Druckschrift 
2 (1832)
Entstehung
Seite
188
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Der 2Stc Oktober, der Tag der heiligen Apostel Simon undJudas nahete.

Das Werk des Verrathcs ging aber also vor sich: Her-zog Ludwig von Vcldcnz hatte unter seinem Heere einen Rei-sigen, Hcinze von Hcrhcim, welcher mit einer Mainzcrin,Schwester des Rechenmeisters Stcrncnbergcr, vcrhcurathctwar. Dieser Mann schlich sich oftmals in die Stadt undwohnte daselbst Tage und Wochen lang bei seinem Weibe.Er stand mit den Verwandten desselben ans sehr gutem Fuße,und, verlockt durch die gute Gelegenheit und die Hoffnungreichen Gewinns, faßte er den Gedanken der Ueberlieferungder Stadt an die Fürsten und theilte ihn seiner Schwagcr-schaft mit, welche, ebenfalls aus Geldgier, ihn bereitwillig auf-uahm-und Unterstützung zusagte. Nach und nach theilte sichdas Geheimniß andern Bürgern, theils von der mißvergnügtenParthei, theils vom niedersten Schlage, welche bei einem Er-cigniß der besprochenen Art nichts zu verlieren, viel zu ge-winnen hatten, mit. Eine Bande von mehreren hundert Bürgernbildete sich, unter Anführung des Rechenmeisters Stcrnbergcrund des Bürgermeisters Dudo, und setzte sich, durch das Or-gan Hcinzc's, mit den Fürsten in Verbindung.

Dudo besaß, da er zugleich die Stelle eines Baumei-sters der Stadt bekleidete, die Schlüssel der Thore, so wiedie Aufsicht über dieselben. An der Seite deö Gcmthors, wotiefe Graben, hohe Wälle und dicke Mauern, so wie drei Pfor-ten hintereinander den Zugang am schwierigsten machten, hatteman geringere Wachsamkeit für nothig gehalten. Die Hüterselbst, nach alter übler Gewohnheit, oder auch diesmal mitAbsicht, in Wein berauscht, lagen gegen Abend schlummerndund schnarchend. Der Bürgermeister ließ das innere Stadt-thor offen; Hcinze aber schlich sich hinaus und erstattete denFürsten treuen Bericht.

Adolf befand sich an diesem Tag zu Eltvill und beschloßaus dieser Burg das Ergebniß des Wagestückes abzuwarten.