Druckschrift 
Abt. 1, Adelicher Antiquarius Bd. 2 (1867) Der altbayerische kleine Adel
Entstehung
Seite
375
Einzelbild herunterladen
 

Adelswerk,

375

Dießmal hatte ich mer als acht Monate daran zu laborirenund nur die Enthaltung von aller Arbeit und eine, für denan Tätigkeit Gewönten doppelt peinliche, absolute Nichts-tuerei brachte die erregten Nerven endlich wieder zur Ruhe.Ich war dadurch zulezt geistig und körperlich so deprimirt ge-worden, daß sich in mir die fixe Idee feststellte, ich würde niemer arbeitsfäig werden; die Aerzte selbst (was übrigens nichtmaßgebend ist) gaben mich für verloren. DerAntiquarius"war die erste größere Arbeit, die ich nach meiner Genesung1866 wieder in die Welt schicken konnte, möge sie nicht dielezte sein !

Selbstverständlich müssen einem Autor, der ein so um-fassendes Werk, wie mein Wappenbuch zu bearbeiten übernimmt,nachgerade die Mängel wie die Schönheiten seiner Wissenschaftund Kunst mer als irgend anderen Leuten vor's Auge tretenund es wäre geradezu undenkbar, daß ein Mann, der sich25 Jare einem Spezialfache widmet, darin nicht zu einer un-gleich höeren Stufe der Einsicht und Erfarung gelangen sollte,als derjenige, der nur Dilettant oder Adspirant in diesemFache ist.

Wenn ich also bei Herausgabe meines großen historisch-heraldisch-genealogischen Werkes mit den Wappen, den Siegelnund den Briefen von vielleicht 86,666 Familien, Körperschaf-ten rc. aller Nationen bekannt werden, wenn ich diese allenicht nur kopiren, sondern auch kritisiren, blasoniren und endlichstilisiren mußte, so könnte man wol unparteiisch mir einigePraris und einiges Urtheil in diesen Sachen zugestehen. Leideraber hat niein Fach seit lange das Mißgeschick, zum Tummel-plaze großer und kleiner Kinder und zum Versuchsfeld desDilettantismus dienen zu müssen, so daß sich Männer derWissenschaft bisher nahezu gescheut haben, diese Disziplin