Stadt sich einschlich und die öffentliche Ordnung aus mannig-fache Weise gefährdete.
Picavct wagte noch mehrere Ausfälle mit wechselndemErfolg. Allein der Hauptfcind, welcher die Städter für undfür bedrängte, war die immer mehr steigende Hungcrsnvrh;selbst die Reichern litten heftig darunter, die Acrmcrn erlagenihr beinahe. Als mitleidige und beherzte Frauen ans Sluys,Blankenbcrg, Ostentc, Ocdclcm und Oostcamp heimlich in dieStadt sich zu schleichen und ihren Kleidern so viel als mög-lich mitzuschleppen gewagt, wandelte die Söldner von Dammendlich Argwohn an. Sie fingen eine Anzahl dieser armen Ge-schöpfe auf und durchsuchten sie. Der Betrug kam an den Tagund mehrere büßten für ihren Liebesdienst dadurch, daß siemit den Ohren an Bäume genagelt wurden; andere mußtengroßes Lösegcld bezahlen; die Dürftigern zog man nackt aus,und jagte sie mit Schimpf über die Gränze. Als dem Gra-fen Engelbrccht diese Sachen gemeldet wurden, erklärte ereinfach: jeder Versuch, die Brüggcr mit Lebensrnitteln zu un-terstützen, sollte künftig mit dem Tode bestraft werden.
Die Stadt, über ihre kritische Lage endlich aufgeklärtund entzaubert, neigte sich zu friedlicher» Gedanken. Siesandte Bevollmächtigte an Nassau nach Aelst, um über einenVergleich zu unterhandeln. Diese kamen mir demüthigen Ge-bcrdcn und Worten in merkwürdigem Gegensatze zum seitheri-gen Uebcrmuth.
Der Graf wollte eine Zeit lang ihnen nicht einmalGehör vergönnen: die Erinnerung an Brügge's vieljährigeUntreue hatte se>n Gemüth hart und strenge gegen sie gemacht.Endlich, als sie vor sein Angesicht gelangt waren, bedeutete er:wenn die Absicht der Brüggcr auf Frieden gehe, so möchtensie noch zehn bis zwölf Tage verziehen, denn es sey auch mitdem von Eleve eine Ucbcrcinkunft eingeleitet. Der Bescheiderfüllte die Stadt mit Freude und Trost, aber sie betrog sich;denn binnen dieser Zeit hatte Engelbrccht eine bedeutende