seil gemässigtem Charakter. Diesen und den Pfleger selbstim Kloster zu sehen, erklärte sie sich bereit, wiewohl miteiniger Schüchternheit, die der Ruf von MelanchthonSgroßer Gelehrsamkeit ihr eingeflößt. So weit sie sichaber auch unter derselben suhlte, so hoffte sie dennoch ver-trauensvoll auf de» höhern Beistand, und erwartete dem-nach ruhig die beiden Gäste. Alle übrigen Besuche hattesie sich feierlich verbeten
Schon früher war von Bilibald Pirkheimcr selbst,Melanchthon als Vermittler in den Irrungen des Klo-sters mit dein Rathe angerufen worden. Ohne Scheuhatte jener dem alten Freunde „den Irrthum eingestan-den, den er bisher mit vielen andern getheilt, nehmlich,daß er es der Wohlfahrt nicht nur seiner Schwestern, son-dern auch seiner Töchter, als am zuträglichsten gehaltenhabe, wenn sie den Schleier nähmen."
Nunmehr jedoch litten diese an ihrem Gewissen Ge-walt, und statt sie zu überzeugen und durch sanfte Ucber-redung, wie die Natur des weiblichen Geschlecktes es fe-dern, zur Sinnesänderung sie zu bewegen, habe man vor-gezogen, sie zu zwingen. Und nun schilderte Bilibald derhergeschickten Priester verkehrtes Benehme», das unsittli-che Leben, welches ihnen der Nonnen Verachtung nochmehr, als ihre Lehre zugezogen, die dadurch erzeugte Racl,-sucht und unedlen Ränke gegen das Kloster, welches vonallen Seiten, und nicht nur von Männern, sondern selbstvon Weibern, und unter diesen von solchen, deren Kin-dern alles Liebe und Gute erwiesen worden, dermalennun umlagert werde, so zwar, daß es mit jedem Tag sei-nem Untergang entgegen sehen müsse. Er, Bilibald, hoffe von
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