Mit dem Jahre 1ZZ0 und dcm Augsburgcr Reichstagebegann eine neue Epoche für Wilhelm und seine Reform-Ent-würfe. Obgleich er vom Kaiser noch einmal für einen, den-selben entgegengesetzten Zweck, wie die Bearbeitung des Chur-fürsten von Sachsen zum Rücktritt von der evangelischen Par-thci, sich verwenden ließ, so erkannte man doch bald aus dcminnigen Verhältnisse des Grafen mit eben jenem Fürsten, sowie mit dcm Sohne desselben, Johann Friedrich, und dcmPrinzen Wolfgang von Anhalt, die innere GrundrichtungWilhelms. Unmittelbar nach seiner Heimkehr nahm er zuDillenbnrg und Siegen, den beiden Hauptvrtcn seines Landes,wesentliche Veränderungen vor, wiewohl auf möglichst ruhigemund schonendem Wege. Die bisherigen Pfarrer wurden durchneue, welche der Lutherischen Lehre huldigten, ersetzt; dießwaren Heilmann Vrnchhausen, des Grafen Hofkaplan undLieuhard Wagner. Durch ihre sorgfältige Bemühung warddie Reformation stufenweise im ganzen Lande eingeführtund manches von dcm alten Kultus, was nicht geradezu indirektem Widersprüche mit den neuen Grundsätzen stand, füreine Weile noch beibehalten, zumal Ceremonien, welche diePhantasie wärmen, ohne daß sie den Verstand blenden. DerGraf selbst blieb niemals ganz von den Eindrücken seiner Ju-gend und den Einflüssen seines Bruders frei; aber die Behut-samkeit, welche diese ihm auferlegten, gab gerade dcm Werkeder Reform mehr Gediegenheit und Würde, und bildete einenehrenvollen Kontrast zu dcm fanatisch-polternden Wesen derprotestantischen Bnrgparthci jener Zeit, wenn ich diesen Aus-druck mir erlauben darf. Selbst die Franziskaner zu Siegenwurden noch längere Zeit geduldet; erst als sie selbst durchMißbrauch solcher Nachsicht ihre Stellung gefährdeten, ver-fuhr man scharf mit ihnen, und endlich mußte ihr Konventganz das Feld räumen.
Der Kaiser nahm diesen Systcmwcchscl und die Kirchcn-maßrcgcln Wilhelms sehr ungnädig auf, wie wir bereits theil-