rung des großen Reformators des 18. Jahrhunderts; hier schnfLuther sein weltberühmtes Lied: „Eine feste Burg ist unser Gott",ehe er auf dem Reichstag zu Worms erscheinen sollte.
Diese herrliche Stadt konnte aber den Wechselfällen irdischenGlanzes nicht entgehen. Wie die prachtvolle Stadt David'Süber ihren Ruinen trauert, so spricht jetzt auch hier ans Trümmernder Geist der Vorzeit von verschwundener Herrlichkeit. DieKricgsstürine des 17. Jahrhunderts hinterließe» in dieser Stadtnnanslöschliche Erinnerungen. Schon in dem dänischen Kriegetheilte sie dasselbe Schicksal mit der Stadt Alzei und vielen an-dern Orten der Pfalz, sie mußte von dem Landgrasen Wil-helm II. von Hessen 1504 eine Belagerung und eine Brand-schatzung von 1(1,WO Thalern erleiden. Härtere Schläge trafensie in dem dreißigjährigen Kriege. Nachdem der pfälzische Kur-fürst Friedrich V. die böhmische Königskrone angenommen hatte,mußte alsbald sein rheinisches Land die Folgen dieses nncrwo-genen Schrittes erfahren. Der Kaiser schickte den MarkgrafenAmbrosius Spinola mit spanischen Truppen aus den Nieder-landen in die Pfalz, um sie zu erobern. Bei der Nachrichtvon seiner Ankunft brachen die um'irten protestantischen Fürsten,die Markgrafen von Auspach und Baden, die Herzöge vonWürtemberg, die Grafen von SolinS und Nassau, welche nachdem zu Ulm mir den Liguistcn getroffenen Vergleiche mit ihremHeere an den Rhein gegangen, und bei Oppenbeim sich ver-schanzt hatten, am 11. Aug. 1620 ihr Lager daselbst auf, ummit den Spaniern bei Frankeuthal zusammen zu treffen. Alssie aber erfuhren, daß Spinola bei Main; den Rhein über-schritten, und sich der Brücke bei Oppenheim zu bemächtigen be-absichtigte, kam der Markgraf von Auspach seinem Vorhaben zu-vor, worauf die übrigen Verbündeten nachfolgten und wieder ihrfrüheres Lager bezogen. Spinola rückte nuiiinchr bei Mainz indie Pfalz, und während die Unurtcn müßig zusahen, bemäch-tigte er sich der Orte Kreuznach und Alzei. Weil sie vernom-men, er wolle seinen Zug nach Worms fortsetzen, verließen sieabermals ihr Lager bei Oppenheim, zündeten dasselbe an, bra-chen die Rhcinbrücke ab, und ließen nur eine kleine Besatzung inder schreckencrfülltcn Stadt zurück. Die Spanier zögerten nicht,den Abzug der Verbündeten zu benutzen, und in Eile Oppen-heim anzugreifen. Am 14. September wurde sie ohne Schwert-streich eingenommen, und als ein wichtiger Standpunkt wohlbefestigt. Da die Uniirten bei Worms mittlerweile durch denPrinzen von Oranien ans Holland Verstärkung erhalten hatte»,faßten sie Muth und beschlossen, den Spaniern eine Schlachtzu liefern. Spinola, von ihnen überrascht, verschanzte sich aufeiner Anhöhe, unweit Oppenheim, und da die vereinten Fürstenden ganzen Tag über wegen des Angriffs berathschlagten, ge-langte er im Schutze der Dunkelheit wohlbehalten in sein Haupt-quartier zu Oppenheim, worauf jene es für gut fanden, wieder
nach Worms sich zu begeben. Im folgenden Winter führte ereinen Theil seiner Völker nach Kreuznach und Alzei, währendHerr von Gulsin mit seinen Wallonen in Oppenheim verbliebund daselbst aufs schrecklichste hauste. Alle Vorräthe wurdenvon ihnen aufgezehrt, hierauf die Städte und Dörfer der Um-gegend auf empörende Weise gebrandschatzt, und wegen der hef-tigen Kälte alle Fruchtbänme und Weinstöcke abgehauen undverbrannt. Viele Meilen im Umkreise hatten sie das Land un-sicher gemacht, indem sie allenthalben umhcrstrciftcn, um dieFruchtwägen aufzuhalten und als Beute nach Oppenheim zuführen. Diese bedrängte Lage der Stadt ward noch durch eineFeuersbrunst vergrößert, welche am 18. Juli des folgendenJahres ansbrach, 100 Häuser, darunter auch das Rathhaus,wohin die Bürger ihre werthvollstcn Habseligkeitcn geflüchtethatten, sowie die beiden Wirthshäuser zur goldenen Kanne undKrone in Asche legte. Erst nach 10 Jahren wurden die be-drängten Einwohner von der lästigen Besatzung der Spanierbefreit, da Gustav Adolf von Schweden als ihr Erretter erschien.Nach seinem Siege bei Leipzig war dieser edle Held bis an denRhein vorgedrungen. Auf alle mögliche Weise suchten seineFeinde zu verhindern, daß er diesen Fluß überschreite. Als erdeßhalb am 1. Dcrembcr 1631 bei Stockstadt, eine kleine Meileoberhalb Oppenheim, erschien, fand er alle Schiffe theils ver-brannt, theils in den Strom versenkt, und am gegenüberliegen-den Ufer die feindlichen Schaarcn zum hartnäckigsten Widerstandentschlossen. Aber der muthigc König, um das jenseitige Uferin Augenschein zu nehmen, wagte es, von vier kübnen Strei-tern begleitet, auf dem Thore einer Scheune über den Fluß zufahren. Schon hatte er sein gefahrvolles Fahrzeug verlassen,als eine Schaar spanischer Reiter, denen die Ucbcrfahrt nichtunbemerkt geblieben war, gegen ihn heransprengte und ihn zurschleunigsten Rückkehr nöthigte. Durch Vermittelung einigerSchiffer aus Nierstcin gelangte der König am folgenden Tagein den Besitz mehrerer größeren Fahrzeuge, auf denen der Grafvon Brabc mit 500 Schweden den Strom überschritt. Nach-dem er endlich trotz der heftigsten Gegenwehr die Landung er-zwungen, und mehrere Schaarcn vom rechten Ufer nachgefolgtwaren, entspann sich ein furchtbares Gemetzel. 14 Compagnienspanischer Kürassiere und Dragoner mußten nach dreimaligemwüthendem Angriff auf die unerschrockenen Schweden mit einemVerluste von 600 Todten die Flucht ergreifen. Im Dankgefühlgegen den Allmächtigen ließ nun der fromme König das sieg-reiche Heer das Morgenlied anstimmen: „Aus meines HerzensGrunde sag' ich Dir Lob und Dank!" Hierauf zog er vor dieStadt Oppenheim, und versuchte nach zweitägiger Belagerungeinen gewaltsamen Sturm. Wenn schon die Eroberung derStadt die heftigste Anstrengung und entschlossenste Ausdauer er-fordert hatte, so nöthigte die Erstürmung der Landskrona die