Jetzt ist es aber nicht mehr ganz erhalten, denn durch das Bombarde-ment vom Jahre 1795 wurde ein großer Theil des westlichen Flügels inBrand gesteckt und zerstört. Seine ganze Länge von Ost nach West be-trägt 17VV Fuß, und vor dem erwähnten Bombardement enthielt es mehrals SW Zimmer. Es besteht eigentlich aus drei Vierecken, wovon dasmittlere gegen die Stadt hin offen ist und die größte Ausdehnung hat.In der Mitte des Hauptgebäudes, so wie an allen Ecken befanden sichPavillons. Der große Hof vor dem Schlosse ist durch eine niedere Mauermit Staketen eingeschlossen und blos in der Mitte zwischen den Wacht-häuschen offen. Der westliche Theil des Schlosses wird gegenwärtig vonder verwittweten Großherzogin Stephanie bewohnt, an diesen stößt derabgebrannte Flügel, welcher nach und nach wieder aufgebaut werden soll.Im östlichen Flügel ist dem Stadtkommandanten eine Wohnung einge-räumt, und außer derselben befindet sich in dem der Stadt zugewandtenTheile die Bildcrgallerie, das Antiquarium und das Naturalienkabinett.Hinter dem Schlosse liegt der Schloßgarten mit einigen schönen Parthien;er reicht bis zum Nheine und dem Bahnhofe der Eisenbahn. — DasLyzeum stößt an den westlichen Seitenflügel des Schlosses, und ist eineinfaches Gebäude. Neben ihm steht die Jesuitcnkirche, welche imJahre 1733 erbaut wurde. Sie hat eine Breite von lvv, und eine Längevon 25V Fuß, und ei» Portal mit drei Eingängen, lieber dem mittlerensteht eine schöne Gruppe, von der kunstfertigen Hand des Ritter von Ver-schaffelt gearbeitet. Zwei Thürme erheben sich auf beiden Seiten desGiebels, und in der Mitte zwischen denselben befindet sich die hohe Kup-pel. Das Innere der Kirche ist sehr schön und reich verziert, überall mitMarmor belegt, jedoch etwas überladen. Auf marmornen Säulen ruhtdie Emporkirche, der Boden ist mit weißen und rothen Sandsteinplattenbelegt, das Deckengemälde ist schön, und besonders sehenswerth die ver-schiedenen Staturen von Verschaffelt. Am Hochaltar befindet sich einvortreffliches Altarblatt, das früher in der Schloßkapelle zu Heidelbergwar. Auf diesem Altare steht eine schöne Statue von Gpps, von Ver-schaffelt gefertigt, welche den Stifter des Jesuitenordens, Jgnaz vonLoyola, darstellt, wie er den nach Indien abreisenden Abgesandten Zlaversegnet. Auf gleiche Weise sind auch die Seitenaltäre ausgeschmückt, unddas Ganze mit sehr bedeutendem Geldaufwand hergestellt. Die Kuppelhat eine Höhe von 25V Fuß. — Hinter dieser Kirche, im Klostergartenliegt die Sternwarte, ein sehr zweckmäßig eingerichtetes Thurmge-bäuve, das erst im Jahre t772 errichtet wurde. Der Thurm ist ganzeinfach und hat eine Höhe von lv7 Fuß, sowie fünf Stockwerke. Imuntern Geschosse befindet sich der Eingang und ein Saal, im zweiten dieWohnung für den Astronomen, im dritten der Observationssaal mit dreiBalkönen nach Nord, West und Süd; das vierte Stockwerk ist für denPrivatgebrauch des Astronomen bestimmt und der fünfte zu den astrono-mischen Beobachtungen. Oberhalb desselben befindet sich sodann noch einkleineres Gemach mit einem beweglichen kupfernen Dache. Wie das Ge-bäude, so sind auch Einrichtungen und Instrumente vortrefflich, und esgehört diese Sternwarte überhaupt zu den vorzüglichsten. —
Von der Jesuitcnkirche gelangt man auf einen großen und freien Platz,worauf das Theater steht. Es ist dieß ein großes langes Gebäude vondrei Stockwerken, und steht von allen Seiten frei da. Das Aeußcre istschön und freundlich, mehrere Statuen zieren dasselbe, und drei Haupt-cingänge führen in das Gebäude. Die innere Einrichtung ist zweckmäßigund schön, und der Raum ist groß. Der Haupteingang zum Auditorium,das über 2VVV Personen faßt, liegt auf der südlichen Seite, und dieBuhne ist gleichfalls groß; hinter derselben liegt ein 8V Fuß langer und
