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5 (1846)
Entstehung
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Ludwig V. erbaute auch den viereckigen Thurm massiv von Stein.Das schöne Spitzdach und das prachtvolle aus massivem Silber an demThor über der Brücke angebrachte Wappen wurde 1693 von den Fran-zosen zertrümmert und geraubt; nur die zwei aus Sandstein gehaue-nen Löwen und die zwei Schildknappen auf beiden Seiten sind nochvorhanden. Das alte Fallgitter im Thore ist noch erhalten.

Gleich links neben dem Thore beginnt der Ruprechtsbau, einerder ältesten Theile des Schlosses. Pfalzgraf Ruprecht III. hat ihn umdas Jahr 1499 gegründet. Ludwig v. stellte ihn 1549 wieder her,und Friedrich II. verschönerte ihn um 1545. Im I. 1689 erlag erder allgemeinen Zerstörung. Erst in neuerer Zeit wurde der Schuttweggeräumt, der Saal wieder hergestellt und mit Waffengeräthen aus-geschmückt und gemalte Fenster eingesetzt. An der vorder» Wand be-finden sich einige wichtige Denkmale: das Wappen des Königs in halberhabener Arbeit, eine Steinplatte mit drei alten kurfürstlichen Wap-penschildern. Die Thüre ist gothisch, über derselben folgende sin-nige Verzierung: Ein Rosenkranz von zwei in Mäntel gehüllte»Genien getragen, im Kranze die Abzeichen des Maurcrordcns. DieSaaldeckc wird von einem starke» Pfeiler getragen; die Schlußsteineder Kreuzgewölbe und Bogen sind mit Wappenschildern zc. geschmückt,von welchen wir den Reichsadler des Königs, den pfälzischen Löwenmit der Krone und den alten Wittelsbachcr Schild hervorheben. Eineschöne Wendeltreppe führt in ein achteckiges Thürmchen im zweitenStock, wo ein Kamin mit geschmackvollen Arabesken ist, wovon manzwei Löwen mit dem pfälzischen und dänischen Wappen erkennt.

Die vor vierzig Jahren noch erhaltene» Bilder des KurfürstenFriedrich II , seiner Gemahlin und seines Schwiegervaters, des KönigsChristian von Dänemark, wurden leider nicht so erhalten, wie sie esverdienten.

Unmittelbar an diesem Theile steht der sogenannte Alte Bau,dessen Gründer unbekannt ist; doch scheint er der älteste Theil desSchlosses zu sei». Der gewölbte Kaisersaal im zweiten Stockwerkewurde einst bei Hoffestcn benützt. Auch dieser Theil ist seit 1689 zer-stört; setzt hat man aber der schönen Aussicht wegen eine Stiege er-richtet, auf welcher man zum Belvedere gelangt.

Neben daran lag die alte Kapelle, welche Rupert I. im I. 1346e>baute und sehr reich ausstattete. Unter Friedrich I wurde sie imI. 1479 erneut, wiederholt eingeweiht und die Pfründe erhöht. Alsaber im I. 1697 durch Friedrich I V. die neue Schloßkapelle errichtetworden, ließ Friedrich V. diese alte Kapelle in einen Königssaal um-wandeln, dessen Decke durch vier gewaltige Säulen getragen wurde.Der Saal selbst war 136 Fuß lang, 69 Fuß breit und 27 Fuß hoch.Im I. 1634 wurde das Gebäude durch die Belagernden beschädigt,von Karl Ludwig wieder hergestellt und mit hohen Giebeln versehen,endlich aber von der französischen Zerftörungssucht zur Ruine gemacht.Die alten Mauern des Königsaals standen noch bis auf die Mitte des13. Jahrhunderts, wo sie Karl Theodor bis zum Gesimse abbrechenund ein Dach darauf setzen ließ. Seither ist die Wcrkstärtc des Schloß-kiefers darin, weshalb man dies Gebäude jetzt nur das Bandhausnennt; eine traurige Umänderung gegen den Zustand am 29. Septbr.l67l, wo bei der Vermählung des Kurprinzen Karl mit einer däni-schen Prinzessin niegesehene Pracht darin entfaltet war und an 4999Zuschauer in den Räumen dieses Gebäudes sich einfanden.

Von hier gelangt man zum Friedrichsbau, begonnen durchKurfürst Friedrich IV. im I. l69l, vollendet im Jahre 1697. Auf dergegen den Schloßhof gerichteten Wand sind eine Menge Statuen. Zu-erst zwischen beiden das pfälzische und oranische Wappen tragendenGicbclwänden Tbemis mit Schwert und Waage; dann olgen in vierAbtheilungen die sehr ähnlichen Bildsäulen von Friedrich IV., JohannEasimir, I,u>Iovi>:uz, Vriliericu« ?i»s, Hit» Ilüiiricus, Vriilcric»« II ,Heidelberg n>.

