83
Fürwahr, es würde eine Sache von hohem Nutzen sepn,wenn verstandbegabte Zungfrauen, die dem göttlichenDienste Tag und Nacht sich geweiht haben, einen solchenMeister hätten, der sie lehrte, Honig vom Felsen, undOel vom härtesten Stein zu saugen. Denn Du selbstkannst Dir leicht vorsteilen, wie ekelhaft es zuletzt wer-den muß, ununterbrochen zu psalmiren, und doch keineFrucht von diesem Psalmensingen zu gewinnen. Inzwi-schen bitte ich den Allerhöchsten, daß er Gewährung al-ler guten Wünsche Dir verleihen möge. Lebe wohl, inder Gnade des Herrn, und gedenke meiner zuweilen!
X.
Bilibald Pirkheimer
an
Charitas M).
Der ehrwürdigen Mutter Charitas, Aebtissin zu St.Klara, seiner theuersten Schwester, entbeut Bilibald Pirk-heimer seinen Gruß.
Gleichwie die Schiffer, die von mannigfachen Stür-men umher getrieben und von endlosen Arbeiten erschöpft,ja dem Tode schon nahe, durch Gelübde und Gebete vonden drohenden Gefahren errettet worden sind, endlich,wenn sie wider alles Erwarten und Hoffen das freund-
20) Uebers. aus kirllll, Opp. (p- 34g.)