— 122 —
für sich nicht nur auf der Halbinsel, sondern auch inTeutschland selbst alles zu befürchten hatte. Es saß aufSt. Petri Stuhl ein Mann, welchen Geisteskraft weitüber seine Zeitgenossen, ein unbegrenzter Hochmuth aberüber die Schranken aller Billigkeit, und das Gefühl sei-ner Würde über die Macht aller Könige erhoben. Boni-facius VIII. trug sich nicht nur mit den Gedanken derGregore und Jnnocenze von der Suprematie des heiligenStuhls über alle geistliche und weltliche Autoritäten aufErde herum, sondern er suchte ihnen sogar, wo möglich,noch größere Ausdehnung und Kraft zu geben. Seine em-pörenden Anmaßungen, von der weiter geschrittenen Über-zeugung der Bessern mit Unwillen zurückgewiesen, fandengleichwohl in den Leidenschaften jener Zeit und in denZwisten der Könige unter sich einen bedeutenden Rückhalt.Seine Rache gegen die Widerstreitenden stand im Einklangmit der Ungcmesscnheit seiner Wünsche. Adolf, nicht ohnegenaue Kenntniß von dieses Pabstcs Persönlichkeit, ver-säumte keinen Augenblick, um seine Gunst zu erwerben;und, des Schicksals der hohenstaufischcn Vorgänger, sowie der Beweggründe des Systemes Rudolfs von Habs-bnrg eingedenk, beschloß er staatsklug scheinbare Demüthi-gung unter seinen oberherrlichen Willen. Er ließ ihm seineEhrfurcht durch eine besondere Gesandtschaft, bestehendaus dem Bischof von Brircn, dem Probste von Wormsund Graf Gerlach von Jsenburg, bezeigen, und Johannvon Chablais ging nach Thuscien ab, mit gemessenemAuftrag, sein Amt als Statthalter des Königs auf gutemFuße mit deni heiligen Vater zu verwalten.
Bonifaz war dem neuen Beherrscher der Teutschen ge-neigt, als er ihn jedem ehrgeizigen Gedanken auf Italienentfremdet und fortwährend noch unter der Leitung derPricsterpartei in Teutschland sah, als deren Haupt der