Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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mit der Klerisei Kosten wieder aufgebant wurde. Im Uebrigenscheint das erhabene Gebäude allen Stürmen der Zeit trotzenzu wollen. Die Mauern der ganzen Kirche sind so stark undfelsenfest durchaus aus Quadern aufgeführt, daß sie selbst denvon den Franzosen angelegten Minen widerstanden, obgleichdieselben sich viele Mühe gaben, auch dies Gebäude, wie denDom zu Spcier, 1689 bei der allgemeinen Zerstörung derStadt in die ruft zu sprengen. Dagegen zerschmolzen leiderdie mit Blei gedeckten Dächer der Kirche von der die ganzeAtmosphäre durchdringenden glühenden Hitze; auch bekam wohldamals das Gebäude durch die Erplosion des Pulvers die aneinigen Stellen desselben noch jetzt sichtbaren Nitze.

Unter allen byzantinischen Bauten behauptet die Domkirchevon Worms durch die edle Großartigkeit und zugleich ruhigeVeschlosscnhcit und Einfachheit der Form im Aeußern, wie imInnern eine der ersten Stellen. Vier mächtige runde Thürmebegränze» die beiden Chöre der 470 Schuh lange» nnd 1l0 Schuhbreiten Kirche und gewähren ihr, nebst den über denselben hervorragenden Kuppeln, besonders aus einer gewissen Ferne bctrachtet, das Ansehen einer wahren Bnrgveste Gottes, wozuauch die hohe Lage des ganzen Gebäudes nicht wenig beiträgt.Wenn der östliche (nach der innern Stadt zugekehrte) Chor durchseine reichen und großartig stylisirten Formen einen imposantenAnblick gewährt, so hat dagegen der westliche Chor durch seineAbwechselung und Mannigfaltigkeit, besonders aber durch seinedoppelte» Umgänge mit reicher Sänlenstcllung, mehr ein male-risches Ansehen. Dieser Chor verräth auch besonders am rechtenThurme, sowie an der mittleren großen Fensterrose, bereits denUebcrgang in den altdeutschen Styl; was sich nun nach der obenangegebenen Nachricht ganz natürlich dadurch erklären läßt, daßman bei der Wiederherstellung des einen hintern Thurmes im15. Jahrhundert auf die ältere byzantinische Gestaltung desnoch stehenden linken TbnrmeS nur insoweit Rücksicht nahm,als nöthig war, um die Symmetrie des Ganzen nicht völligzu zerstören, im Uebrigen aber dem herrschenden Geschmack derZeit huldigte, wodurch eben das auffallende, fast räthselhafteFormgcmisch deS ncuanfgeführten Thurmes entstand. Gleich-falls neu, und zwar theils ans dem 14., theils aus dem15. Jahrhundert, sind die dem alten byzantinischen Bau imdeutschen Style angefügten Seitenkapcllcn, wovon die an derSüdseite des Doms den mit reicher Sculptnrarbeit verziertenHaupteingang der Kirche einschließen. Im Gicbclselde unmit-telbar über dem Eingänge erblickt man hier Christus, Maria,einen knieenden Bischof (Burkard) und den heil. Petrus; dasGanze bedeutet wohl die durch die Fürbitte der heil. Gottes-mutter von Christus erhaltene Einweihung der Kirche auf denNamen des heil. Apostels. In den Scitcnbögen über demEingange befinden sich Darstellungen aus dem alten nnd neuen

Testament. Von den zunächst an den beiden Seitenwändenstehenden Figuren bezeichnen die linker Hand die vier Evangelisten, die rechter Hand aber wahrscheinlich die vier Haupt-propheten des alten Testaments. Ganz oben in der höchstenSpitze des Giebelfeldes erscheint ein mit einer Mauerkronegeschmücktes Weib, welches auf einem Thiere reitet und, wiedie an dem viergcstaltigen Haupte und den demselben ent-sprechenden Füßen sichtbaren Attribute der vier Evangelisten(Ochse, Löwe, Mensch, Adler) deutlich erkennen lassen, dietriumphirende christliche bezeichnen soll. Rechts und links folgennun noch an den nächsten Eckpfeilern verschiedene Figuren wo-von sich die linker Hand als bekannte Heiligenbilder :c. vonselbst erklären, die vier rechter Hand aber eine besondere Deu-tung erfordern. Von diesen bezeichnet nämlich die erste obereFigur mit der Büchse in der Hand und den beiden Verehrernzu ihren Füßen den wahren Glaube», die unmittelbar darunterbefindliche aber mit der Binde um die Augen, zurückgefallenerKrone, zerbrochenem Speer und mit dem Bock und Messer inder Hand das Iudenthum; die zweite obere mit zerbrochenemScepter das Heidenthum und die unter dieser stehende mit demSchild in der rechten Hand und den Kröten, Schlangen undEidechsen auf dem Rücken den Irrglauben. Diese und an-dere noch unwesentlichere Ansätze ausgenommen, gibt oieDomkirche den reinsten byzantinischen Styl des 11. JahrHunderts in allen seinen charakteristischen Einzelnhciten zu er-kennen, wohin besonders die glatten Mauern aus Quadern,die Feilster von geringer Höhe mit halbkrcisrundcr Bedeckung,die gleiche einfache Verzierung der Pforte, ferner die Reihehalbkreisrnnder Bogen unter den Gesimsen, die Würfel-knäufe mehrerer Säulen der Gallerten und endlich dieseSäulcnumgänge selbst zu zählen sind. Treten wir in dasInnere dieses majestätischen Gebäudes, so erhalte» wir ganzdenselben Totaleindruck, welchen das Aeußere ans uns machte;den» überall erblicken wir hier die nämliche edle Einfachheilnnd Ruhe, dieselbe Festigkeit und Zweckmäßigkeit, wie imAeußern, wozu der Anblick der rein ohne Ueberstrich gelassenenQuadersteine nicht wenig beiträgt. Eilf mächtige viereckigePfeiler, welche mit Halbsäulen nach altrömischer Art verziertsind, halten auf jeder Seite die kühngcsprengtcn Bogen empor,auf welchen das leichte mit bloßem Tupfstcin bedeckte Gewölbeder Kirche ruht. Einfach groß ist die Hinsicht von einem Chörezum andern, kühn und erbebend der Aufblick zu den dieselbenbegränzenden Kuppeln, von welchen die östliche die höchste istund 137 Schuh in der' Höhe beträgt. Selbst der gänzlicheMangel aller eigentlichen statuarischen Monumente an denPfeilern und Wänden der Kirche trägt nicht wenig dazu bei,den einfach großartigen Grundbau derselben um so ungestörterund wirksamer hervortreten zu lassen, so sebr übrigens dieser