33
Wandlung des, einst so stolzen und glaubenskraftigen, Nürn-bergs und über den Verlust so vieler Seelen ausgeschüt-tet. Selbst die Regenten waren in einer Stelle des Brie-ses angegriffen, dagegen Emsers Verdienste um Gelehr-samkeit, nicht olme einige, dein Herzen der frommen Cha-ritas jedoch mehr ehrenvolle als nachtheilige Uebertreibun-gen, herausgehoben worden. Sie glaubte in ihm auch denMann gesunde» zu haben, der ganz besonders zum Strei-ter für das Haus des Herrn, und zum Anführer der demwahren Glauben noch Getreuen berufen sey.
Dieser Brief, von der unvorsichtigen Eitelkeit desMannes vielleicht vielen Personen hernmgezeigt, kam end-lich in unrechte Hände, und wurde, da Emser die gemein-same Zielscheibe des Witzes und Hasses, seiner eben sorohen und ungehobelten, als anmaffungs- und dünkelvollenDenkart und Lebensweise wegen war, von einem Prote-stanten, der den Anlaß benützte, den neuen Herakles lä-cherlich zu machen, mit äußerst bittern und boshaften An-merkungen gedruckt herausgegeben, unter dem spöttischenTitel: „Ein Missive oder Sendbrief, so die Aebtissin vonNürnberg an den hochberühmten Bock Emser geschrieben,fast künstlich und geistlich, auch gut Nunnisch gedichtet."Als Druckort war Wittenberg angegeben; allein viel wahr-scheinlicher kam das Sendschreiben zu Nürnberg selbstheraus ^').
Die Bekanntmachung eines Briefes, vertraulich, aneinen erprobten Freund, und in einer Stunde der heftig-sten inner» Aufwallung geschrieben, bei der ans Wahl derWorte nicht sehr große Rücksicht genommen worden, warfür Charitas ein zermalmender Schlag. Nickt nur setzte
31) Beil. XII.