Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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hauptsächlich durch die Verwüstung der Franzosen im Jahr 1689herbeigeführte Verlust für die bildende Kunst zu bedauern ist.Von allen ursprünglich dem Dom angehörenden Merkwürdig-keiten dieser Art hat sich nichts erhalten, als die in einer Sci-tenkapelle eingemauerten uralten Hautrcliefs, Daniel in derLöwcngrubc darstellend. Außerdem erblickt man hier und danoch ein Wandgemälde im altbpzantinischen Style, von wel-chen ehedem eine große Anzahl diesen Tempel geziert zu habenscheinen. Besondere Auszeichnung verdienen darunter die kolos-salen Gestalten der beiden Schutzpatrone der Kirche, derengroßartige, edle Haltung und geistvolle Miene noch aus demlast ganz erbleichten Gemälde durchscheint. In noch kolossale-rer Größe ist an der, den östlichen Chor begränzcnden Kirchen-wand das Brustbild der heil. Jungfrau nebst dem Muttcrgot-teskinde angcbracbt mit der snicht ganz zu entziffernden) Unter-schrift: Uer. lo. streng. ckstur morbi. Konus, ome. st kuKstur -tzsurs. famos pestis. cbristi ctiristo tore to 01. Höchst merk-würdig sind auch die in dem genannten Chor einander gegen-über aufgehängten Holztafcln mit den auf Goldgrund gemaltenbeiden Schutzheiligen der Kirche im ältesten byzantinischen Style. Die übrigen Denkmäler dieser Kirche sind mit Ausnahmeeines Grabsteins aus dem vorigen Jahrhundert sämmtlich erst

in den neuesten Zeiten hier aufgestellt worden; so in der Kircheselbst: der sehr zierlich in gothische», Style ausgchaucne Grabstein der drei fränkischen Königstöchter St. Embcdc, St. War-bede und St. Willibede, welcher aus der zerstörten Kirche desehemaligen Frauenklosters auf dem Andreasberge (des sogenann-ten Bcrgklosters) hcrstainmt; in der südlichen Seitcnkapclle: dieKreuzabnahme Christi, gleichsam ei» Gemälde i» Stein vonwahrhaft ergreisendem Ausdruck, die Geburt unsers Heilands, derStammbau», der Maria :c., sämmtlich sowie die vielen kleinenWappenschilder aus dem zerstörten Krcuzgangc des Doms,der Taufstein aus der abgebrochenen Johanniskirche. Vondem Kreuzgange hat sich übrigens noch ein sehr sehcnswertherChor im byzantinischen Style erhalten. Offenbar stand alsoan der Stelle dcS nunmehr völlig abgerissenen Kreuzgangs,welcher den Baustyl des 15. Jahrhunderts an sich trug, einälterer im byzantinischen Styl, welcher, jenem Thore nach zuurtheilen, vielleicht in gleicher Zeit mit der Domkirche entstan-den ist. Unter die Vorzüge der Domkirchc gehört noch dasherrliche Geläute, welches, besonders in seiner vollständigenHarmonie an hohen Festtagen, einen wahrhaft imposanten, ganzdes erhabenen Gebäudes würdigen Eindruck gewährt.

Oppe hei in.

reizende Lage, großartige Bauwerke, mannichfacheErinnerungen an eine bedeutende Vorzeit, herrliche Erzeugnisselachender Fluren und gepriesener Rebhügel machen Oppen-heim zu einer Zierde des Rheinstroms, weßhalb wir uns auchveranlaßt sahen, der bildlichen Darstellung dieser intcressantcnStadt zwei Ansichten zu widme». Wir können die Geschichte die-ser Stadt bis ins erste Jahrhundert verfolgen, und dürfe» siedeßhalb unter die ältesten Orte des deutschen Vaterlandes zählen.Auf der Anhöhe, an deren Fuße die Stadt erbaut ist, hatte Drusnsein Castcll errichtet, dergleichen noch viele andere zur Befestigungdes Nhcinufers von ihm aufgeführt wurden. Man hat behauptet,dasselbe habe srx Kukkisn» geheißen, was sich jedoch eben so wenignachweisen läßt, als die Meinung, die Stadt sei schon früher vonden Sueveu nach Vertreibung der Vangionen erbaut und Bau-conika benannt worden. Die früheste zuverlässige Erwähnungdieses Ortes findet sich in den Urkunden des Klosters Lorsch, wel-chem Kaiser Karl der Große das Dorf Obbenheim 774 übergeben,

nachdem er schon 16 Jahre früher dieser Abtei einige Weingärtendaselbst überlassen hatte. Die Aebte dieses Klosters, welche bisin die Mitte des 12. Jahrhunderts hiersclbst bedeutende Eigen-thumsrechte besaßen, schienen mit den Kaisern zu wetteifern, umdas Emporblühen dieses Ortes zu fördern. So ließ der LorschcrAbt Theodorich ums Jabr 865 die Kirche zum heil. Sebastian,welche schon unter Karl dem Großen daselbst gestanden, und zwei-felsohne unter die ältesten Kirchen am Nheine zu zählen ist, vonGrund aus neu erbauen. I» diesem Gotteshause hing ehemalseine schöne, große Glocke ohne Inschrift, welche ums Jahr 1573von Fischern aus Oppenheim im Rheine gefunden, und nachmalsalle Freilage ihnen zu Ehren geläutet wurde. Zufolge des west-phälischcn Friedens wurde diese Kirche den Lutheranern überlassen,nachdem diese sowohl als die Kalvinisten seit der Reformation ab-wechselnd ihren Gottesdienst darin gehalten hatten. Ein wesent-licher Beitrag zur Begründung der städtischen Freiheiten geschahferner durch den Abt Boppo, der mit Einwilligung Kaiser Hein-