Wilhelm wurde sofort zum Behufs seiuer weiter« Erzie-hung nach Burgund geschickt, wo er, sobald die Jahrenur zureichten, in Kriegsdienste trat, indem das Waffen-Handwerk mehr, denn alles Übrige, ihm zusagte. Bald er-warb er sich durch ungewöhnliche Kühnheit, durch ein-männliches Äußere bei geringen Jahren, und durch früheEinsicht in alle Beziehungen des Kricgshandwerkes, gro-
Kammer; und weil ich dies ganz gewiß weiß, so kann ich das-jenige nicht glauben, was man ibm nachredet." Damit ver-ließ er den Saal. Die Rathsherren lachten seiner Einfalt undließen für diesmal die Sache auf sich beruhen. Als jedochGraf Wilhelm das Spiel von Neuem und zwar noch stärkerund wilder trieb als zuvor, so sah sich der Magistrat veranlaßt,in Verbindung mit dem Rektorat der Hochschule, eine neue Umtersuchung vorzunehmen.
Meister Nikolaus, abermals vorgeladen, wurde der Längenach aller jener Dinge berichtet, welche den Gegenstand derBeschwerde des TageS bildeten. Man gab sich Mühe, ihn da-hin zu vermögen, daß er doch nicht blindlings glauben, son-dern mit eigenen Augen sich überzeugen möchte, ob der Grafdenn auch wirklich in seinem Bette liege. Er verstand sich dazu,wiewohl mit Widerstreben. Als nun nach einigen Tagen Wil-helm vermeinte, alles sep wieder vergessen und beschwichtigt,schlich er zur Nachtzeit sich, wie gewöhnlich, aus dem Hauseund zu seiner Gesellschaft. Diesmal aber kam der Pfaff zuseinem Verstände wieder, denn er ging wie sonst zu dem Bette,des Grafen und riß, nachdem er die oben erwähnte Antwortauf seine gewöhnliche Frage erhalten, die Decke weg. besah denJungen und überzeugte sich von dem Betrug. Der unglücklichePylades wurde hart gezüchtigt, der junge Graf aber, als ervon seinem nächtlichen Spaziergange in die Wohnung sich zu-rückschlcichen wollte, von dem Tielzürncnden gar nicht mehreingelassen. — Also meldet mit gemütklicher Laune die Zim-mern'sche Chronik, welche der Schwank nicht wenig erfreut.