In der Tbat rüsteten sie sich so bedeutend, daß derKaiser dadurch verlegen ward und gegen sie Mißtrauenüber ihre wahre Absicht faßte. Er setzte deshalb die abge-brochenen Unterhandlungen mit dem Bruder fort. DerVertrag vom 29. Junius kam zu Stande. Österreich obund unter der Ens ward an Mathias abgetreten, hierausauch Ungarn, und auf Böhmen die Anwartschaft. Dafürüberließ der König und Erzherzog an den KaiserlichenBruder den nach Marimilians Tod zu hoffenden Erb-antheil von Tyrol und Vorder-Österreich. Die österreichi-schen Stande unterschrieben diesen Vertrag mit; ein be-deutender Umstand, welcher genau ins Licht setzt, welchgroße Rechte sie genossen und unter Ferdinand II. ver-loren.
Während dieser Entzweiung unter den Prinzen desErzhanses, hatte sich eine Union unter den ProtestantenTeutschlands zu gemeinsamer Verteidigung ihrer Rechteund Freiheiten gebildet. Die Seele derselben war der FürstChristian von Anhalt.
Die Zugeständnisse Rudolfs an Mathias und die böhmi-schen Stände, so wie jenes Ereigniß in Teutschland, gabenauch den österreichischen Standen Anreiz zu Ähnlichem,und dem Ehrgeiz, wie dem Parteigeist neue Nahrung. DieFolgen seiner Politik verwickelten Mathias in eine Reiheunangenehmer Berührungen. Das Haupt der österreichischenMißvergnügten war Erasmus von Tschernembl.Der König hatte mit Letztern vielfache Streitigkeiten durch-zufechten, und befand sich in so unangenehmerer Lage,als er, auf der einen Seite durch zu große Nachgiebig-keit der Monarchie und dem Katholizismus, auf der andernaber durch starren Rückhalt und Verweigerung angefoderterFreiheiten seinem Verhältnis zu den Böhmen, deren Bei-stand ihm durchaus nothwendig war, zu schaden befürch-