Druckschrift 
5 (1846)
Entstehung
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MT a ir n h e i m.

B e s ch r e

die zweite Hauptstadt des Großherzogthums Badenund Sitz der Regierungsstelle» des Unterrheinkreises, liegt in einer weitenEbene, wo der Neckar in den Rhein stießt, 340 Fuß über der Fläche desMittelländischen Meeres, und gehört zu den schönsten Städten Deutsch-lands. Der Anblick von Außen ist zwar nicht überall offen, weil fastauf allen Seiten hohe Baumreihen um die Stadt sich ziehen und nur dieSpitzen der Häuser und die Thürme über dieselben hervorragen; vomRheine aus zeigt sie sich jedoch am schönsten, denn hier liegt gerade derHafen mit seinen schönen Gebäuden und der Menge von Mastbänmen,mehrere großartige Gasthäuser und andere Wohnungen, und hinter diesenund dem Schloßgartcn schant das weitläufige Schloß hervor.

Die Stadt hat einen Umfang von mehr als zweitausend Ruthen, istovalrund und hat durchäus gerade und regelmäßige Straßen, die auf eineeigenthümliche Weise bezeichnet und numerirt find. Die Straßen, welchedie 1l0 gleichartigen Quadrate umgeben, haben nämlich keine Namen,sondern jedes Quadrat hat seinen Buchstaben (Liters), seine Literazahl,und fortlaufenden Häusernummern, die aber beim nächsten Quadrate wie-der von vorn beginnen. Vom Schlosse aus ist die Stadt in zwei Hälftendurch die Hauptstraße getheilt, in die östliche und westliche, und nunhat jede Quadratreihe seinen Buchstaben, nämlich die dem Schlosse zu-nächst gelegene östliche hat ^ l, die in der nämlichen Flucht liegendenalso denselben Buchstaben und nur je nachdem sie die zweite, dritte odervierte Stelle in der nämlichen Reihe einnehmen, noch die unterscheidendeZahl O 2, ^3) wozu dann noch die Häusernummer gesetzt wird. VomSchlosse an liegen 10 solcher Quadratrcihcn bis zum Neckarthore, unddiese haben demnach die Buchstaben ^ bis li,; die östlichen Reihen be-ginnen mit k. beim Schlosse und endigen mit v. So schwierig diese Be-zeichnung auf den ersten Anblick zu sein scheint, so zweckmäßig ist sie undverdient auch anderwärts eingeführt zu werde», denn während man oftlange nach einer Straße, die blos einen Namen hatte, suchen mußte,weiß man jetzt gleich das betreffende Quadrat zu finden, wenn man nurdie Bezeichnung des nächsten nachsieht.

In die Stadt, um welche eine Straße sich herumzieht, führen dreiThore. Von Heidelberg (Osten) aus gelangt man durch die einfacheHeidelberger Barriere in die Stadt, diesem Eingange gegenüber liegt das >Rheinthor, mit zwei freundlichen Wachthänftrn; aber auch dies ist kein

i b u n g.

eigentliches Thor, und nur das Neckarthor verdiente diesen Namen. Eslag dem Schlosse gegenüber an der Hauptstraße, wurde im Jahre lK8lerbaut, und war ein massives Gebäude, das ein großes Mittelthor undzwei Seitengänge mit einem gesprengten Bogengang, und gegen die Stadthin die Inschrift l>»citl>!U5 Lgrezsu» hatte. Es wurde kürzlich abgetra-gen.

Alle Straßen der Stadt haben ein gutes Pflaster, zu beiden Sei-ten sind Trottoirs angelegt, und während der Nachtzeit verbreitet eineMenge von Lampen hinreichende Helle. Gleich beim Eintritte vomHeidelberger Eingange kommt man zu den Planken, einem freien Platze,der mit zwei Baumrcihen besetzt ist, und nur zu beiden Seiten befahrenwerden kann. Von diesem gelangt man auf den großen Paradcplatz,der auf drei Seiten mit Akazien umgeben ist und an dessen Seiten dieschönsten Hänser der Stadt stehen. Mitten auf demselben erhebt sich aufeinem schönen Gestelle eine aus vielen Figuren zusammengesetzte metallenePyramide, die von Crepe llo gegossen wurde und zu einem Brunnenbestimmt war; das Wasser dazu sollte vom Gebirge bei Rohrbach herge-leitet werden, und der Anfang war dazu schon gemacht worden, dieAusführung ward aber unterbrochen. Ein anderer schöner Platz, derMarktplatz liegt beim Rathhause und der St. Sebastianskirche und istziemlich groß. Auch auf ihm erhebt sich auf einem kollossalen Postamentecine schöne Gruppe, welche von van den Branden und dessen Sohn inStein ausgchauc» wurde. Die übngcn eilf freien Plätze, deren wirnicht besonders gedenken können, sind der Schloßplatz, der Theaterplatz,der Platz vor der Jesüitenkirche, der kleine Paradeplay, Fruchlmarkt,Heu-, Stroh- und Kohlcnmarkt, Johannisplatz, Zeughausplatz, Kasernen-Platz, die kleinen Planken und die beiden Plätze bei der Concordienkirche.

Fast lalle Gebäude der Stadt sind schön und groß, und man triffthier keine kleine und unansehnliche Häuser, woran z. B. Karlsruhe soreich ist; sondern alles hat ein städtisches Ansehen und zeugt von er-freulichem Wohlstande.

Den südlichsten Theil Mannheims nimmt das Schloß ein, dessenweitläufige Gebäude einen großartigen Anblick darbieten; denn wirklichwar es einst das größte Schloßgcbäude in ganz Deutschland. Es wurdeim Jahre l720 vom Churfürsten Karl Philipp begonnen und nach zehnJahren vollendet, so daß es schon im Jahre 1731 bewohnt werden konnre.