Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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Auch der Weg nachRohrbach, an der Krappfabrik vorüber ist sehrangenehm, ebenso der Pfad über den Geisberg nach dem Bierhäl-derHofe, einem Besitzt!»»» des kürzlich verstorbenen ProfessorsZachariä, der es zum Fideicommiß gemacht hat.

Interessant ist ein Spatziergang auf den Geisberg, an welchemauch die alten Befestigungen: der Trutzbaicr und der Trutzkaiserstanden. Großartiger ist jedoch die Aussicht vom Königsstuhle, dersich hinter dem Schlosse, 1893 Fuß über d. M., ziemlich steil erhebt.Heinrich Jakobi aus Kassel, Geschäftsführer der Groos'schen Buchhand-lung, ergriff zuerst die Idee, einen Thurm bier aufführen zu lassen.Es wurde dies durch die Freigebigkeit des Großherzogs und vielerFreunde der Naturschönheiten möglich, und im Oktober 1832 legteman den Grundstein dazu. Von ihm aus hat man die freieste Aussichtin der ganzen Umgegend; der Blick reicht hinauf bis zum Straßbur-ger Münster, hinab bis zum Taunus, über den Odenwald und dasRheinthal, und an schönen Abenden sieht man die ganze westliche Ge-gend im Feuermeere der Sonne verschwinden. Ihr Auf« und Unter-gang wird daher von den meisten Fremden hier beobachtet.

Den Namen hat der Königsstuhl, der auch, wiewohl mit Unrecht,Kaiserstuhl genannt wird, von der Sage erhalte», welche im Jahre2250 der WeltEstermaun, den fünften König der Deutschen", hierthronen ließ.

Der Plättelsweg hinter dem Schlosse ist römischen Ursprungs,un d führt nach dem Köpigsstuhl, auf dessen Südseite der Kohlhof liegt.

Hinter dem Schlosse führt ein Weg in ziemlicher Höhe nach demeine gute halbe Stunde östlich von Heidelberg entfernten Wolfs-brunnen. Derselbe liegt in einem heimlichen, engen Thale und hateine freundliche Wirthschaft. An ihn knüpft sich eine schöne Sage voneiner alten Wahrsagerin, Jette oder Vclleda genannt, welche von ei-ner Wölfin zerrissen worden sein soll. Noch heißt ein unterirdischerGang das Heidcnloch.

Den Weg zurück macht man gewöhnlich durch das Dörfchen Schlicr-bach gerade unterhalb des Wolfbrunnens; dasselbe gehört in den Gemein-deoerband von Heidelberg, wohin eine schöne Straße die Landstraßenach Neckargemünd, Würzburg und Heilbronn links am steilen Berge,an dessen Fuße kleine Häuschen stehen, rechts am Ufer des Neckars zu-rückführt. Andere Spaziergänge liege» jenseits des Neckars, wo seiteinigen Jahren sehr schöne Landhäuser erbaut und Gärten angelegtworden sind. An der Ecke des Gebirgs liegt das mit Gärten undRebgeländen umgebene Dorf Reuenheim, wo sich schon im ach-ten Jahrhunderte (765) Weingärten befanden, und noch früher dieRömer eine Niederlassung hatten, wie aufgefundene Denkmale jetztnoch bezeugen. Im I. 1622 brannte es ab, im vorigen Jahrhundertewurde hier eine Salpeterplantage angelegt, aber 1803 wieder aufge-hoben. In der hiesigen Gemarkung dürfen die Heidelberger Studen-ten jagen.

Vor dem Dorfe, links an der Straße nach Frankfurt steht einaltes Bauernhaus, der Mönchhof genannt. Es gehörte einst demKloster Heiligenberg, ist aber blos deshalb merkwürdig, weil eine Sagemeldet, daß Luther auf seiner Reise nach Wvrms darin übernachtethabe.

Von Neucnheim aus führt gerade nach Osten in die Höhe derPhilosophcnweg, mit schöner Ausficht auf Stadt und Schloß Hei-delberg.

