Mittlerweile hatten die Mißverständnisse zwischen derStadt Mainz und dem Erzbischof Diethcr sich erneuert. DieUnsicherheit der Freundschaft ersterer und das Mißtrauen indie Versprechen des letzteren hinderten die innige, und in dendamaligen Umständen so höchst nothwendige Annäherung derGemüther, den Hauptpunkt des Anstoßes aber bildete die schlechteGesinnung eines großen Theils derPfaffhcit selbst, welche denRath in fortwährender Bcsorguiß erhielt. Um über dieseSache sich Gewißheit zu verschaffen, kam Dicther mit Fried-rich selbst nach Mainz, hielt Kapitel und zeigte der versam-melten Klerisei an, wie ihm sichere Kunde von vcrrätherischcnAbsichten Vieler gegen ihn und von geheimen Verbindungen mitAdolf von Nassau ihm geworden.
Es handle sich jetzt darum, zu wissen, auf welche Seilesie sich jetzt schlagen wollten und wessen er sich fortan zu ih-nen wohl zu versehen haben. Würden sie ihm Treue bis zumAusgangc der Sache bewahren, so verbürge er ihnen, daßkein Friede mit dem von Nassau geschlossen werden sollte,ohne daß ihnen nicht der Genuß und Besitz ihrer Bcncfizicngesichert bliebe. Denjenigen aber, welche Adolfs Parthci zuergreifen wünschten, erlaube er freien Abzug aus der Stadt.Die Klerisei, beschämt, verwirrt, rathschlagte lange und gc-lobte nochmals in ihrer Gesammtheit Treue und Gehorsam biszu Ende des Kampfes.
Abgeordnete des Rathes waren zu dieser Sitzung aus-drücklich bcigczogcn worden. Auf das nunmehrige Ansinnen:daß Rath und Gemeinde formlich gegen Adolf sich aussprc-chcn, gemeinsame Sache mit Dicthcrn und seinen Freundenmachen und die Bestrafung der mit Adolf insgeheim verschwor»nen Priester zugeben möchten, antwortete man nur in Bezugauf ersteren Punkt bejahend, hinsichtlich der beiden letzterenausweichend, und endlich, nach wiederholten Erörterungen,vencincnd. Der Erzbischof und seine Verbündeten verließen in