soll das all' noch enden! jetzt's ist noch gar nicht losgegangen, und sietrinken schon den Wein aus Biergläsern!" Der Brave bekam denn auchglücklicherweise denselben Abend noch Bier zu trinken, d. h. nicht er allein,sondern die ganze Tafelrunde, als des Fäßleins triefender Mund sich fürimmer geschlossen hatte. Und schlimm war das Ende auch nicht grade, nurziemlich spät und teilweise mit bedenklichen Schwankungen verbunden. Aberdas war, wie gesagt, erst der Vorabend vom Vorabend.
Andern Tags, um die Zeit des Frühtrunkes, war der AngekommenenZahl schon so gewachsen, daß es beim Renommierbummel die ganze Poppels-dorfer Allee unabsehbar hinauf- und hinabwogte von roten Mützen. Unddann wurde im Mauspsad Frühschoppen gemacht, so feucht und so zahlreich,daß Karlchen Grube beinahe zuweilen ein freundliches Gesicht gemachthätte. Wurden auch wacker Anstiche geschmettert, vor allem von derKonfuchsia 1886, die mit Recht stolz darauf war, 9 von ihren 10 Mit-gliedern als vorhanden konstatieren zu können. Und nachdem man dannauf dem Schänzchen des Mittagessens köstliche Fülle verzehrt, begann dortein gar buntes, teils beschauliches, teils eifrig geschäftiges Treiben. DieWürdigeren schlürften unter den Bäumen behaglich ihren Mokka, währenddie Zungen sich den ununterbrochen neu eintreffenden alten Herren oderGästen widmeten. Vom Musikpavillon her aber, der in eine kleine Bühneverwandelt war, vernahm man zuweilen gedämpfte Stimmen, und wennder Wind vorwitzig den zugezogenen Vorhang hob, sah man's geheimnisvollschillern und leuchten ... Da hielt man Generalprobe des Festspiels.
Mit der hereinbrechenden Dunkelheit wurde es leerer und leererauf der Schanze und immer lebendiger bei Grube. Und lawinensturzartigergossen sich mit jedem neu ankommenden Zuge neue Scharen von altenHerren in das Lokal, meist schon von weitem ihr Nahen durch dasAlemannenlied verkündend. Das summte und schwirrte von Stimmen indem für diese Zahl viel zu engen Raum, das jauchzte und jubelte undscherzte und lachte — wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen,wie schön ein solcher Empfangsabend ist, wo alte Freunde, die sich seitJahrzehnten nicht gesehen, sich in die Arme sinken oder sich erst erstauntund prüfend gegenseitig betrachten, um sich dann mit umso größerem Zubel zubegrüßen. Manches Lied und mancher Anstich wurde von einzelnen Gruppenangestimmt, aber zu einem allgemeinen Gesang kam es wohl kaum, dazu wardie Freude zu groß und der Zubel zu laut, und mit Mühe nur konnte sichKuhlmanns Baß Gehör verschaffen, der mit herzlichen Worten die altenHerren, denen in erster Linie das bevorstehende Fest gelte, willkommenhieß. Wie lange man beisammen blieb, die Freude zu genießen, weiß man