Druckschrift 
3 (1833)
Entstehung
Seite
183
Einzelbild herunterladen
 

erhielten selbst aus deS Feindes Mund wechselseitig das Lobsehr edler Herkunft, wahrhaft adeliger Gesinnung, und einerTapferkeit, die den berühmtesten Helden der alten Ritterzcitsie gleichstellte. Beide waren würdig und dazu geschaffen, einerdes andern Freund zu seyn. Mit diesen Eigcnschaf en schienaber wiederum in beiden ein Talcut verbunden > da' bereitsals ein Kind der neuern Zeit und Bildung betrachtet werdenmuß, das Talent der Schlauheit und Gewandtheit in Unter-handlung. So wie aber die raschere franzosische Politik vonden ältesten Zeiten der Frankcntrcnnung bis auf die neuestenTage immer noch über die bcdächtlichcre der Teutschen gesiegthat, und die diplomatische List dem französischen Wesen vonjeher heimischer war, so siegte auch hier durch sie Vayardüber Sickingcn.

Es wußte der chrenvcste Held, daß zwischen Nassau undFranzen, früher und bis dahin bewährten und standhaftenFreunden, seit Anfang der Belagerung Mißverständnisse sichentsponnen, die, da sie bei getheiltem Interesse ohnehin schonsehr gewöhnlich sind, durch die Verschiedenheit der Ansichtenüber die Operationen des Feldzugs hier noch mehr Nahrungund Fortgang gewannen. Diesen Umstand gedachte er zu be-nutzen und durch Schwächung des Vertrauens unter den An-führern die Thätigkeit des Bclagcrungshecrcs zu theilen. Erbeauftragte nämlich einen Landmann, an Robert von derMark ein Schreiben ungefähr folgenden Inhalts nach Scdanzu überbringen: „Schon vor einem Jahre beiläufig äußertenSie gegen mich, es sey Ihnen gelungen, Ihren Ohm, denGrafen von Nassau, der Sache des Königs, unseres Herrn,zu gewinnen. Gerne möchte ich dessen nun vergewissert seyn,indem die allgemeine Meinung ihn als einen Edelmann vonäusserst liebenswürdigem Charakter bezeichnet. Glauben Sienun, daß die Sache sich noch bewerkstelligen ließe, so bitte ich,eher heute als morgen, die Verbindung zu Stande zu bringen,denn so eben läuft bei mir die wichtige Nachricht ein, daß