Der Geheimschreibcr und seine Liebe.
73
Wenn dem wirklich so wäre, so würde der Beweisfür dinastischen Ursprung jedenfalls um ein merkliches schwie-riger fallen, als etwa bei den schon beschriebenen Herrnvon Castell. Der Stammvater ist nach der Familiensageein geheimer Sekretär (Geheimschreibcr)^ Kaiser Karl'sdes Großen, Namens Eginhard, gewesen, der, wie es oftvorkommt, mit der Tochter seines Herrn, Emma, eine Lieb-schaft anfing, welche der Papa mit zugedrückten Augen seg-nete. Nachdem der Schwiegerson seine Pflichten in Be-treff der Nachkommenschaft erfüllt zu haben glaubte, ginger in sich, resp. in ein Kloster, (Seligenstadt am Main),natürlich gleich als Abt, und überließ es seinem weltlichenStamme sich fortzupflanzen, woraus dann mit der Zeit dasjezige erlauchte Haus Erbach sich entwickelt haben soll.Solcher Ursprung wäre nun allerdings, wenigstens vonmütterlicher Seite, nahezu dinastisch, und es ist nur Schade,daß die Erb ache des XII. und XIII. Iarhunderts sichnichts darauf zu Gute taten, ja vielleicht nicht einmal et-was davon wußten, sonst würden sie kaum das Schenken-Amt von Kurpfalz angenommen, wenigstens von da an sichnicht durch nahezu drei Jarhuuderte hindurch Schenkenvon Erbach genannt haben, wobei ausdrücklich die Betonungauf den Amts-, nicht auf den Geschlechtsnamen gelegtwurde. „Schenk Philips, Schenk Hans und SchenkWig, alle Herren von und zu Erbach" erscheinen nochin einer pfälzischen Urkunde v. I. 1473 als pfälzische Va-sallen. (Mone, Beitr. I. 43V.)
Schenk Ebert oder Eberhard, Herr zu Erbach,war als der Pfalz obrister Feldhauptmann besonders tätigim Bauernkriege 1525 und auf seine Rechnung müssen eineMenge Köpfe und Dörfer gesezt werden, die er den Bauern