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5 (1846)
Entstehung
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bei der Kaiserwahl Konrad's des Saliers, besonders aber unterder Regierung Kurfürst Friedrich's I. von der Pfalz daselbst ge-halten wurden. Es widerfuhr ihr selbst die Ehre, daß im Jahre1562, als die Pest nicht nur in ganz Deutschland, sondern be-sonders in den Nheingegenden und in der Stadt Heidelbergaufs heftigste wüthete, die Universität von da nach Oppenheimverlegt wurde und längere Zeit daselbst verblieb. Auch darfnicht unerwähnt bleiben, indem wir von der Blüthezcit dieserStadt sprechen, daß eine der ersten Druckereien und Münzstättenüber 199 Jahre lang daselbst errichtet war. Die PfalzgrafcnRuprecht l. und Ludwig III. hatten hier Goldgulden prägenlassen, und mehrere bedeutende typographische Werke, darunterbesonders die erste Ausgabe einer Bibel in ungarischer Sprache,waren aus der Ofstcin zu Oppenheim hervorgegangen.

Als die Hauptzierde aber dieser Stadt, welche dem 13. Jahr-hundert ihre Entstehung verdankt, und noch in unseren Tagendie Aufmerksamkeit aller Kunstfreunde fesselt, muß die prächtigeKatharinenkirche genannt werden. Unweit der Landskrona er-hebt sich, majestätisch mit seinen drei Thürmen die Stadt über-ragend, der herrliche Bau, eine der schönsten Kirchen Deutsch-land's, wo die mittelalterliche Baukunst in ihrer Vollendungerscheint. Zwölf colossale zwölfkantige Säulen ans rothem Sand-stein mit prachtvollen Capitälen stützen des Domes dreifacheWölbung. Eine magische Beleuchtung ergießt sich von der Far-bcngluth der hohen Fenster. Die herrlichsten Sculpturen undausgezeichnete Malereien, merkwürdige Grabmäler und prächtigeAltäre schmücken das Innere des Gotteshauses, dem die kunst-reichen Formen des äußeren Theiles in würdiger Weise ent-sprechen. Nur zu bedauern ist, daß durch die französische Ver-heerung im Jahre 1689 vieles von der Herrlichkeit verlorenging. Der östliche Chor hatte außer dem Hauptaltare nochzwei Altäre, zur heiligen Dreifaltigkeit und zur heiligen Katha-rine, sowie eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle. Derwestliche Chor, welcher erst 122 Jahre nach Vollendung derKirche errichtet wurde und nunmehr gänzlich verödet ist, besaßvor seiner Zerstörung außer dem Hochaltare noch 6 Kapellen.Ueber dem Eingänge findet sich die Empfängniß Maria's auf eineoriginelle Weise dargestellt. Im Schiff der Kirche befanden sich5 Kapellen und 5 Altäre. Nicht weniger als 121 Grabmäler derberühmtesten Geschlechter am Rhcine sah man darin errichtet, seit-dem Erzbischof Peter von Main; 1315 dieselbe zur Stiftskircheerhoben hatte. Das Patronatsrecht über diese, sowie über dieerwähnte St. Scbastianskirche hatten sich die Kaiser von jeher vor-behalten. Zufolge der Kirchcutheilung wurde die Katharinenkircheden Reformirten ausschließlich überlassen, die schon seit dem Endedes dreißigjährigen Krieges ihren Gottesdienst darin gehalten hat-

*1 Der Bau derselben währte von I2K2 bis lZI7.

ten. Bei dieser Kirche befand sich die schon 1917 erbaute St.Michaelscapclle. Aus derselben Zeit rührte auch die am Fischer-thorc innerhalb der Stadt gelegene St. Annaeapelle. Vor demdreißigjährigen Kriege stand außerhalb der Ringmauer gegen Sü-den die St. Ulrichskapelle, welche zu den beiden Hospitälern zumheil. Geist und zu den guten Leuten gehörte. Noch im 17. Jahr-hundert befand sich in der Nähe der Sebastianskirche ein Hof desdeutschen Ritterordens, sowie ein Haus der Tempelherrn, welchesspäter in ein Hospital verwandelt wurde. Auch drei Klöster warenin Oppenheim gestiftet: ein Barfüßer-Kloster, berühmt durch eineausgezeichnete Bibliothek, welches 1211 erbaut und anfänglichmit Minoriicil besetzt war, bis in der Folge Kurfürst PhilippWilhelm von der Pfalz Franciscanermönche dahin berief, woraufdie dazu gehörige Franciscancrkirche durch die 1795 erfolgte Kir-chcutheilung den Katholiken anheim fiel, ferner ein Antonitcrstift,vor der Gaupfortc gelegen, das 1287 von Kaiser Rudolph I.errichtet und später sammt dem Antonitcrhause zu Alzei, mit welchemes in engster Verbindung stand, durch Ucbcrtragung der Einkünftean die Universität zu Heidelberg aufgehoben wurde; endlich daSadelige Nonnenkloster Maria-Kron, ehemals an der äußerstenRingmauer vor der Stadt bei der Mainzer Straße gelegen, wel-ches 814 von Ludwig dem Frommen als Benediktiuerkloster ge-gründet, aber im 12. Jahrhundert in ein Bernhardincrstiftverwandelt wurde, und die ältesten Grabsteine zu Oppenheimenthielt.

Außer diesen der Gottcsverehrung gewidmeten Gebäudeenthielt die Stadt viele andere sehr ansehnliche Höfe und Häuserder Ritter und Edeln, denen die Bewachung der Landskronaübertragen war, unter denen wir besonders den Dahlbergcr Hoferwähnen. In dessen Hauptsaale befanden sich rings an denWänden die Bildnisse der bedeutendsten deutschen Helden, Kaiserund Fürsten von Tuisco, dem ersten Deutschen, bis auf Karl V.,mit Angabe ihrer denkwürdigsten Thaten in lateinischen unddeutschen Versen. Weil nun die Stadt auf solche Weise mitprachtvollen und ausgezeichneten Bauwerken geziert war, wurdesie von allen Reisenden wegen ihrer herrlichen Lage und ihresreizenden Anblicks bewundert. Man verglich sie sogar der heili-gen Stadt Jerusalem: die Landskrona liege wie die Davidsburg,die Katharinenkirche wie der Tempel Salomonis, das benach-barte Dorf Dienheim wie die Schädelstätte; auch fänden sichdas NichtHaus, die Wohnungen des Kaiphas, Herodes, Pila-tuS u. a.; es mangele nur der Bach Kidron. Diese Ansicht,welche weit und breit bekannt war, entstand wahrscheinlich durchdie Pilger, welche unter Gottsried von Bouillon den Zug nachdem gelobten Land unternommen, und nachdem sie wieder inihre Vaterstadt zurückgekehrt, auf dem nach ihnen bis auf deuheutigen Tag benannten Pilgcrbcrg sich niedergelassen hatten.In diesem deutschen Jerusalem erwachte die dichterische Begeiste-