lichen Dorfe Zicgelhausen, das sich so lieblich an das Gebirg an-lehnt. Hinter dem Dorfe lag einst der Fürstenweiher und eineGlashütte, die beide nur noch in den Namen der daselbst stehen-den Weiler erhalten sind.
Ueber dem Berge nordöstlich, am Ufer der raschfließenden Steinachliegt Schönau mit etwa 1700 Einwohnern, 606 Fuß über dem Meere.Hier stand einst ein bekanntes Bernhardinerkloster. Buggo von Ahorn,Bischof von Worms, hat es im Jahre Il42 gestiftet, Graf Boppo vonLaufen und Bliker von Steinach schenkten ihm bedeutende Güter undmehrere Bischöfe von Worms und Speier mehrten die Einkünfte desjungen Gotteshauses nicht wenig. Ihnen reihten sich würdig Pfalz-graf Konrad und Andere an. Später lebte in männlicher Kleidungdie h. Hildegard als Novize daselbst und starb unbekannt in der Mitteihres Probejahres, was des Klosters Ruhm sehr vergrößerte. In derFolge blühte das Kloster sehr auf, und seine Abte waren sehr geehrtund angesehen, bis Kurfürst Friedrich m es im Jahre 1562 aufhob,worauf sich der letzte Abt Wolfgang Cartheiser mit den Mönchen nachWorms begab. Bald darauf kamen viele französische Familien, welcheder Religion wegen aus ihrem Vaterlande flüchteten, in die Pfalz undbaten um Aufnahme. Ihnen räumte also der Kurfürst Schönau ein,und bald wurden daselbst Tuchmachercien, Leinwandbleichcn und Pa-piermühlen errichtet, welche vielen Verdienst in diese öde Gegendbrachten. In neuerer Zeit haben aber alle diese Gewerbe sehr gelit-ten, und sind zum Theil wieder eingegangen. Das alte Klostergebäudeund die Kirche sind im französischen Kriege (1630) ganz zerstört wor-den; nur wenige Steinreste sind noch übrig. Ein Kirchenthorbogenläßt wegen der Art seiner Wölbung auf vorgothische Bauart schließen;im Keller eines Tuchmachers befindet sich noch das Grabmahl des Pfalz-grafen Konrad mit Inschrift und Jahreszahl von I löö. — Wäre esnicht Pflicht der Regierung, diese Denkmale besser zu erhalten? —
Zu weiteren Exkursionen bietet die Umgegend reichliche Gelegen-heit. In anderthalb Stunden fährt die Eisenbahn täglich viermal überWiesloch, Langenbrücken und Bruchsal nach Karlsruhe, noch öfters ineiner Halden Stunde nach Mannheim, und täglich fährt Morgens umsechs Uhr ein Dampfschiff auf dem Neckar durch das herrliche Thalnach Heilbronn, von wo es den Rückweg in einem halben Tag macht.Nach Neckargemünd gehen viermal des Tags Omnibuswagen, undzweimal nach Sinsheim, an der Straße nach Heilbronn. Außer diesenGelegenheiten fährt man auch sehr billig überall hin, wenn man sichan die neuerrichtetcn Droschkengesellschaften wendet, welche an mehre-ren Punkten der Stadt stets eine Anzahl Droschken bereit stehen haben.Auskunft über Alles, was zur Durchwanderung der Gegend, wie derStadt zu wissen nöthig ist, erhält man hier leicht, und die Lohn-bedicnten der ersten Gasthäuser namentlich des badischcn Hofs, sindmehrerer fremden Sprachen mächtig, daß sie als Führer sehr zu em-pfehlen find.
Geschichte.
Wie weit die erste Anbauung des Neckarthals zurückreiche, wann dieerste Hütte am Fuße des Geisbergs gegründet worden, wer mag dessenKunde geben beim gänzlichen Mangel aller Schriftdenkmale so früherZeit? Lang vor der Römer Ankunft am Rheinstrome waren Menschenan dessen Ufer gewandelt und hatten die Kelten friedlich gewohnt ansonnigen Bergwänden und in der fruchtbaren Ebene; erhaltene Grab-hügel in der Umgegend find dessen die sichersten Zeugnisse. Der Ein-gang ins Neckarthal war für Handel und Wandel ein zu wichtigerPunkt, als daß er nicht frühe Ansiedler erhalten hätte, zumal köstlicheFernsichten die Kelten am meisten anzogen. Fischer, Schiffer und Jä-ger waren wohl die ersten Bewohner dieses Punktes. Als die Römerin diese Gegend gelangten, legten sie Befestigungen an zur Behauptung
des Landes; es standen solche auf dem Heiligenberge, beim Stift Neu-burg, und wahrscheinlich auch auf dem Vorsprunge, wo sich jetzt dasHeidelberger Schloß erhebt.
