Flüssigkeit des Siegels wohl kennend, auf äußerst vorsich-tige Weise bemerkt. (>) Den einzigen Trost in seiner Ge-fangenschaft bot Wilhelmen die Erscheinung einiger schongenannten Freunde des Hauses und der Besuch seines Nef-fen Egon dar, welch Letzterer noch im Jahre 1544 nachParis abgegangen war und über sechs Wochen daselbstverweilt hatte. (I Noch in der Folge bewies Egon diezärtlichste Aufmerksamkeit für seinen Ohm und war, alsum die Mitte des Märzmonats 1545 gar keine Nachrichtmehr von ihm zukam, äußerst betrübt. (I
Einen andern, süßern Trost bot die Liebe. Die Fraueines Parisers, durch ihre Schönheit ausgezeichnet,fühlte für den Gefangenen die innigste Theilnahme underheiterte, da sie Zutritt in die Vastille fand, manche Stundedurch liebliches Gekosc, und durch Gesang und Lautenspicl.Der Graf, von ihren Reizen mächtig gefesselt, und, weilWittwcr, frei von jeder Verpflichtung, zeigte sich in derFolge dankbar gegen sie, und nahm sie, da der Manu frei-willig sich von ihr scheiden ließ, mit sich nach Teutschland. (IAber der Haß seiner Feinde begnügte sich nicht damit,blos seiner Frcibeit ihn beraubt zu haben; mau wagte so-gar menchelmördcrische Angriffe aufsein Leben, durch Gift,welches in Speisen ihm beigebracht wurde. (°) Dies war
t') Schreiben Friedrichs a. heiligen Tage.
</) Der Zweck der Reise war, ihn zu trösten und über seine Mei-nung näher zu befragen. Der Aufcnlhall am Hofe und zu Pa-ris kostete ihn sehr viel und er mußte sogar 220 Sonnen-kronen aufnehmen, welche später in Wechseln zurnckbezahltwurden. — Schrb. Egons.
(') Ebendasselbe.
G) Zimmern'sche Chronik.
l.') Früher war selbst die Rede davon gewes ihn als AuSspä-