56 Fuß breiter Redoutensaal. Die Dekorationen dieses Theaters findmeistens schön, besonders vortrefflich ist aber die Maschinerie, welche vondem ausgezeichneten Mühldorfer geleitet wird. Das Theatcrgebäudewurde im Jahre l776 erbaut und konnte am 7. October 1773 eröffnetwerden. Bald darauf war die Mannheimer Bühne die vorzüglichste inganz Deutschland, da die größten Schauspieler ihrer Zeit, wie Jffland,Beil, Beck, Böck, Backhaus und Andere bei derselben wirkten; auch istvon ihr bemerkcnSwerth, daß Schillers Räuber und einige andere seinerDramen hier zum erstenmale gegeben wurde, und er selbst eine Zeit langbei diesem Theater mitwirkte. Seitdem Mannheim von einer Residenzzu einer Provinzialstadt herabgesunken ist, hat die Bühne sehr viel vonihrem alten Glanz verloren, leistet aber ungeachtet der beschränktenMittel immer noch Erfreuliches. — Unweit des Theaters liegt an einemfreien Platze das Zeughaus, ein schönes, vier Stockwerke hohes Ge-bäude, das im Jahre 1777 errichtet wurde; hinter demselben liegt einkleiner Hof, zur Aufnahme der Kugeln bestimmt. Neben diesem Zeug-haus steht die Kaserne, welche drei Stockwerke hoch ist, einen geräumi-gen Hof hat, sonst aber nichts Merkwürdiges darbietet.
Mitten in der Stadt, am schönen Paradeplatze liegt das großeKaufhaus, welches im Jahr 173V aufgeführt wurde und ein ganzesQuadrat einnimmt. Es ist ein zweistöckiges Gebäude, um welches einbedeckter Gang führt, auf dessen Bogenpfeilern das zweite Stockwerk ruht.Dieser Gang dient als Bazar, jedoch gehört blos der kleinere nördlicheTheil der Stadt, während der südliche und größere Privateigenthum ist.Der Haupteingang liegt auf der Nordscite, und über demselben erhebtsich ein viereckigter Thurm mit der Stadtuhr. In diesem Kaufhause sinddie Lokale mehrerer städtischen und Staatsbehörden, einige Anstalten,der Mehlhof, der Packhof w. — Die frühere Stückgießerei, die kleineKaserne und die ehemalige Münze sino nicht bcmerkcnswcrth.
Auf der Heidelberger Seite liegt das im Jahre 1748 erbaute dreiStockwerke hohe und massive Zuchthaus, und in dessen Nähe das Armen-Krankenhaus, sowie die Concordicnkirche, welche erst im Jahre I8VV er-baut wurde, nachdem die frühere im Jahre 1795 durch das Bombardementzerstört worden war. — Am schon oben erwähnten Marktplatze liegt dasNalhhaus und die St. Sebastianskirche, die durch den in der Mitte ste-henden Thurm mit einander verbunden sind. Gehen wir nun noch nähergegen das Rheinthor, aber mehr östlich, so erblicken wir die lutherischeKirche, von 17V6 bis 17V9 erbaut, das lutherische Hospital und dasLazareth. Nicht fern von dem genannten Thore selbst liegt das reichekatholische Bürgerhospital mit einer Kirche und einer Druckerei.
Dies sind die öffentlichen Gebäude; außer denselben steht aber inund außerhalb der Stadt noch eine Menge Hänser, welche durch Schön-heit und Größe sich auszeichnen. Be vnders gilt dies von dem Gebäudeder Harmoniegcsellschast, und den Gasthäusern, von welchen das zumeuropäischen Hof am Rhein das schönste Lokal hat; von dem Hafengebäudeist später die Rede.
Nachdem wir also die Bauwerke betrachtet, gehen wir über auf dieBewohner, deren Leben und Verhältnisse. Vor zwei Jahrhunderte» zähltedie Stadt erst 12VV Einwohner, deren Anzahl im Jahre 1663 auf 3VVV,und 1688 auf 12VVV stieg. Diese Zahl minderte sich aber bald nieder,und 1721 zählte man nur 86VV. Die »achfolgende Zeit hob Mannheimwieder, unter Karl Theodor gelangte die Stadt zur höchsten Blüthe undzählte im Jahre 1766 gegen 24,2VV Seelen; erst als im I. 1783 die Re-sidenz nach München verlegt wurde, sank die Zahl wieder auf 23,VVV und