Bergheim und Neucnheim erscheinen schon in der Mitte des achtenJahrhunderts als geschlossene Dörfer, und aus den Mauerresten desRömerkastells auf dem Geisberg erstand eine deutsche Burg, welche dasHochstift Worms zu Lehen gab. Schlierbach hatte im Jahre l 150 schoneine Burg, von der sich der Freiherr Billung benannte, und es istnicht unwahrscheinlich, daß um dieselbe Zeit Herzog Konrad von Rhein-franken, sogar schon vor dem Jahre Il48, auf der Burg des Geis-bergs gcwohnr habe.
Diesem Fürsten verdankt Heidelberg seinen Ursprung, denn gegendas Ende seines Lebens nahm er auf der hiesigen Burg seine bleibendeWohnung, und seine Nachfolger erhoben dieselbe zum Rcsidenzschloßdes ganzen pfalzgräflichen Landes.
Auf solche Weise hatte Heidelberg zu Anfang des dreizehnten Jahr-hunderts schon seine geschlossene Bürgerschaft, Vogt, Schultheißen,Leutpriester, Ringmauer» und Bann, war also bereits eine vollkom-mene Stadt.
Woher ihr der Namen Heidelberg geworden, weiß Keiner mii Be-stimmtheit anzugeben, und es wäre verschwendete Mühe, zu untersuchen,ob er aus Eitel und Berg entstanden, oder von den Heiden und Hei-delbeeren abgeleitet worden seie.
Unter Pfalzgraf Ludwig l. wütheten Pest und Erdbeben in Deutsch-land von 1225 bis 1227, und Heidelberg wurde dadurch ziemlich ver-ödet. Sein Nachfolger erlebte im Jahre 1248 eine schreckliche Hun-gersnoth, in Folge deren Viele auswanderten. Alle Bande der Ordnungwaren in jener Zeit gelöst, kein Gesetz und Recht galt mehr; da tra-ten zur gemeinsamen Sicherheit sieben rheinische Städte zusammen ineinen Bund, bei ihnen war Heidelberg. — Aber die nächsten Jahr-zehnte waren nicht glücklich für diese Stadt. Im Jahre 1278 trat derNeckar verheerend aus seinen Ufern, und was die Fluthen verschonten,verzehrte bald darauf eine Feuersbrunst. Nur die Kirche zur h. Jung-frau in der Einsamkeit blieb stehen, selbst das pfalzgräflichc Schloßwurde ein Raub der Flammen und Pfalzgraf Rudolf war genöthigt,in Wiesloch zu wohnen.
Nachdem die Stadt neu aufgebaut war, brach im Jahre 1238 einezweite Feucrsbrunst aus, die meisten Häuser brannten nieder, undfast zu derselben Zeit stürzte die Neckarbrücke ein, als eben eine Pro-zession darüber zog, wobei über dreihundert Mensche» umkamen. Umdas Jahr 1301 in der Fehde mit Kaiser Albrecht, und später im Kriegemit Kaiser Ludwig wurde die ganze Umgegend verheert. Doch scha-deten zwischen 1313 und 13l4 der Neckar und die Pest noch viel mehr.
Unter Rudolf II. wurde der Landfrieden errichtet und die Ruhewieder hergestellt; im Jahre 1348 waren es die Pfalzgrafen Rudolphund Ruprecht I. fast allein in Deutschland, welche den verfolgten Ju-den Aufnahme und Schutz gewährten. Zwar wurden dieselben vonRuprecht II. wieder vertrieben, doch handelte dieser Kurfürst schöndurch Gründung einer Universität. Um die Stadt zu vergrößern unddie zahlreichen Studierenden aufnehmen zu können, befahl er den Be-wohnern des Dorfes Bergheim, ihre Wohnungen abzubrechen und inHeidelberg sich niederzulassen, wodurch die Speierer Vorstadt entstand.
Zu derselben Zeit kam ein Zug Flagellanten nach Heidelberg, ausden Rath der Universität wurden aber diese Schwärmer alsbald wie-der entfernt. Pfalzgraf Ruprecht III., der im Jahre 1400 zu Lahn-stein zum römischen König erwählt wurde, erhob die Heiliggeistkirchezu einem Stift mit vielen Präbenden; unter seiner Regierung fandenblutige Händel zwischen Bürgern und Studierenden statt. Am l2. Juli1406 bekamen nämlich zwei Studenten mit einem Hofdiener thätlichenStreit; da liefen sogleich andere Hofdiener und Knechte zusammen,