Uradel und Briefadel.
33
Bezug auf ir Alter, so unterscheiden wir zwei Haupt-gattungen: den Uradel und den Briefadel.
Beide Bezeichnungen tragen den Karakter der Gegensäze;zum Uradel gehören diejenigen Familien, deren Vorfarenerweislich znm Adel zälten schon vor der Zeit, in welcher dieLandesherrn, hier insbesondere die deutschen Kaiser und Reichs-fürsten, begannen, eine beliebige inen angeneme oder verdientePersönlichkeit mittelst eigener Gnadenbriefe, demgemäß in An-wendung irer SouverainetätSrechte auö der Reie der Bür-ger oder Bauern in die der Edelleute zu versezen. Hatder AnHerr eines Geschlechts solcher kaiserlicher oder fürstlicherGnade seine Erhöung zu verdanken, so zält man dieses — esmag übrigens alt oder jung, Fürst oder Edelmann sein —zum Briefadel.
Es wird wol im Allgemeinen keinen Briefadel geben,der älter wäre als 500 Jare von heute an zurückgerechnetIn Bayern ist das älteste Geschlecht dieser Klasse dasder Frhrn. von Ott mit der lauernden Fischotter im obcrn.und den zwei Schrägbalken im untern Plaze des geteiltenSchildes. Ir Adelsbrief datirt von Kaiser Sigmund auö demJare 1412. Der jüngste Briefadel ist derjenige der Herrnv. Pfistermeist er vom Januar 1867.
Es verdient hier für den nicht fachkundigen Leser bemerktzu werden, daß die ältesten Adelsbriefe keineswegs solchewaren, wie man sie seit den lczten zwei und drei Jarhundertenzu sehen gewönt ist, nemlich förmliche Standeserhöungs-Diplome, in denen der Begnadigte mit einem adelichen Prä-dikate begabt, oder „vonisirt" wird. Die Nobilitirnng. geschavielmer in der ältesten und älteren Zeit durch bloße Ver-leiung eines Wappens, durch Creirung zum Wappen-genossen. Deßhalb werden kaiserliche Wappenbriefe bis aufKaiser Mar I. einschlüssig auch den Adelsbriefen gleichgeachtet. —
3