Hinter dem Dorfe beginnt der Weg nach dem Heiligenberg;sein Gipfel liegt 1458 Fuß über dem Meere, und ist mit dichtem Ge-büsche bedeckt. Noch steht eine dicke Mauer, der Ueberrest eines altenThurmes, daselbst, ein anderer Thurmrest ist im Jahre 1839 demSturmwind erlegen. An die Ruine knüpfen sich große Erinnerungen.Schon der Römische Schriftsteller »l-rcellinus gedenkt des

»>»»« piri; die Römer hatten auf ihm einen Wartthurm errichtet, wahr-scheinlich unter Kaiser Valeutinian. Von einem Merkuriustempel er-hielt der Berg den Namen Merkuriusberg, und später wurde er Ad-rahamsberg genannt. Ihn schenkte König Ludwig m seiner GemahlinLuitgardt, und im Jahre 882 dem Kloster Lorsch, dessen Abt Thiodrochschon einige Jahre vorher ein Kloster daselbst zu erbauen begonnenhatte. Von dem neuen Tempel St. Michael bekam nun das Klosterselbst diesen Namen, und es selbst wurde im I. >025 vom Abte Regi-nald erweitert. Dasselbe erhielt im Laufe der Zeiten bedeutende Ver-gabungen im Lobdengane; Probst Arnold war bald im Stande, etwashöher als das Kloster lag, eine zweite Kirche zu Ehren des h. Stephanzu erbauen; ja es gründete bei dieser Kirche Abt Anselm zu Lorschnoch ein neues kleines Benediktinerkioster, und in der Folge kamenbeide zu vielem Ansehen. Den Namen Heiligenberg soll der Berg darumerhalten haben, weil der vertriebene Abt Friedrich XI von Hirsau imGerüche der Heiligkeit hier gestorben ist. Im Jahre 1391 wollten sichdie Flagellanten daselbst niederlassen, Kurfürst Ludwig schlug ihnenaber ihr Gesuch ab. Beide Klöster gingen lang vor der Reformationwieder ein und das Kloster Lorsch zog ihre Güter an sich. Im dreißig-jährigen Kriege (1622) nahm Tilly bier Stellung, um Heidelberg zubeschießen; er wurde aber von den Belagerten bald genöthigt, diesenBerg wieder zu verlassen. Der Weg auf den Heiligenberg ist nichtbequem, die Aussicht auf demselben aber sehr lohnend.

Von Neuenheim führt die Bergstraße nach dem alten und reichenPfarrdorfe Han d sch uh sh eim mit dem Schlößchen des Herrn vonUhdc, welcher eine Sammlung Mexikanischer Alterthümer besitzt.

Von hier ans wandelt man am Fuße der Berge zwischen Obst-bäumen und durch lachende Felder nach Dossenheim mit der Scbaucn-burg, nach Schrießheim, wo mehrere Papiermühlen und die BurgStrahlenburg liegen, dann nach Leutersh ausen, Großsach-sen, Hohcnsachsen und Litzelsachsen, um in das alte freund-liche Amtsstädtchen Weinheim zu gelangen, hinter welchem die BurgWin deck auf einer 752 Fuß über d. M. liegenden Anhöhe den Wan-derer begrüßt. Einen Abstecher von hier aus ins Gorrheimer undBirkenauer Thälchcn zu machen, ist Jedem Freunde schöner Gegendenzu rathen.

Wendet man sich bei der Neckarbrücke zur Rechten, am Ncpomucks-bilde und der Seitz'schen Wirthschaft vorüber, so führt der Weg nachder Hirschgasse, einem Wirthshause, in welchem die HeidelbergerStudierenden ihre Duelle auszufechten pflegten, bevor sie durch einVerbot genöthigt wurden, dies jetzt im Wirthshaus zur Rose in Neuen-Heim zu thun. Weiter hinten im Thale, dem erwähnten Wirthshauszum Hausackcr gegenüber, steht das schöne Landhaus der Frau vonNies, welches jetzt auf ihr Pflegkind sich vererbt hat, und einige hun-dert Schritte entfernter steht die Spepererschc Gerberei, gewöhnlich derHaarlaß genannt, hinter welcher der Besitzer eine Eremitage er-richtet hat, die eine sehr schöne Aussicht gewährt.

Das Stift Ncuburg übertrifft diese Punkte an Schönheit sehr.Es ist Eigenthum des Raths Schlosser aus Frankfurt und enthält eineschöne Kapelle, und freundlichen Garten; hinter demselben liegt einkleiner Park mit einem Weiher und einem künstlichen Wasserfall. DasGebäude mag auf römischen Grundmauern stehen; Abt Anselm vonLorsch gründete hier Zelle und Kirche; Pfalzgraf Konrad verwandeltees aber im I. 1135 in ein adeliges Frauenstift, Dasselbe wurde gegenEnde des siebenzchnten Jahrhunderts wieder eingezogen, doch gab esKurfürst Johann Wilhelm im 1.17V9 an die Jesuiten. Nach Aushebungdieses Ordens kam das Stift in Privathändc, zuerst an Herrn Cavallound dann an den jetzigen Besitzer, welcher eine reiche Bibliothek undKupferstichsammlung daselbst aufgestellt hat.

Der Weg führt sodann mit wenigen Schritten nach dem freund-