Weisheit, und somit einen Schatz, der kostbarer als alleübrigen der Erde, behalten. Deshalb fühlen diese dannauch im Unglücke mehr Trost als Traurigkeit über die zu-gefügten Krankungen. Denn sie sind von der Ueberzeu-gung beseelt, daß solche Leiden den Menschen mehr zumFrommen als zum Schaden gereichen. Oder habe» dieRäuber, die Euch das Eurige genommen, etwas Anderesgethan, als Euch der Sorge, Zeitliches zu bewahren undzu Hilten, entlastet? Und was, indem sie Euch schlugen,haben sie Euch Anderes, als neuen Stoff dargereicht, EureTugend zu üben, vorzuglich aber auch jene heiligste Weis-heit, welche, nach dem Ausspruche des Apostels, ei» voll-kommenes Werk hat, weil, wie auch der heil. Jakob be-hauptet, derjenige selig zu nennen ist, welcher Anfechtunggelitten. Deshalb zweifle ich keinen Augenblick, daß nichtEuere Herrlichkeit, die nicht nur ein so vorzüglicher Phi-losoph, sondern auch ein so gediegener Theolvg, und, wasnoch ehrwürdiger, ein Schüler Christi, ist, das zugeflos-sene Unglück mit Gleichmuth des Herzens, ja selbst mitFreudigkeit werde ertragen habe», in dem Hinblick aufunfern Erlöser, welcher nicht gezwungen, sondern frei-willig, Beschimpfungen, Hohn, Schläge, Geißelstreiche,Beraubung, ja den bittersten Tod selbst, geduldet hat.„Die Betrachtung dessen," sagt der heil. Bernhard, „istdie höchste Philosophie." Und rühmte sich nicht selbst derBölkerlehrer, das Gefäß der Erwählung, vor Königenund Völkern, vor Griechen und Römern, ja selbst voreinigen Weisen: „Er kenne nichts als Zesum, und daßer gekreuzigt worden?" — Somit glaube ich, daß kei-neswegs durch einen Zufall, sondern durch ein göttlichesVerhängniß, jene Trübsal über Euch gekommen sey, indieser hochheiligen Zeit, in welcher wir gerade das Leiden un-
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Charitas Pirkheimer, ihre Schwestern und Nichten : Biographie und Nachlaß
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