen, worauf die Bedrückungen aufs neue be-gannen. Der unglücklichen Stadt wurde eine Brandschatzungvon 20,000 fi. auferlegt. Da die Einwohner, welche dieseSumme nicht erschwingen konnten, alles übrige Vieh anboten,bis sie »ach der Ernte und Weinlese der Forderung Genügeleisten könnten, erhielten sie zur Antwort, dieses sei an und fürsich schon Eigenthum der Soldaten, und der Stadtrath wurde inein Gemach eingeschlossen, wo sie bei der drückendsten Hitze we-der hinreichendes Wasser und Brod, noch Betten und Bänke,noch Stroh zum Liegen hatten, bis die verlangte Summe ans-bezahlt war. Im Jahre 1639 wurde die spanische Besatzungzum zwcitcnmale durch die verbündete» weimarischeu und fran-zösischen Truppen vertrieben, aber bald darauf kehrte sie wiederzurück, da sich diese nicht halte» konnten. Die Franzosennahmen 5 Jahre nachher die Stadt abermals in Bcsi«, undverblieben darin bis zum westphälischeu Friedensschlüsse. Abernoch in den letzten Jahren dieses langen und unheilvollen Krie-ges sollte die Stadt Oppenheim der Schauplatz des Schreckenssein. Obwohl die Friedensunterhandlungcn zu Münster undOsnabrück aufs eifrigste betrieben wurden, überfielen unvcr-mulhet am 11. Januar 1647 morgens um 4 Uhr die Be-satzungen von Germershcim und Frankcnthal die Stadt, plün-derten sie aus uud führten die beiden Bürgermeister nebst zweiNathshcrrn als Gefangene mit sich nach Frankenthal, woraufsie von dem französischen Befehlshaber, der sich noch zur rech-

> ten Zeit aufs Schloß gerettet hatte, wiederum besetzt, und erstam 25. Scptbr. 1649 ihrem rechtmäßigen Herrn zurückgegebenwurde. Nachdem die Stadt hierauf von diesen furchtbarenBedrängnissen sich einigermaßen erholt hatte, erlitt sie am31. Mai 1689 durch die französischen Mordbrenner unter Melacdas härteste Schicksal. An 6 Orten wurde sie zu gleicher Zeitangezündet, und in einen Aschen - und Trümmerhaufen verwan-delt. Die stolze Landskrona stürzte zusammen, und die präch-tige Katharinenkirche wurde ibrcs herrlichsten Schmuckes beraubt.Zwar erhob sich aus den Ruinen wieder eine neue Stadt, aberdiese nur ein Schattenbild der früheren Herrlichkeit. Jetzt zähl:sie ungefähr 2600 Einwohner, deren Hauptnahruugsquellc derWeinbau ist. Die Straßen sind, mit Ausnahme der Rheinstraßeund des Marktplatzes, eng und finster, so wie die meisten Häuser klein und unansehnlich. Seitdem die Stadt mir dem Groß-hcrzogthum Hessen vereinigt wurde, ist sie der Sitz eines Frie-dcnsgerichts. Vor der französischen Occupation im Jahre 1797war daselbst ein pfälzisches Obcramt errichtet, seit König Ru-precht 1402 die Stadt dem Pfalzgrafen Ludwig dem Bärtigenum 100,000 rheinische Goldguldcn überlassen hatte. Im 11.Jahr-hundert war sie lange Zeit, von 1315 bis 1353, und von1356 bis 1376, von den Königen Ludwig IV. uud Karl IV. andas Erzstift Main; verpfändet worden.

I» engster Verbindung mit Oppenheim stand seit 500 Jab-ren die Geschichte des nahe gelegenen, nunmehr zerstörten Berg-schlosses Schwabsburg, sowie des durch seine vortrefflichenWeine weit berühmten Pfarrdorfes Nierstein. Nicht bloß inder zweimaligen Verpfändung der Stadt Oppenheim an denErzbischof von Mainz im 14. Jahrhundert, sondern auch in derAbtretung derselben an Kurpfalz unter König Ruprecht (1402)waren beide Orte mit inbegrissen, worauf sie dem pfälzischenOberamtc Oppenheim fortwährend untergeben blieben. Nier-stein, welches gegenwärtig etwa 2400 Einwohner zählt, wirdschon in der Mitte des 8. Jahrhunderts als ein königliches oderReichsdorf erwähnt, dessen Kirche von König Pipin's Bruder,Karlman», dem Bisthum Würzburg übergeben wurde. Nichtlange nachher ward hier ein Königspalast oder kaiserlicherSal"errichtet, von welchen bis auf den heutigen Tag Namcnsspure»! sich erhalten Habens, worin auch, wie wir wissen, namentlichKaiser Otto III. sich aufgehalten. Auch war von Kaiser undReich ein eigenes Gericht zu Nicrstcin bestellt, dessen Schöffenund Schultheiß aus dem Hierselbst angesessenen Reichsadel undder Burgmannschaft zu Schwabsburg gewählt wurden, welcheBeste zum Schutze des Ortes und seiner Privilegien im 12. Jahr-hundert erbaut worden zu sein scheint.

*1 Noch jetzt »e»nt man eine Stelle hinter der rcformirteii KircheHiutersal".