Druckschrift 
Charitas Pirkheimer, ihre Schwestern und Nichten : Biographie und Nachlaß
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

S4

Schöpfer, Erlöser und Seligmacher gehabt, wie sie; undwelche nicht wahrnehmen, daß die Hand des höchstenKunstlers noch lange nicht kürzer geworden. Er nur hatden Schlüssel deS Wissens. Jedem spendet er'nach seinemWillen aus, den» vor ihm gilt kein Ansehen der Person.Trefflich habt Ihr also hierin den heil. Hieronymus nach-geahmt, welcher unser Geschlecht nicht verachtete, sondernkeine Scheu trug, gottgewcihete Jungfrauen in heiligenWissenschaften zu unterrichten, auf ihr Bitten hierum, dasie von geisteStragen und müssigen Männern gänzlich darinvernachlässigt wurden °).

Ihr werdet meine Kühnheit mir verzeihen, daß ichEuer Herrlichkeit mit meinem mädchenhaften und unge-lehrten Geschreibsel belästigt. In der That, es überziehtSchaam und Verwirrung mein Gesicht, während ich die-sen ungehobelten und unzusanimenhängenden Brief Euchschreibe. Doch geschieht es meinem theucrsten Bruder zuLiebe, welcher zu Euch eine gauz besondere Neigung trägt.Die aber, welche er liebt, liebe billig auch ich.

6) Diese, mit rührender Einfalt und warmer Ucber-zeugunz ausgesprochenen, Bemerkungen unserer Cha-ritas über die Zulässigkeit der Frauen zu den Ge-schäften der Gelehrtenwelt ändern unser im Ein-gange des Werkleins gefälltes Urtheil nicht. DieAusnahmen und die Fälle, wo wir hinsichtlich die-ses Punktes nicht nur tolerant, sondern gerechtseyn müssen, sind angegeben. Nur dann darf dasWeib mit in jene, jetzt so eifrig gesuchte Gemein-schaft treten, wenn es alle übrigen Pflichten seinesBerufes getreulich erfüllt, wie Roswyda und An-dere es gethan haben.