Wahl zu kommen, vielmehr hätten sie die dabin bezüglicheEinladung durch die Bemerkung beantwortet: es se» überflüs-sig, einen Konig zu wählen, da noch einer am Leben sey; sienemlich hielten Wenzeslaus von Böhmen durchaus für einenrömischen König. In den später zugekommenen Briefen habeman zwar einen veränderten Ton wahrgenommen und ihreBitte um Verschiebung der Tagfahrt gelesen; allein ihre Wortehätten nicht ausgedrückt: sie wollten zur Wahl, sondernblos: sie wollten zu einem andern Tage in Sache» des Rei-ches kommen; auch habe in demselben Briefe der Churfürst vonSachsen Wenzeslaus noch immer fort den Titel eines römi-schen Königs gegeben.
Auf diese Bemerkungen machten die Churfürsten von Kölnund Trier ihren beiden Kollegen dringende Vorstellungen, wiennpolitifch und gefährlich es seyn würde, jetzt, nach Verlaufso vieler Jahre, die Absetzung Wenzels und die Wahl Rup-rechts wieder in Zweifel ziehen zu lassen, da eine bedeutende Zahlvon Fürsten, Herren und Städten mittlerweile Privilegienund Rechte von ihm erhalten. Das Gcschchcncsomit als null undungültig zu betrachten, dürfte eine große Verwirrung in die An-gelegenheiten Vieler, und noch Mehreren den empfindlichstenNachtheil bringen. Sie, die rheinischen Churfürsten, insbeson-dere würden dadurch vor der öffentlichen Meinung sehr compromit-tirt. Was den gcfodcrtcn Aufschub der Wahl betreffe,so gehe ihre Absicht dahin, ihn weder gcradewegs zu vcrwil-lligcn, noch völlig abzuschlagen. Das Zweckmäßigste wäre wohl,daß, da man nun einmal zu einem Wahlakte sich in Frank-furt zusammengefunden, die Churfürsten in Person oder durchihre Räthe, die Frage über die Mäßigkeit oder Unzuläßigkeitder Wahl ferner erörtern ließen.
Die Erzbischöffe von Mainz und Köln gaben auf solcheVorstellungen keine bestimmte Antwort, doch verschoben sievorläufig ihre Abreise, zu welcher bereits die Anstalten getrof-fen worden. Einige Tage später hielten die Räthe der vier