zur Fa<Me geliefert. Otto Heinrich legte im Z. 1556 den Grundsteindazu und vollendete ihn herrlicher, als je ein Kaiser zu jener Zeit einGebäude aufzuweisen hatte. Nur kurz währte seine Pracht, schon im30jährigen Kriege wurde er beschädigt (1633), zwar 1659 wieder her-gestellt, aber später durch die Franzosen auf's Neue verwüstet. Wasim I. 1718 Karl Philipp zu seiner Erneuerung that, vernichtete 1764der Schloßbrand wieder. Später wurde die schöne Ruine noch fre-velhaft des Eisens und mancher köstlicher Zierde beraubt. Die vor-dere Fa^ade ist mit größter Pracht angelegt, und mit vielem Fleißausgeführt. Ueber dem Eingange, den vier schön gearbeitete Statuenzieren, befindet fich des Erbauers Namen, sein Brustbild und Wap-pen; links und rechts kämpfen zwei Männer mit Löwen. In denNischen stehen Statuen verschiedener Personen, vortrefflich gearbeitetund gute Meister verrathend. Zn den Nischen des ersten Stockwerksstehen die Statuen von Josua, Samson, Herkules und David, mitNeimsprüchen; in der mittleren Reihe erscheinen die fünf allegorischenBilder der Stärke, des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung und derGerechtigkeit; in der dritten Reihe endlich Saturn, Mars, Venus,Merkur, Diana, über diesen in den ehemaligen Giebeln Pluto undJupiter. An den Giebelfeldern der ersten Fcnstcrrcihe find in halberhabener Arbeit folgende Brustbilder angebracht: Vit<?»i»5 Ii»,,er->to>-,
>4»toni»u« lUus, Vibcillus tUsuiIius ?scro, Dicro D. Itlsri»«,
!tl ^»tonius, 3. liol», IV ?!>»>l>l>iliu5, Hl. liiutus. Das Dach endigtein zwei hohen Gicbelwänden, und war ziemlich spitz und hoch. DerHauptsaal hatte schöne Säulen, alle Gemächer waren mit symbolischenSculpturwerkcn geschmückt, die Arabesken der Thüren im Geiste Bcn-venuto Ccllini's. Lange war das Innere dieses Baues, den Stürmenund Regengüssen preisgegeben, unzugänglich; erst in neuerer Zeit hatman es vom Schütte gereinigt, und vor weiterem Verfall geschützt.
Der daranstoßende Ludwigsbau, 1524 aufgeführt, ruht aufeinem viel älteren Unterbau, wovon das Bogenthor noch herrührt.Es führt zum untere» Baue des Bibliothekthurms, eines Werkesvon Friedrich IV. Der Unterbau desselben diente vormals zur Be-festigung des Schlosses, und soll von Friedrich dem Siegreichen her-stammcn. Neben diesen Gebäuden ist noch die neue Küche, wahr-scheinlich eine Konditorei, die alte Küche, ferner das Schlachthaus,jetzt Stallung und das daranstoßende Oekonomiehaus zu bemerken,welches vom Restaurateur der Schloßgartenwirthschaft bewohnt wird.
Vor diesen Gebäuden lag der Schloßbrunnen, 1601 von Fried-rich II errichtet, aber mehr als Zierde; seit hundert Jahren steht ertrocken, früher sprang ein gewaltiger Wasserstrahl aus einer Stein-schale in der Tiefe des Bodens hervor, und fiel in vier Bogen inBecken. Merkwürdiger ist der Ziehbrunnen unter einer Säulen-halle östlich vom Eingange in den Schloßhof. Die Säulen sollen vonJngelheim hierhergebracht worden sein, und früher den Palast Karlsdes Großen geziert haben.
Nachdem wir also das Innere des Schlosses betrachtet haben, tre-ten wir wieder zum Thore heraus und gelange» auf einer steinernenTreppe in den Graben hinab, um von da die gewaltig hohen Mauernzu betrachten, welche das Schloß befestigten. Dieselben find sehr alt,wurden aber von den Franzosen theilweise gesprengt und das Dachverbrannt. Am südwestlichen Ecke derselben steht ein gewaltiger Thurm,der zu den ältesten Theilen des Schlosses gehört. Er hat 16 bis 20 Fußdicke Mauern und diente anfangs als Pulverthurm. Die Franzosensuchten ihn im I. 1789 zu zerstören, aber nur ein gewaltiges Mauer-stück löste sich ab und stürzte nieder, daher er jetzt der gesprengteThurm genannt wird und eine der schönsten Parthien des Schlossesbildet. Noch kann man bis auf denselben emporsteigen, und vor eini-gen Jahren ertönte jeden Mittwoch im Sommer Musik von dieserHöhe. Unfern des gesprengten Thurms liegt der Fürstenbrunnen
mit dem besten Wasser der ganzen Gegend; er wurde erst im I. 1767von Karl Theodor angelegt.
