299
rührern die Thore; und Graf Ludwig von Hellenstein,welcher mit einer kleinen Besatzung die Stadl hattevertheidigen wollen, liel in die Hände der Bauern,und sie erhielten zugleich vom Grafen von Hohenlohe2 Kanonen und einen halben Centner Pulver. Dader schwäbische Bundeshauptmann auch gefangeneBauern hatte hinrichten lassen, verurtheilten die Auf-rührer den Grafen von Helfenstein mit seinen Leutenzum grausamen Tode des Spiesejagens.
Sobald dieses zur Kenntniss Luther's gekommen,bezeichnete er die Aufrührer als fluch- und todes-würdige Mörder, und forderte die Fürsten auf, siemit Feuer und Schwert auszurotten.
Mittlerweile hatte sich der Aufruhr über ganzFranken verbreitet. Drei grosse Heerhaufen zogen aufWürzburg: der Bischof Konrad war rathlos. Ein Theildes Adels und der Ritterschaft selbst war von ihmabgefallen, und hatten sich entweder mit den Aul-rührern vertragen, durch die Annahme der zwölf Ar-tikel, oder waren förmlich zu ihnen übergegangen undbezeichneten sich mit dem weissen Kreuze, welchesdie Bauern am Hute oder an der Brust trugen. Schonwar der mächtigste Graf in Franken, Wilhelm vonHenneberg, auf dessen Hilfe der Würzburger Bischofvorzüglich gerechnet halte, abtrünnig geworden; ervertrug sich mit den Bauern, wie man angibt mitder Absicht, aus dem Bisthum Würzburg ein welt-liches Fürstenthum zu machen. Der berühmte RitterGötz von Berlichingen mit der eisernen Hand, wareiner von den Hauplleulcn der Bauern geworden, und