Druckschrift 
9 (1870) (Steinhaus - Zwierlein)
Entstehung
Seite
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erscheinen liess und Conrad v. T., um 1720 Herr auf Grünau undspäter Landes-Oanzler im Schweidnitzischen Fürstenthuine u. Landes-Aeltester des Striegauischen Weichbildes. In der Ober-Lausitzwar Kieslingswalde unweit Görlitz der älteste Stammsitz der Familie,welches Gut dem Geschlechte 422 Jahre zugestanden hatte, nachAnfange des 18. Jahrh. aber in den Besitz der v. Falckenhain kam.Friedrich v. T. auf Kieslingswalde war 1592 Landeshauptmann desBudissiner Kreises. Von dem gleichnamigen Sohne desselben, wel-cher des Fürstenthums Görlitz Landeshauptmann war, stammte HansFriedrich, über welchen Näheres nicht bekannt ist. Später, 1684,starb Christop v. T., kursächs. Rath und seit 1655 Landeshauptmanndes Görlitzischen Fürstenthums, im 84. Lebensjahre und hinterliessdrei Söhne: Georg Albrecht auf Ober-Schönfeld, Hartlieb und Ehren-fried Walther. Letzterer, geb. 1651 und gest. 1708 auf seinem GuteKieslingswalde, kam in der gelehrten Welt als ausgezeichneter Ma-thematiker , Naturforscher u. Philosoph zu grossem Rufe. Nachdemer von Jugend auf mit vieler "Vorliebe Mathematik getrieben unddann auf der Universität zu Leyden sich fast ausschliesslich mit der-selben beschäftigt hatte, trat er 1672 als Freiwilliger in holländischeDienste und machte seit 1674 eine grosse Reise durch Frankreich,Italien, Sicilien und Malta und lebte dann längere Zeit am Kaiserhofezu Wien, von wo er abermals nach Frankreich reis'te. Bei seinerdritten Anwesenheit in Paris wurde er 1682 von der dortigen Aca-damie der Wissenschaften zum Mitgliede aufgenommen, begab sichdann wieder nach Holland, wo er sich längere Zeit aufhielt, kehrtespäter nach Sachsen zurück, wurde zum kursächs. Rathe ernannt undbeschäftigte sich auf seinem Gute Kieslingswalde, nacli seiner Rück-kehr aus dem Auslande, namentlich mit optischen und mechanischenArbeiten. Er legte nicht nur in Sachsen die drei ersten Glashüttenan, sondern unter seiner Leitung und in seinem Laboratorium voll-endete auch Böttger die Erfindung des Porcellans. Seine wichtigsteErfindung bestand aber in Verfertigung eines Brennspiegels ausKupfer von ausserordentlicher, bisher noch nicht vorgekommenerGrösse und einem Gewichte von 160 Pfund, welcher die bewunde-rungswürdigsten Wirkungen hervorbrachte und den er der Academieder Wissenschaften zu Paris schenkte, in deren Cabinete er sich nochbefindet. Nächstdem liess er eine Menge anderer Brennspiegel vonseltener Vollkommenheit herstellen, von denen einer von sechs FussDurchmesser u. 4 Fuss Brennweite noch gegenwärtig auf dem mathe-matischen Salon zu Dresden zu sehen ist. Die von ihm hinterlassenenzwei Söhne, Gottlob Ehrenfried und Georg Friedrich verkauftennacli seinem Tode das durch ihn so bekannt gewordene Gut Kies-lingswalde.r- Nach diesei 1 Zeit ist der Stamm der Freiherren undGrafen v. Tschirnhaus erloschen und später blühte nur noch eine imAdelsstande verbliebene Linie, aus welcher um 1837 Eduard v.Tschirnhaus Herr auf Nieder-Baumgarten im Kr. Bolkenhain war,welches Gut, wo sich auch das gräfl. Diplom von 1721 fand, nachheran die Familie v. Treskow gekommen ist.