— 210 —
dasselbe heimlich zusagen; was für einen Begriff soll man sichaber vom Charakter Adolfs machen, der heimliche Unterhand-lungen pflegt, und sie öffentlich vorlegt? was soll man über-haupt von ihm denken, daß er von diesem Schreiben, wenner es wirklich für ein Schreiben Friedrichs hielt, öffentlichenGebrauch gemacht? Friedrich hatte doch immer, obschon in ei-ner nicht all zu rühmlichen Sache, Vertrauen auf Adolfengesetzt, Adolf aber dieses Vertrauen verrathen, mißbraucht.Auch mitten unter Barbaren herrschen Empfindungen, und dieganze Lehre der Moral ist nur Stimme des Herzens.
Ich muß also, weil es des Geschichtschreibers Pflicht ist,aufrichtig sagen, was ich won der Sache denke: das Schrei-ben Friedrichs war falsch, untergeschoben, und Adolf wußte,daß es so war. Mein Beweis ist folgender: hätte Adolf das-selbe für ein Schreiben dieses Churfürsten gehalten, so würdeer, statt Friedrichen zu verrathen, sich mit demselben, in einerso wichtigen Sache, wobei der ganze Vortheil oder Nachtheilfür ihn allein war, über die Fricdensbcdinguisse besprochen,die Sache würde sich aufgeklart haben, und war mehr gedach-tes Schreiben von Friedrichen, so standen die Bcdingnisse inAdolfs Gewalt; die bedenkliche Einschaltung, daß Dicthcr ihmfreiwillig das Erzbisthum abtrete, und seine crzbischoflicheMacht sich über denselben nicht erstrecke, würde diesem Frie-den nicht eingerückt worden seyn; denn, wenn Adolf hierzuvon selbst geneigt war: warum forderte er bei dem erstenVergleiche, daß Diethcr ihn als Herrn und Erzbischof erken-nen solle? gab er durch diese Einschaltung nicht zu erkennen,was der großmüthige, von dem Unglücke des Vaterlandes tief-gcrührtc Churfürst Dicthcr wollte, daß er nicht durch päbsi-lichc Provision, sondern durch dessen freiwillige Abtretung Erz-bischof und'Churfürst sey? welche Stütze blieb Dicthcrn übrig,wenn es Friedrich nicht mehr war? wozu die große Nachgie-bigkeit in allem, was Diethcr verlangte? Adolf wollte nuneinmal Erzbischof und Churfürst von Mainz seyn; hatte er sich