Eroberers vorhandenen Personen an der obersten Ahnenreihejedes einzelnen von den heute lebenden betheiligt gewesen wären,dennoch ein Verlust von 30 Millionen Ahnen, und wenn mandiesen Verlust auf etwa 25 Ahnenreihen, die bis zu den Zeitendes Eroberers hinaufreichen, vertheilen wollte, so müßte sichleicht finden lassen, daß ein Ahnenverlust von 80—9^ Prozent,wie ihn die Ahnentafel des Kaisers Wilhelm in der elften undzwölften oberen Generation darbot, auch allgemein menschlichbetrachtet, durchaus nichts ungewöhnliches gewesen sein dürfte.
Das voranstehende ethnologische Beispiel ließe sich durchviele andere historisch sichere Thatsachen ergänzen. Man denkean die sogenannten Sachsen in Siebenbürgen, die seit dem^3. Jahrhundert kaum einen nennenswerthen fremden Zuwachserfahren haben und auch heute eine erhebliche Veränderungihrer Bevölkerungsziffer gegenüber der Stärke, mit welcher siewahrscheinlich aus ihrer luxemburgischen Heimath eingewandertsind, kaum voraussetzen lassen und man wird leicht berechnenkönnen, daß jeder heutige Siebenbürgische Sachse einen nochgrößeren Ahnenverlust mit sich herumträgt als ein Engländer.Wie müßte sich die Sache erst in kleineren Gemeinwesen stellen,wo Sprachinseln durch viele Jahrhunderte hindurch mitten infremder Umgebung die ungeheuerste Inzucht eines Stammesbeweisen: in so vielen deutschen Dörfern in Schlesien, Polen,Rußland; und was müßte man endlich bei den sette communiin der Lombardei, oder bei den keltischen Resten von Walesfür Rechnungen über Ahnenverluste aufstellen können!
In der That! der Ahnenverlust spielt eine weit größereRolle in der Völkergeschichte als gewöhnlich angenommen wird.In den kirchlichen Gesetzen früherer Zeiten wird man un-schwer das Bestreben erblicken, durch Aufstellung von Ehe-hindernissen die nachkommenden Geschlechter vor allzugroßenAhnenverlusten zu bewahren. In neuerer Zeit ist an die Stelleder geistlichen Richter ein starker Anspruch der Aerzte getreten,welche sich bemühen, eine recht rigorose Ansicht über die Be-deutung von Ahnenverlusten zu verbreiten. Aber sind nicht allediese Meinungen gefaßt und ausgesprochen ohne die hinlänglichegenealogische Grundlage? Muß nicht jemand der ein paarHundert wirkliche Ahnentafeln studirt, und nach allen Seiten hingeprüft hat, sich über die Leichtigkeit wundern, mit der man
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