zum schwarzen Bären, Hof von Holland, und vor allen das großar-tige Gasthaus zum europäischen Hof am Rheine neben dem Landungs-platze der Dampfschiffe. Als vortreffliche Restauration gilt die Rhein-lust neben der Rheinbrücke, mit herrlicher Aussicht.
Für gesellschaftliche Unierhaltung bietet sich hier mehrfache Gele-genheit. Die Harmonie, welche ein sehr schönes Lokal an denPlanken hat, und über 450 Mitglieder zählt, vereinigt in sich diehöheren Stände und Gebildeten aus jeder Klasse, und das Casinomit 350 Mitgliedern gehört mehr dem Mittelstände an, während105 Jsraeliten sich zu einer eigenen Gesellschaft, Ressource ge-nannt, vereinigt haben. Außerdem bestehen zwei Schießliebhaber-Ge-sellschaften.
Das Theater, welches in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr-hunderts seine Glanzperiode hatte, bietet noch immer Gutes, obwohles nur über geringe Mittel verfügen kann. Drei- und öfters auch vier-mal während der Woche werden Vorstellungen gegeben, und dieseziemlich stark besucht, weil stets eine Menge Leute aus der Umgegend,besonders aus Heidelberg und Speier herbeikommen, so oft ausgezeich-netere Stücke gegeben werden. — Der Kunstverein, welcher gegen-wärtig 1066 Mitglieder aus der Stadt und Umgegend zählt, begannschon seit längerer Zeit erfreulich zu wirken, und verschasst durch seinenAnschluß an den rheinischen Kunstvcrein der Stadt den Genuß einerjährlichen Kunstausstellung.
Ein anderer Verein für Naturkunde, welchem Professor Kilianvorsteht, zählt 350 Mitglieder und bestrebt sich, das naturhistorischeKabinet zu vermehren, und jährlich eine Blumevausstellung zu veran-stalten. Der Musikverein, zu welchen sich gegen 400 Personen verei-nigten, verbreitet durch die von ihm gestiftete Veteinssingschule musi-kalische Kenntnisse und Liebe zum Gesänge, während der Verein fürDeklamation ein anderes Feld zum Kreise seines lobenswerthen Wir-kens machte.
Für den öffentliche» Unterricht sorge» mehrere einfache und er-weiterte Volksschulen, Freischulen und Sonntagsschulen beider christ-lichen Confessionen, eine israelitische Schule, welche zusammen vonlvk9 Knaben und 987 Mädchen besucht werden. Die Gewerbschulczählt^l56 .Schüler und besteht schon seit längerer Zeit; außer diesenfindet man hier noch eine Knabencrziehungsanstalt von vr. Vaillant,eine Handelsschule von Neugaß, eine Feiertagsschule für Professionisten,eine Reitschule und Schwiminschule.
Die höhere Bürgerschule, welche gegenwärtig 9 Lehrer und71 Schüler zählt, hat einen schönen und rühmlichen Zweck; leider ste-hen aber ihrer kräftige» Entwickelung noch Hindernisse entgegen. DasLyceum, welches zum gelehrte» Universitätsstudium vorbereitet, wurdeim Jahre 1807 für beide Konfessionen eröffnet, und wird nun abwechs-lungSweise von einem evangelischen und katholischen Direktor verwal-tet, mit denen noch l3 Professoren und Lehrer an der Anstalt, welche207 Schüler hat, wirke». Die Bibliothek des Lyceums ist ziemlich be-deutend, da die Dcsbillon'sche damit vereinigt worden ist, und dieserAnstalt gebührt überhaupt der Vorrang vor vielen andern des Groß-herzogthums Baden.
