362
Tod Joseph's v, Hefner-
Reisen, deren er auch viele größere, nach Venedig, Neapel, Parisu. a. O. gemacht hatte, zu unterhalten. Dieselbe Harmlosig-keit umgab auch sein häusliches Leben, und die Liebe zu seinenKindern und Enkeln war rürend, herzlich und aufopfernd.Ich erinnere mich kaum zwei oder dreimal ihn zornig gesehenzu haben (obwol er bei acht Kindern wol hätte häufiger Ur-sache haben können) und insbesondere pflegte er den mitunterleidenschaftlichen Ausbrüchen meiner Mutter, die ihm allzugroße Nachsicht gegen seine Kinder oder wie sie es zu nennenbeliebte „Affenliebe" vorwarf, eine klassische Ruhe entgegen-zusezen, wobei er sich nur im äußersten Falle zu den Wortenverleiten ließ: Mit Leuten, die keine Logik im Leibehaben, kann man nicht disputiren!
Es war am 16. September 1862 Morgens 8 Ur, alsmir in der Versammlung der Germanisten zu Reutlingender damalige Vorstand des Zentralvereins Graf Wilhelmvon Wirtemberg ein eben an ihn gelangtes Telegramm über-gab, dessen Inhalt an mich gerichtet war, und mich in kurzenWorten benachrichtigte, daß „Papa heute Morgens 4V» Urgestorben sei". Ich überlasse es dem Leser meinen Schreckensich auszumalen. Ich hatte den Vater, mit herzlichen Grüßenvon ihm an alle Bekannte beladen, die ich in Reutlingen tref-fen würde, an Linden schmidt, Paulus, Habel u. s. w.,wol und munter Tags zuvor in München verlassen — undnun diese Botschaft! Als sie unter den Anwesenden sich ver-breitete, erfur ich das ungeteilteste Beileid und man widmeteden Verdiensten meines Vaters um die Wissenschaft die erend-sten Worte. Noch am selben Tage trat ich in München indas Zimmer meiner in Schmerz aufgelösten Mutter, und zweiTage darauf begleitete eine zalreiche Menge von hochansen-licheu Personen die Leiche meines lieben Vaters zu Grabe.