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seres Herrn feiern. Derjenige, welcher viel Größeres nochfnr die Erlösung der Menschen ertrug, wollte Euch eineGelegenheit geben, nicht nur sein allerheiligsteS Leiden zubetrachten, sondern selbst mitzufühlen.
Uebrigens erhielt ich auch in verwichenen Tagen dieliebenswürdigen Schriften der hochgelehrten ZungfrauRoswyda, von Eurer Herrlichkeit, die Zhr mir, demunbedeutenden Frauenbilde, ohne irgend ein Verdienst vonmeiner Seite, gewidmet habt. Zch erstatte und bewahredafür Euch ewigen Dank, denn ich freue mich, daß derVerleiher des Verstandes nicht nur den Gesetzkundigcnund Gelehrten tiefe Weisheit auszutheilen pflegt, sondernauch dem gebrechlichen Gefchlechte und verachteten Perso-nen einige Brosamen, die von dem Tische der reichen Gelehr-ten fallen, nicht versagt. An jener höchstverständigen Zung-frau ist erwahrt worden, was der Apostel sprach: „Gottliebt das Starke, damit er das Schwache verwirre."Auch ist in der That die Gnade des großen Geistes zupreisen, welcher jenen jungfräulichen Verstand mit solchemGlänze der Wissenschaft und des Fleißes schmückte undverherrlichte.
Auch Euer demuthiger Eifer ist alles Lobes undPreises werth, mit dem Ihr die Schriften und Gedichteeines schwachen Weibes studirt, ans Licht gebracht, unddem Drucke ubergeben habt, und das gebrechliche Geschlechtnicht verachtet, noch den Niedern Stand einer armenNonne. Bei diesem Anlasse habt Ihr, ich gesteh' es,ganz gegen die gewöhnliche Sitte so vieler Gelehrten,oder vielmehr Hochmüthigen, gehandelt, welche mit großerUebertreibnng alle Worte, Handlungen und Reden derFrauen so sehr herabziehen und geringschätzen, gleich alshätte das andere Geschlecht nicht einen und denselben