Mehrere unterirdische Gänge verbanden die einzelnen Theile desSchlosses, namentlich die Befestigungswcrke; die meisten derselben findjedoch verschüttet und eingefallen. Auch stand am Burgwege früher derKarlsthurm mit der Inschrift:
aber nur Theile des Fundaments sind noch erhalten.
In den Schloßgarten führt der Weg vom Burgthor gegen Osten;anfangs ist er schmal, dann breit und wendet sich zuletzt nordwärtsbis zur großen Terrasse. In der ersten Zeit war kein Schloßgartenvorhanden, weil der Bergabhang zu steil zu sein schien. Friedrich V.ersetzte aber durch Kunst, was die Natur versagte. Durch den Bau-meister Salomo von Caus ließ er Terrassen anlegen, die Tiefen aus-füllen, den Boden ebnen und einen Garten im Geschmacke seiner Zeitanlegen mit Grotten, springendem Wasser, und mancherlei Verzierun-gen, wovon z. B. noch eine Kolossalstatue des Rhein's übrig ist. Oest-lich vom Schlosse lag ein Pomeranzenwäldchen, über das im Winterein Bretterhaus gebaut wurde, daneben ein Blumengarten mit einemWeiher u. dergl. Dies wurde aber Alles durch die barbarischen Händeder Franzosen zerstört, und was später wieder hergestellt wurde, erlagneuerdings der Verwüstung und Vernachlässigung. Zuletzt wurde derPlatz eine wahre Wildniß, oder in Feld umgeschaffcn. Seit dem An-fange dieses Jahrhunderts ist der Garten wieder hergestellt, aber ganzanders, den» zuvor. Es ist dies vorzüglich dem Eifer des Garten-direktors Metzger zu verdanken. Jetzt befindet sich cm schönes Wirth-schaftsgebäude darin, wo man immer zahlreiche Gäste findet, nachallen Punkten führen schöne Pfade, und aus der Terrasse steht (seit 1771)ein Gartenhaus. Von letzterem Punkte hat man eine schöne Aussichtins Reckarthal, und auf das alte Schloß; es ist dies einer der köst-lichste» Punkte der ganzen Ruine.
Zum Rückweg in die Stadt wählt man gewöhnlich den Burgweg,der vom Garten bei der Terrasse aus bis gegen den gesprengten Thurmwestlich, dann bis zum achteckigen Thurm nördlich, und von da immerum das Schloß herum wieder westlich bis zur Stadt hinabführt.
Gerade unterhalb des Dickenthurms beim Bremeneck lag früherdas Haus der edlen Klara von Detten, Gemahlin Friedrichs des Sieg-reichen, der Begründerin des Hauses Löwenstein. Sie hatte es mitdem Garten im I. 1465 von Friedrich zum Geschenk erhalten.
Einen größeren und höheren Genuß, als der Besuch dieses Schlos-ses mit seinen Ruinen bietet, vermag man sonst nirgends zu finden,keine andere Ruine Deutschlands kann mit ihr verglichen werden.Doch hat Heidelberg außer diesem noch andere schöne Spaziergängeaufzuweisen.
Durch die schlechtgepffasterte Plöckstraße oder bei der Peterskirchehinaus gelangt man auf den schönen Pariserweg, mit dem schat-tigen Fußwege, und den freundlichen Häusern am Fuße des Geisbergs,wo etwas höher die Wirthschaft zum Riesenstcin, gewöhnlich SattlerMüllerei genannt steht, und noch höher ein freundlicher Weg zumsogenannten Riesenstein selbst führt. Am Ausgangc des Pariser-wegs liegt links der Garten des landwirthschaftlichen Vereins, undrechts der botanische Garten, dessen schönes Treibhaus herrlich imHintergrunde vor dem Mannheimer Thore emporragt. Es gewährtdies, wenn im Sommer Alles im Garten blüht, einen köstlichenAnblick.
Gegenüber dem Ausgange des erwähnten Wegs liegt sodann dergroße Bahnhof mit den einfachen, aber sehr schönen Gebäuden.
Südlich an den Bahnhof lehnt sich das Hotel Ernst an, einschönes Gebäude auf dessen Belvedere bei schönem Wetter fast immerGesellschaft zu treffen ist; denn man hat von da aus eine köstliche Ausficht.
WW