Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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Am ersten November erließ der feindliche General Graf Montelaeine Aufforderung zur Uebcrgabe an den Kommandanten, und suchtedurch Proklamationen und Aufwiegler die Bewohner der Stadt fürsich zu gewinnen, wiewohl Anfangs ohne Erfolg. Er eröffnete daheram 8. November die Laufgräben, begann die Stadt zu beschießen undließ Bomben in dieselbe werfen, wodurch alsbald viele Häuser i»Brand geriethen und große Verwirrung in der Stadt entstand. DieBürger wollten nicht mehr fechten, Meutereien drohte» auSzubrechenund der Magistrat ersuchte den Kommandanten endlich um die Erlaub-niß, mit dem Feinde unterhandeln zu dürfen. Dies gab derselbe abernur unter der Bedingung zu, daß man ohne seine Bewilligung keineKapitulation abschließe, worauf also eine städtische Deputation sich indas feindliche Lager begab. Aber der französische General ließ sich inkeine Bedingungen und kein Zögern ein, und verlangte, daß man sichihm auf Gnade und Ungnade ergebe. Ungeachtet ihres Versprechens,sich auf nichts einzulassen, schloß jetzt die Deputation eine Kapitulationab, worin sie am cilftcn November dem Feinde das Stadtthor zu öff-nen versprach. Als dies der Kommandant erfuhr, widersetzte er sichdiesem Plane aufs Entschiedenste; es brach aber eine Rebellion aus,wodurch ihm kein anderes Mittel übrig blieb, als sich in die FestungFriedrichsburg zurück zu ziehen. Kaum begann er jedoch dies auszu-führen, als ihm 260 Mann davon liefen und das Ncckarthor aufhieben,worauf die Franzosen mit klingendem Spiel in die Stadt einzogen.Zwar suchte sich der tapfere Kommandant i» der Friedrichsburg fest-zuhalten; aber die meisten seiner Soldaten waren Verräthcr und em-pörten sich. Da mußte er endlich eine Kapitulation abschließen, undzog mit etwa 400 Mann am lZ. November mit klingendem Spiele,fliegenden Fahnen und brennenden Lunten durch das Rhcinthor ab,nachdem er zuvor noch Standrccht gehalten und zehn der Empörerhatte niederschießen lassen.

Die Stadt mußte ihr schlechtes Benehmen schwer büßen, denn dieFranzosen hausten hier aufs Fürchterlichste. Und doch kam erst im fol-genden Jahre das größte Unglück über die Stadt; denn am drittenMärz 1639 erging der Befehl, alle Häuser niederzureißen, die Stadtvöllig unbewohnbar zu machen und ganz von der Stelle zu vertilgen.Da verbreitete sich ein furchtbarer Schrecken über die Stadfl, in allenStraßen ertönte das Jammergeschrei der Bürger, und Jeder suchte seinefahrende Habe noch zu retten. Am fünften März wnrde die Zerstörungvon vierhundert Mann Soldaten begonnen und bis zum Abende fort-gesetzt; da ging es ihnen endlich zu langsam, und mit teuflischer Lustsetzten sie die Häuser in Brand, sprengten die Kirchen in die Luft undin kurzer Zeit war von der früheren Herrlichkeit nichts mehr zu sehen,als rauchende Trümmer und Schutthaufen. Das war also der Lohnfür die Verrätherei, womit die Bürger ihrem Kommandanten begeg-neten und die Stadt dem Feinde überlieferten. Noch zehn Jahre langwüthete der Krieg, bis ihm endlich der Rpswiker Frieden, der am30. Oktober 1697 geschlossen wurde, ein Ziel setzte.

Unterdessen waren viele Bewohner Mannheim'S mit dem Ueberrestihrer geretteten Habe ausgewandert, und andere hatten sich auf deinrechten User des Neckars wieder Hütten gebaut und dieselben Neu-mannheim genannt. Nach geschlossenem Frieden suchte aber ChurfürstJohann Wilhelm die Stadt wieder herzustellen, und ließ im Jahre1698 durch den Ingenieur Coehvrn einen Plan dazu entwerfen. Als-bald brachen die Bewohner Neumannheims ihre Hütten ab, und ließen

sich auf den Trümmern des alten nieder, während auch andere Leuteherbeizogen und die ertheilten Privilegien das Aufblühen der neuen! Niederlassung förderten. Glücklicherweise brachte der spanische Erb-folgckrieg der Stadt keine Gefahr, und es wurde nicht nur im Jahre1700 ein Rathhaus erbaut, sondern auch 1701 die Kapuzincrkirche undwenige Jahre darauf die lutherische Kirche.

