seiner. Stadt sorgte, so war er doch Ursache des späteren Verfalls derUniversität. Denn er berief im Jahre 1705 die Jesuiten an die Uni-versität und andere Schulen, welche in die Pfalz in der Folge großeFinsterniß und Unduldsamkeit brachten.
Im Jahre 1720 erging der Befehl in das Land, den HeidelbergerKatechismus nicht mehr zu gebrauchen, wozu noch die gewaltthätigeWegnahme der h. Geistkirche kam. Nur durch dringende Verwendungvon Seiten Preußens wurde die Scheidemauer in der erwähnten Kirchewieder hergestellt, der Kurfürst ward aber so sehr darüber erbittert, daßer im Maimonat 1720 Heidelberg verließ und seine Residenz nach Mann-heim verlegte. Letztere Stadt verdankte diesem Vorfalle sein Aufblühen,für Heidelberg war aber der Verlust sehr empfindlich.
Von Karl Theodor, der mit dem Jahre 1743 die Regierung an-trat, hatte Heidelberg mehr erwartet; er that nur wenig für sie.Zwar wollte er das Schloß wieder herstellen und zeitweise darin seineWohnung nehmen, ein Blitzstrahl machte dies aber unmöglich und zer-störte die Ruine noch mehr. Traurige Erinnerungen bietet der Wintervon 1783 auf 1784. Der Neckar schwoll täglich mehr an, und trataus, gewaltige Eismassen zertrümmerten die Brücke, in allen Straßenwogte das Wasser und furchtbar war die Verheerung. Vom 18. Jan.bis zum Ende des Februar währte die Noth; 39 Gebäude wurdenzertrümmert, 290 stark beschädigt; glücklicher Weise fand kein Bewoh-ner Heidelbergs dabei den Tod.
Im Jahre 1780 wurde das vierte Jubelfest der Hochschule gefeiert,aber es war nur eine traurige Erinnerung an den alten Glanz. ImNovember desselben Jahres legte man den Grundstein zur neuenBrücke, und 1795 führte man die Stadtbeleuchtung ein. In diesemund dem nächsten Jahre kamen französische Heere über den Rhein, dochhatte Heidelberg dadurch nicht zu leiden. Die Stadt war um dieseZeit auch Sitz mehrer kleiner Hoflager, weil französische Emigrantensich daselbst niederließen und ihre mitgebrachten Reichthümer verzehrten.
Im September 1799 gingen die Franzosen wieder über den Rheinund Baraguap-d'Hilliers besetzte Heidelberg, wich aber vor den Kai-serlichen wieder zurück. Später kamen die Franzosen unter Nansoutpund Sabbatier wieder, stürmten aber am 16. Oktober vergebens dieBrücke, welche nur von einer Kanone vertheidigt wurde.
Heidelberg fiel im Jahre 1803 mit der Rheinpfalz an Baden undKarl Friedrich hielt am 27. Juni daselbst seinen Einzug. Die Stadt
ging fetzt einer,schöneren Zeit wieder entgegen, denn Karl Friedrichstattete die Universität aufs Beste aus und berief treffliche Lehrer andieselbe, so daß sie bald wieder zu ihrem früheren Glänze zurückkehrte.Die nachfolgenden Kriegsjahre waren nicht mehr verderblich für dieStadt, und im Jahre 1815 sah sie sogar die Kaiser Franz und Alexan-der mit andern Fürsten in ihren Mauern und feierte ihre Anwesenheitdurch verschiedene Feste. Eine neue Zierde ward ihr durch Zurückgabeder einst entrissenen Manuscripte, die bald darauf aus Paris undRom dahin verabfolgt wurden.
Seither hat Heidelberg fast mit jedem Jahre zugenommen, undwenn sich auch die Hochschule nicht mehr so ganz des Glanzes erfreut,den sie in den ersten Deeennien dieses Jahrhunderts verbreitete, sosteht sie doch immer noch rüstig und kräftig da, und Stadt und Schloßsehen jährlich mehr Fremde in ihren Mauern einkehren, als je zuvores geschehen. Der ehemalige Stadtdirektor Pfister war besonders be-müht, Stadt und Umgegend zu verschönern, und gangbare Pfadewurden zu allen schönen Punkten gemacht; durch den StadtdirektorFischer wurde der freundliche Pariser Weg angelegt und überhauptAlles aufgeboten, was nur in den Kräften der Stadt und seiner Be-wohner lag. Die Universität erhielt neue Einrichtungen und größereLokale, ein botanischer Garten wurde neu angelegt, eine neue Straße,die Friedrichsstraße, eröffnet, das Gymnasium in ein Lpceum erweitert,eine höhere Bürgerschule gegründet und noch eine Menge Einrichtungengetroffen, deren Wohlthaten die Enkel noch fühlen werden. Ueberallhin istder Verkehr erleichtert, Eisenbahnzüge kommen an und gehen ab, Dampf-schiffe befahren den Neckar, dessen Bett jährlich mehr von seinen ge-fährlichen Felsen lbefreit wird, nach allen Richtungen hin gehen eineMenge Wagen, und Handel wie Fabriken entfalten sich aufs Erfreulichste.
Dies Alles hat Heidelberg blos dem jetzigen Regentenhause undseinen thätigen Gemeindevorstehern zu verdanken, welche keine Müheund Kosten scheuen, das allgemeine Wohl ihrer Mitbürger zu schützenund zu mehren. Wohl hat sich noch unter vielen Bewohnern Heidel-bergs sowohl, als der ganzen Pfalz, namentlich unter den niederenKlassen die alte Anhänglichkeit an pfälzische Einrichtungen und eineAbneigung gegen die neuen Landesbrüder erhalten, doch wird die Zu-kunft auch dieses bald verwischen und der durch die Eisenbahnen nochmehr geförderte Verkehr die Blüthe von Stadt und Land auf ihrehöchste Stufe bringen.