einen Zeugen, schickte ihn zu Vratislans und ließ ihm mel-den, daß die Sache durch seineu Bruder selbst veranlaßtworden, welcher auf öffentlicher Straße eine Beleidigungihm zugefügt, die er als Kavalier von Ehre »nicht hätteauf sich sitzen lassen können.« Er erkundigte sich darauf,ob die Wunde gefährlich und ließ durch den Hofmeisterseinen Vetter um Verzeihung über das Geschehene bitten.Allein jener brachte die traurige Nachricht, der Graf seybereits verschieden.
Wilhelm wurde dadurch auf's Tiefste erschüttert, rangverzweiflungsvoll die Hände unter dem Ausrufe: »O meinlieber Vetter Christoph!« Er warf sich auf die Knie undbetete ein Miserere für die Seele des Ertödtctcn. Daraufließ er seine eigene Wunde sich verbinden. Er wollte, im-mer noch in einiger Hoffnung, daß Lebenszeichen vorhan-den seyn könnten, sich selbst überzeugen, aber der Dolch desrachesehnendcn Vratislans, welcher auch wirklich ihnleicht verwundete, bestimmte ihn zum Rückzüge.
Dieser Vorfall erregte allgemeine Aufmerksamkeit, beidem Hofe große Bestürzung und bei den Familien beiderTheile den unbeschreiblichsten Schmerz. Der Kaiser, vonden Bitten Vratislans und der übrigen in Trauer gesetztenVerwandten Christophs noch mehr dazu aufgefordert, setzteeinen eigenen Ausschuß unter Vorsitz des Hofmarschalls,Wolf von Losenstcin, nieder, welcher die Sache auf dasGenaueste untersuchen sollte. Alle Zeugen jedoch, welchevernommen worden, sagten zu Gunsten Wilhelms, als desangegriffenen Thciles, aus und bewiesen, daß die Thataus gerechter Nothwchr und in ehrlichem Zweikampfe vorge-fallen war. Man hatte von Seiten des Hofes gewünscht,Graf Wilhelm möge für eine Zeitlang auf Reisen gehen,bis der schlimmste Eindruck getilgt sey; allein die Wunden,an denen er selbst noch litt, und die schlimme Witterung