An öffentlichen Sammlungen ist Mannheim nicht arm, obgleichmit Verlegung der churfürstlichen Residenz nach München die meistenSchätze der Kunst dahin gebracht wurden. Besonders geschah dies mit
der früheren Gemäldegallerie; die jetzige hat erst dem GroßherzogeKarl Friedrich ihre Entstehung zu verdanken und zählt jetzt über 300 Ge-mälde, von welchen wir die eines Rubens, Dominichino, Pousfin,Lucas Cranach, Rembrand, Teniers, R. Mengs, Holbein, Vernct,van Dyck, Guido Reni, Paul Potter, van Ostade, Ruisdael undAnderen nennen. Die Gallerte ist jeden Mittwoch geöffnet. Das groß-herzogliche Antiquarium verdankte dem Churfürsten Karl Theodorseine Entstehung und enthält 87 meistens römische Denksteine, sowie1268 Nummern antiker Bildwerke, Gefäße und Geräthschaften vielerZeiten und Völker. Das Antikenkabinet und die Kupferstich-sammlung sind gleichfalls bcmerkenswerth. Reich ist besonders dasNaturalienkabinet, welches sich im Schlosse befindet und jährlichvermehrt wird. Auch einen kleinen botanischen Garten hat man' ineinem Theile des Schloßgartens angelegt.
Wie durch diese Anstalten für Kunst und Bildung in Wissenschaft-licher Hinsicht gesorgt ist, ebenso hat man Vieles für wohlthätige Zweckegethan. Es bestehen nicht nur eine Kleinkinder-Bewahranstalt, ein Ver-ein für Verbesserung des Dienstbotenwesens, und ein Veteranenverein,sondern auch eine Menge von Kranken-, Wittwen- und Stcrbekassen-Vereinen, die sehr viele Mitglieder zählen; eine Polizeiarmenschuleund noch viele andere ähnliche Anstalten.
Die Stadt ist in achtzehn Armenbezirke'eingetheilt, wovon jedereinen Arzt und Wundarzt hat. Es besteht ein evangelisches, katholi-sches und ein israelitisches Spital, ein allgemeines städtisches Kranken-haus, ein Leihhaus und eine Sparkasse. Die Christen und Jsraelitenbesitzen mehrere Stiftungen zu verschiedenen Zwecken, und so oft zuSammlungen für Unterstützung Unglücklicher und Hülfsbcdürftigcr auf-gefordert wird, fließen reichliche Gaben, wie sich dies in neuerer Zeithäufig gezeigt hat.
Auch ein Bürgermilitär besitzt die Stadt; dasselbe besteht ausGrenadieren, Schützen, Kavallerie und Artillerie, und übt sich mehr-mals während des Jahrs im Gebrauche der Waffen. —
Als Hauptstadt des Unterrheinkreises ist Mannheim auch der Sitzvieler Stellen, welche zu dieser Kreisregierung gehören. Außer diesenbefindet sich hier auch das Oberhofgericht. Viele Gesellschafte» zur Ver-sicherung gegen Brand- und Wasserschaden rc. habe» hier ihre Agenten,und das öffentliche Geschäftsbureau von C. A. Lossignolo gibt Auskunftüber alles in dessen -Geschäftskreis Einschlagende. Des Zuchthauses,worin gewöhnlich 180 bis 200 Sträflinge sich befinden, haben wir obenschon gedacht. —
Die Garnison der Stadt besteht gegenwärtig aus dem vierten Li-nieninfanterie-Negiment von Stockhorn, und dem Dragoner-Regimentv. Freystädt.
Um die Stadt zieht sich von der Heidelberger Straße an bis zurRhcinbrücke eine Straße, welche einen schönen Spaziergang bildet.Vor der Heidelberger Barriere liegt der einfache Bahnhof und in des-sen Nähe die Kaisershütte, wo öfters Tanzbelustigungen stattfinden.Dieser gegenüber liegt eine große Wiese, auf welcher Sand enthaup-tet wurde.
Auf der nördliche» Seite wird jetzt eine Kettenbrücke über denNeckar erbaut, auf dessen rechter Seite viele Gärten und der neueFriedhof liegen. Gegen Westen liegt auf einer Rheininsel das viel-besuchte Schlößchen Mühlau und das Ludwigsbad, beide sehr freund-