156 Stargardische Linie.
Bekanntlich wurde der sogenannte Nordische Krieg (1700)in erster Linie hervorgerufen durch die schon Menschenalterlang brauenden Rivalitäten der gekrönten Linie der Oldcn-burger gegen ihre Vettern zu Holstein-Gottorp. Erst 1720sind zwischen beiden einigermaßen friedliche Zustände wiederhergestellt worden; die Kosten der wilden Zwischenzeit aberhaben nach den bald eintretenden Unglücksfällen ihrer Helfer,der Schweden, die Holsteiner fast ausschließlich tragen müssen.Die eigenthümlich gespannten Verhältnisse zwischen diesemund dem zu Gottorp würden eine längere Auseinandersetzungerfordern, wollte man auch nur muthmaßungsweise derGestaltung von Siegfried Leopold's v. Ocrtzen Laufbahnauf die Spur kommen. Genug, daß der fortwährende Wechselvon Spannung und Versöhnung und die zeitweilige Besege-lung von Acten letzterer Art durch Ehebündnisse zwischenden beiden Linien des fürstlichen Hauses auch in Uebertrittenvon Beamten aus einem Dienste in den andern seinen Aus-druck fand. Gewiß gehört Siegfried Leopold zu einer solchenKategorie; an einem Vetter (Z 609) konnte man Aehnlichesbeobachten; sein einziger Sohn, der Stammhalter GeorgLudwig (II., s. H 620), ist dieselben Wege wie sein Vatergegangen, indem er zur Zeit, wo dieser seine letzte Aus-zeichnung für seine ehemals dem Holstein'schen Hofe gewid-meten Pflichten, und zwar nur 2 Jahre vor seinem Tode,erhielt, als Kammerjunker zu Gottorp bedienstet war. DerZeitpunct, wo Siegfried Leopold diesen Hof verließ, wirddurch den Tod seines Vaters Henning (1705, f. Bd. III.,S. 348) wenigstens annäherungsweise gegeben sein. Wirübergehen, sowie die ganzen dänisch-holstein'schen Verhältnisseseiner Epoche, insbesondere auch die möglichen Einflüsse,welche der Nordische Krieg auf v. Oertzen's Entschlüsse inHinsicht auf seine Thätigkeit Wohl geübt haben mag. Selbstdie erste Zeit seiner Wirthschaft auf seinem Gute Lübbers-dorf ermangelt deutlicher Beleuchtung. Wir wenden unsdaher vorweg dem Hauptpunct in seinem eigenen Hauswesenund für die Fortpflanzung seines Stammes zu, nämlichder Frage nach seiner Gattin.
Laut dem competenten Kirchenbuche ist ihm LuiseEleonore, geb. v. Dechow, angetraut worden auf ihrem