Die königlichen Interessen bei dem oft wankclmüthigenRudolf wahrte mit eifriger Treue sein Kanzler, der Schlu-der, welcher in entscheidenden Augenblicken den Einflußder Mutter Mathilde, des Bruders Ludcwig und des Vet-ters Albrecht durchkreuzte. (°)
Auch im Oberclsaß erinnerte Adolf die getreuen Städtezur früher verheißenen Unterstützung wider Frankreich,dessen Haltung mittlerweile immer drohender geworden.Der Graf Dirbold von Pflrt, (°) der oberste Landvogtim Elsaß, war um diese Zeit die Seele aller Anstrengun-gen in jenen Gegenden. Er erhielt nunmehr den Auftrag,zu Gunsten des Grafen von Bar eine Bewegung zu machenund einen Einbruch in Frankreich zu wagen; aber die all-gemeine Bestechlichkeit jener unrühmlichen Periode übteauch auf ihn ihren verderblichen Einfluß; die Umtriebeund Summen seiner, an das französische Interesse durchGüterbesttz gefesselten Verwandten bestimmten ikn zu treu-losem Rückzug, als man gerade der günstigsten Erfolgesicher schien.
Der König ward über solche Felonie höchst aufgebracht,aber er mußte zum schlimmen Spiel gute Miene machen.Er bescbloß daher, im September 1297 zu Schlittstadt dieErgebnisse einer neuen Truppenwerbung abzuwarten; nachjener Reichsstadt mußte er aber, die Nachstellungen desfranzösisch gesinnten Bischofs von Straßburg sorglich um-gehend, zu Schiffe über Gcrmershcim reisen. Er suchte indiesen Tagen eifrig das Büuduiß der Städte Worms undSpeier, und fand bereitwillige Herzen. Er gestattete ibnen,gleich altern und machtigern Reichsstädten, bedeutende
(') Aventins baier'sche Chronica, S. 766 u> s. w.
(') Einige neuere Historiker haben ihn irrig in einen Grafen vonThiel verstümmelt.