Druckschrift 
9 (1870) (Steinhaus - Zwierlein)
Entstehung
Seite
396
Einzelbild herunterladen
 

396

hatten. Dasselbe besass schon um 1265 mit den Schencken v. Apoldadas Schloss Apolda mit Zubehör unweit Jena, nach welchem derStamm sich nannte und nach v. Falkenstein lebten um diese ZeitTheodoricus, Berthold, Werner und Alb recht Vitzdume v. Apolda.Nach den gewöhnlichen, früheren Angaben schied sich im 13. Jahr-hunderte der Yitzthum'sche Stamm in zwei Linien, in die Apoldischeund in die nach dem Dorfe Eckstädt bei Weimar genannte Linie,doch sind neuerlich gewichtige Stimmen laut geworden, dass es Un-recht sei, die Vitzthume v. Apolda mit denen v. Eckstädt zu einemgemeinsamen Stamme zu machen. Besonders mächtig wurde dasGeschlecht V. v. A. im 15. Jahrhunderte, in welchem es zu Dornburg,Nebra, Tannroda, Camburg u. s. w. sass und hatte nächstdem vieleGüter, Schlösser und Städte inne. Busso und Friedrich Y. v. A.waren berühmte Kriegsobersten der meissenschen Völker: Erstererblieb gegen die Ilussiten 1426 bei Aussig, Letzterer 1429 in einemTreffen bei Grimma; Apel Y. v. A. gest. um 1470, des Herzogs Wil-helm zu Sachsen Geh. Bath, wurde namentlich durch den Antheil,welchen er an der Veranlassung des sog. sächsischen Bruderkrieges(von 1446 bis 1451) gehabt hatte, bekannt; Melchior war um 1460als Kriegsoberst berühmt, Philipp verglich sich 1486 mit dem Lan-desherrn wegen Tannroda und Dornburg und ein Anderer diesesNamens war im Schmalkaldischen Kriege 1547 kursächsischer Ge-neral und Commandant zu Freiberg, als diese Stadt sich unvermuthetfür Herzog Moritz zu Sachsen erklärte. Wie gewöhnlich angenommenwurde, erloschen die Vitzthume v. Apolda 1631 mit Anton Friedrich,doch giebt Knauth an, dass dieselben erst 1639 mit Budolph Vitz-thum v. Apolda und Crammen, kursächsischem Geh. Bathe und Ober-Kämmerer, ausgegangen wären. Der genannte Ober-Kämmerer Bu-dolph Vitzthum v. Apolda, wie derselbe genannt, also zum StammeVitzthum v. Apolda gerechnet wird, hinterliess grosse Schätze, dieer für milde Stiftungen in Dresden und Freiberg bestimmte und istauch durch Stiftungs-Urkunde vom 24. Sept. 1638 Stifter des be-kannten, sehr angesehenen Vitzthum'schen Gymnasium in Dresden,welches erst 1828 ins Lieben trat, später aber, 1861, durch Beschlussdes Administrators u. mit Genehmigung des Ministeriums des Cultusund öffentlichen Unterrichts zu einem selbstständigcn und öffentlichenumgestaltet und am 16. Oct. 1861 als solches eröffnet worden ist.Eine Linie des alten Stammes blühte in Böhmen fort. Von den SöhnenApel's Vitzthum v. Apolda, Herzogs Wilhelm zu Sachsen Geh. Baths,s. oben, besass anfangs ein gleichnamiger Sohn das Schloss Tannrodaim Weimarischen, zog sich aber nach Böhmen zurück, weil er ge-droht hatte, den Vater zu rächen, wurde 1472 Tinter die Freiherrenin Böhmen aufgenommen und setzte den Stamm fort. Die GebrüderChristoph und Dietrich V. v. A. studirten 1575 zu Prag und nanntensich später statt Vitzthum v. Apolda: Vitzthum v. Egersberg.

Balbini Mise. Bohem. Dec. II. Lib.XV. Pag. 8. Knautli, S. 586 88. Gotha diplomat. F. V.S. 246. v. Falkenstein , Thüring. Chronik, Lib. 2. P. II. S. 032. Gauhe, I. S. 2674 und 75und S. 2680. Freih. v. Ledebur, III. S. 60. Siebmacher, I. 164: Die Vitzthumb, Meissnißch.v. Meding, I. S. 634: Vitzthumb v. Apolda.