Gewiß hätte sich Mannheim bei solchen Verhältnissen nur zu mitt-lerer Größe erhoben, wenn nicht in dieser Zeit Churfürst Karl Philippseine Residenz dahin verlegt hätte. Er wollte nämlich, als eifrigerAnhänger des Katholizismus und Feind der Protestanten, die Heilig-geistkirchc zu Heidelberg den Katholiken zutheilen, und ließ, da manseinem Verlangen nicht willfahrte, die Wand, welche den protestanti-sche» Theil vom katholischen trennte, durch Gewalt niederreißen. DieProtestanten erhoben Klagen, begannen einen Prozeß, welche» sie ge-wannen, und da nun auch der König von Preußen sich ihrer annahm,so mußte die bisherige Hälfte der Kirche denselben wieder zurückgege-ben werden^ Der Churfürst wurde aber so sehr darüber erbittert, daßer Heidelberg verließ und seine Residenz »ach Mannheim verlegte,wohin nun auch die höchsten Landeskollegien kamen.

Mit diesem Ereignisse ging für Mannheim eine neue Zukunft auf,und bald erhoben sich mehrere Gebäude. Im Jahre 1720 wurde zumSchlosse der Grundstein gelegt, 1730 das Kaufhaus erbaut, drei Jahrespäter die Jcsuitcnkirche, dann die Münze und Garnisonskirche, undim Jahre 1736 wurde Mannheim zur Handelsstadt erklärt. Nun blühtedieselbe bald sehr auf, die Erwerbsquellen mehrten sich und die Be-völkerungszahl nahm bedeutend zu.

Noch mehr blühte sie aber auf, als Karl Theodor im Jahre 1743zur Regierung gelangte und dieselbe bis 1792 führte. Er vollendeteden KaufhauSthurm, stiftete 1748 ein Zucht- und Waisenhaus, erbaute1734 die große Kaserne, vollendete zwei Jahre später die Jesuiten-kircbc, und ließ 1762 das Gießhaus, 1772 das Bürgerhospital unddie Sternwarte, 1777 das Zeughaus und im Jahre 1779 das Theatererbauen. Auch für Kunst und Wissenschaft suchte Karl Theodor thätigzu wirken und gründete >754 ein militärisch-anatomisches Theater, einechirurgische Klinik, 1763 die Akademie der Wissenschaften und ein An-tiquitätcnkabinct, 1765 die Naturalicnsammlung, 1766 die Entbindungs-schule, 1767 den botanischen Garten, 1775 die deutsche Gesellschaft und1776 eine Kriegsschule. Die Münzsammlung vermehrte sich täglich,die Bibliothek zählte gegen 100,000 Bände und die Gcmäldegallericgehörte zu den reichsten und besten in ganz Deutschland. Die Akademieder Wissenschaften zog viele Gelehrte hierher und eine Menge Künstlerwaren für den Churfürsten thätig. Am vortrefflichsten gestaltete sichaber unter des Freiherrn Dalberg Leitung das Theater, welches da-mals alle übrige» in Deutschland übertraf und die besten Schauspielerihrer Zeit zu Mitgliedern hatte. Ucbcrall hin war der Ruhm Mann-heim's verbreitet, das man gewöhnlich nur das deutsche Athen nannte,und das stets eine große Menge von Fremden in seinen Mauernbeherbergte.

Aber nur kurz war dieser Glanz, und endete schon nach wenigenJahren. Denn im Jahre 1777 erbte Karl Theodor Aaiern, und mußtebald darauf seine Residenz nach München verlegen, wohin er nun diemeisten Kunstschätze bringen ließ. Da die Stadt nur als Residenz zusolcher Blüthe gekommen war, so mußte ihr dieser Verlust um so cm-psindlicher werden, da zu jener Zeit weder Handel noch Fabriken in