Druckschrift 
6,[1] (1891) A. Des Hauses Jung-Helpte (auch dänischen Astes, insbesondere des Hauses Kittendorf) neueste Geschichte, von etwa 1700 bis zur Gegenwart ; B. Rückblick
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

Jüngeres Haus Helpte. 69

Ueber der Action dieser Massen selbst schwebt ein ge-wisses Dunkel, welches zum Theil gewiß dadurch veranlaßtworden ist, daß sie einen völlig unvorhergesehenen Verlaufnahm. Die ganze spätere Periode der Schlacht, wo vonder Infanterie, wesentlich auf dem linken Flügel, die Ein-nahme von Lobositz betrieben, rechts Vorstöße der Oester-reichischcn Fußtruppen von der großen Homolka-Batterieunter Feuer und im Schach gehalten wurden: alles dieshat das gewaltige Reiter-Corps stehenden Fußes, und zwarWohl genau von seiner erstmaligen Stellung aus, mit an-gesehen. Der glückliche Verlauf machte sein weiteres Ein-greifen überflüssig. — Aber in der Zeit gegen 11 UhrMorgens hat ein zweimaliger Choc stattgefunden, dem mitv. Oertzen ein großer Theil (fast 19 pCt.) der tapferen Reiterzum Opfer gefallen ist, darunter auch der Generalmajorv. Lüderitz, der als ehemaliger Angehöriger seines Regimenteszu ihm in engeren Beziehungen stand, jetzt das im Mittel-treffen (halb links) stehende Kürassier-Regiment MarkgrafFriedrich von Brandenburg führte. — Was nun den wahr-scheinlichen Verlauf der Reiterangriffe angeht, so suchen dieneuesten Untersuchungen ff, unter Festhalten an der altenAnnahme, es hätten deren zwei stattgefunden, den räthsel-haften Vorgang folgendermaßen aufzuklären.

Der vom König befohlene, die Recognoscirung desvorliegenden Blachfeldes bezweckende Vorstoß ist sicher vonden 5 Schwadronen Gensdarmes in erster Linie ausgeführt,denen etwa doppelt so viel Dragoner rückwärts halb in derFlanke folgten. Sie warfen ihre Gegner, die feindlichenReiter-Regimenter, vollkommen, geriethen aber im Auslaufder Attaque an übermächtigen Widerstand, namentlich vonSeiten gedeckt stehender Infanterie. Man machte Kehrtund zog sich schon jetzt unter ziemlichem Verlust auf dieJnfanteriestellung zurück, zwischen welcher sich, zur Auf-

h S. Gramer, Schlacht bei Lobositz (18öV). Commandeur derersten Charge war General v. Khaw, ans einer bekannten ObcrlausitzischenFamilie. Nomineller — weil durch den Gang der Ereignisse um jedenEinfluß auf sie gebracht — Leiter des Gesammtangriffes hätte der Grafv. Geßler sein sollen, der Sieger von Hohen-Friedberg, jetzt Chef dergcsammten hier im Felde stehenden Cavallerie.