Vrillericuz Viclorioüus, k»z>ertus 8e»iar. l)t>rist»nl> llex Von!»»,litt» kex Ilungsr., kuperttu« lie» kvm., I.ullovicvs imzierator, k»iloljilius, I.»<>«vi»»s, litt» Wittelsg»«., tlorolus 5I»x;»us MehrereStatuen wurden beim Beschießen des Schlosses durch die Schwedenverstümmelt (1633). Das Erdgeschoß ruht auf einem Gewölbe undenthält die neue Kapelle, über deren Eingang die Worte:Diesist Jehova's Pforte, die Gerechten werden durch dieselbe gehn" in he-bräischer und deutscher Sprache stehen. Das schöne Altarblatt, dieTaufe Christi durch Johannes vorstellend, ist leider in die Gallerie»ach Mannheim gebracht worden. Im zweite» und dritte» Stockwerkewaren fürstliche Wohnungen. Auf der nördliche» Seite befindet sichüber dem Eingange das pfälzische Wappen, ehedem vergoldet. DieVerzierungen sind überladen, überhaupt das Ganze schwer und steif.Das Gebäude wurde von den Franzosen zerstört, 1718 wieder wohn-bar gemacht, und später im obern Stock eine Tapetenfabrik errichtet,aber 1764 durch den Schloßbrand wiederholt verwüstet.

Von diesem Baue tritt man heraus auf die von demselben Kur-fürsten an der Stelle eines alten Walls errichtete Altane mit schö-ner Aussicht.auf die Stadt und den Neckar. An beiden Ecken des Al-tans befinden sich Erker. Unterhalb desselben liegt die große Bat-terie, jetzt in einen Garten umgewandelt.

Am westlichen Ende der Altare führt eine Thüre zum großenFasse, von welchem die Meisten zn große Vorstellungen mitbringen.Es verdankt, wie auch das Gebäude selbst, dem Kurfürsten JohannEasimir im I. 1591 seine Entstehung, litt im 39jährigcn Kriege sehr,und zerfiel nachher; es enthielt 132 Fuder. Hierauf ließ Karl Lud-wig im I. 1664 ei» noch größeres verfertigen, das 294 Fuder ent-hielt. Als dasselbe zerfiel, wurdc es 1723 wieder hergestellt und mitWein gefüllt. Später wurdc es unbrauchbar; Karl Theodor ließ da-her durch den Hofkiefer Engler ein neues verfertigen, das 39 Fuß 5Zoll lang, 23 Fuß hoch ist und 236 Fuder enthält. Es wurdc am 19.November 1752 mit Wein gefüllt, und dies später noch dreimalwiederholt, seit 1769 steht es aber leer. Im nämlichen Gemachesteht das aus Holz geschnitzte Bild des Tyroler Zwergs Clemens Per-kco, des lustigen Raths von Karl Philipp, gewohnt täglich fünfzehnFlaschen großen Maßes zu leeren.

Oestlich an den Friedrichsbau stößt der neue Hof, von Fried-rich II. im I. 1549 auf altem Mauerwerk, der sogenannten Jettaka-pelle, erbaut. Er bestand aus vier Stockwerken, und diente zurfürstlichen Wohnung. Nach der Zerstörung im 39jährigen Kriege wie-der hergestellt, wurde er durch die Franzosen verbrannt, durch KarlPhilipp im I. 1713 abermals bewohnbar gemacht, aber 1764 wiederei» Raub der Flammen. Jetzt wohnt nur noch der Hofkicfer darin.

Mit diesem Theile ist der achteckige Thurm verbunden, dessen run-der Unterbau einst als Batterie diente und schon unter Friedrich demSiegreichen stand. Auf den Unterbau ließ Ludwig V. nach dem I.1524 ein spitzes Dach setzen; Friedrick II. errichtete aber im I. 1559den achteckigen Unterbau mit Bogenfenstern und Altanen, und ließeine große Glocke darin aufhängen, woher der Thurm auch den Na-me» Glockcnthurm erhielt. In den Jahren 1689 und 1693 suchten dieFranzosen ihn zu verbrennen, aber vergebens; nur das Dach brannteab. Statt dessen errichtete Karl Philipp im I. 1719 ein kuppelförmi-ges Dach, es wurdc aber 1764 ein Raub der Flammen und ist seithereine Ruine. Unter dem Thurme selbst lag das im I. 1689 zerstörteZeughaus.

Auf der östlichen Seite des Schlosses, neben dem 8eckigen Thurmesteht der Otto Heinrichsbau, gewöhnlich der Palast genannt, dermerkwürdigste Theil der ganzen Ruine. Er ruht auf alten Grund-mauern und großen Granitfelsen, und ist in einem ziemlich guten Stylausgeführt. Man vermuthete sogar, Michael Angelo habe den Entwurf