Druckschrift 
2 (1832)
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

Kämpfer für diese beiden Würden, huldigte, und daß seine ganzeSeele von dem Bild der Tugenden und Verdienste des sanf-ten, edlen und aufgeklärten Dietrichs erfüllt sich fühlet, umso mehr, da dieser letztere, als einer der tapfersten Anwälte undreinsten Vertreter teutscher Kirchcufrcihcit gegen die An-maßungen des römischen Despotismus in der Achtung derNachkommen lebt und leben muß. Allein der Geschichtschrei-ber wird, ohne allzusichtbar Parthcr zu nehmen, beide Män-ner, welche ihr Talent, ihr Charakter und ihre große mora-lische Kraft mehr zu Verbündeten, als zu Feinden bestimmt,ein unglückliches Schicksal aber, vielleicht das schlimme Schick-sal unserer Nation selbst, zu einem Kampfe auf Tod und Le-ben einander gegenüber stellte, getreulich schildern, so wie er siegefunden, gleich zwei homerischen Helden, von denen der einefür den Ruhm seines Geschlechts und die gewaltigen Leiden-schaften seines Gemüthes, der andere für die heimischen Larenund die edleren Güter der Menschheit, Freiheit und Aufklä-rung streitet. Versöhnend zwischen beide Gestalten tritt daraufdie Liebe für Wissenschaft und Kunst, welche auch das Herzdes streitbaren Nassauers erwärmt und dieSclbstvcrlaugnung,mit welcher er selbst, sterbend, die Verdienste seines besiegtenGegners anerkannt hat. Wie wichtig die Geschichte der Bei-den für den Wcltthcil, nicht nur für Tcutschlaniss, war, gehthervor aus der Betrachtung, daß an ihre Schicksale die Vor-bereitungen zur Reformation des b6. Jahrhunderts und dieErfindung des edelsten Geschenkes sich knüpfen, welches derGenius der Menschheit gegen geistige Unterdrückung verlieh,ncmlich die der Buchdruckerpresse, des herrlichen Nationalklci-nods, dessen Gewinn allein schon den Werth einer ganzenVolksgcschichtc aufwicgt.

Die Zeiten, in welche das Walten der beiden Männer,Dictcrich und Adolf, fiel, gehörten zu den bewegtesten derGeschichte. Alle politischen und kirchlichen Verhältnisse em-pfanden nach und nach erschütternde Stöße, dir Türken-Noth