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4 (1843)
Entstehung
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Wenden wir uns rom Nenthore rechts der Burgmauer entlang, sostoßen wir aus die Hintergebäude des Landarmenhauscs, des ehemaligenAugustinerklosters. Mit seiner Hauptfronte steht es nach der Brücken-strage, die gleich unterhalb desselben eine Biegung ganz nach Westenmacht. Der an die Brücke anstoßende Theil der Brückenstraße heißt auchdie Schanzstraße, so genannt'von den durch Philipp Christoph 1646 hierangelegten Befestigungswcrken. Das letzte Haus dieser Straße rechterHand war der Johanniterhof, früher Eigenthum der Tempelherren.

Durch das Brückenthor kommen wir auf die Moselbrücke. Die Brückebesteht aus 8 mit Sandsteinquadern gewölbten Bogen und ruht auf 7 Pfei-lern. Die Grundlagen dieser Pfeiler und großenthcils die Pfeiler selbstbestehen aus Basaltblöcken, die 6 9 Fuß lang, 3 Fuß breit und 3 Fußhoch sind. Sie sind ohne Mörtel vermittelst eiserner Klammern zusam-mengefügt. Sehr viel litt die Brücke 1689. Damals suchten die Franzo-sen sie ganz zu sprengen; die mächtigen Massen widerstanden jedoch ihrerZerstörungswuth, wenigstens zum Theil. Der 2. und der 7. Pfeiler vonder Stadtscite wurden wirklich gesprengt und von 3 und 4 blieb nur deruntere Theil stehen. Die Bogen, wie sie jetzt sind, wurden von FranzLudwig von 1717 1726 ganz aus Steinen hergestellt. An dem derSta't abgewandten Ende der Brücke wurde ein Thurm errichtet, währendfrüher zwei solcher Thürme auf derselben standen. Dieser Thurm wurdejedoch 1868 wieder abgebrochen und ein bequemer Leinpfad auf dieserSeite angelegt. Zugleich wurde damals der an jenem Brückenende sichbefindende Bogen neu gebaut. Die ganze Brücke hat eine Länge von696 und eine Breite von 24 Fuß. Fast auf der Mitte derselben, etwasnäher der Stadt zu, steht ein großes steinernes Cruzifir in einem halb-kreisförmigen Ausbaue. Ueber die Zeit der Entstehung der Brücke sinddie Forscher nicht einig. Einige sind der Ansicht, sie gehöre noch in diegallisch-belgische Zeit. Auch Herr Wpttenbach war früher dieser Ansicht.Später aber änderte er seine Ansicht und stellte die Meinung auf, sie seiunter Octavian Augustus von Agrippa erbaut worden und zwar damalsals er die große Heerstraße von Cöln nach Trier anlegte. Die Brückebildete nach dieser Anficht einen Theil dieser Straße.

Vom Brückenthore gelangen wir der Mosel entlang, an dem imJahre 1829 erbauten Hanptzollamtsgebäude vorbei, über den eben imBau begriffenen Quai zu dem Krahnenthore. Dieser Theil der Stadtwird gewiß in Zukunft einer der schönsten werden, da er die beste Ge-legenheit zum Bauen darbietet und unstreitig die angenehmste Lage hat,Zu wünschen wäre, daß auch bald die Mauern jenseit des Krahnenthores.sielen und einem freundlichen Quäi den Platz räumten. Das Krahncn-thor ist 1753 neu erbaut worden und führt von der Mosel in die Krah-nengasse. Diese zieht sich in fast ganz grader Richtung, ohne übrigensganz verbaut In sein, bis in die Flcischstraße hinauf, in welche sie daeinmündet, wo auch die aus der Brodgasse herunterkommende Nagelgassemit derselben zusammentrifft, also bis zn dem Punkte, auf welchem dieFleisch- und Brückenstraße an einanderstoßcn. Der an die Fleisch- undBrückenstraße anstoßende Theil der Krahnenstraße führt den Namen Jo-hannisstraße.

Gehen wir am Krahnenthore weiter abwärts, so gelangen wir durchden elendesten Theil der Stadt zu dem Militär-Lazareth, dem ehemaligenKatharincn-Kloster. Vor diesem dehnt sich ein z emlich großer freier Platzaus, an dessen südlicher Seüe sich die Gebäude der vereinigten Hospitienerheben. Diese Anstalt wird von 11 Schwestern der Congregasion desheiligen Carl Barromäus, deren Mutterhaus zu Nancy ist, geleitet undkann als ein Muster von Reinlichkeit und Ordnung dienen. Die Gc-bänlichkciten waren früher das adlige Nonnenkloster St. Jrminen. Wiedie Sage geht, soll das Kloster schon von König Dagobert II 675 aufderStelle eines Kornmagazins gegründet worden sein, und von seiner TochterJrmina, der ersten Vorsteherin desselben, den Namen erhalten haben.Vorher war es ein Königshof der Franken. Die zu dem Kloster gehörigejetzige St. Paulus-Pfarrkirche wurde am 2. September 1771 von demletzten Erzbischofe eingeweiht.

Von dem vor den Hospitien liegenden freien Platze führt die Diet-richsstraße, eine ziemlich enge und unansehnliche Straße, nach dem Haupt-marktc. In dieser Straße liegt das Clarissen-Kloster. Im Jahre 1134 warhier unter der Leitung der frommen Antonia Spanel die Verbindung der

büßenden Schwestern entstanden, an der ihre 3 Töchter und einige Freundin-nen Antheil nahmen. Als das Kloster 1453 bis auf eine Schwester aus-gestorben war, berief Erzbischof Jakob I. Nonnen vom Orden der heiligenClara nach Trier und überwies ihnen die Gcbäulichkeitcn und Güterdieses Ordens. Bei der Aufhebung der Klöster wurde den Clarisfinnengestattet, bis zum Aussterben aller noch vorhandenen Schwestern in dem-selben bleiben zu dürfen. Jetzt befindet sich die katholische Armenschule darin.

Nicht sehr weit von diesem Kloster in der Richtung nach dem Markte,liegt das schöne Landgerichtsgebäude. Hier war zuerst die Universität bisdahin, als die Jesuiten an dem jetzigen Gymnasialgcbäude den für rieSchulen bestimmten Flügel bauten. Nachher war hier ein Seminar fürJünglinge adligen Standes. Als die Jesuiten aufgehoben waren, standenseit 1797 Pianisten diesem Seminar vor. Bon dem Landgerichtsgebäudezieht sich die Zuckerbergstraße, die fast ganz in der neuesten Zeit entstan-den ist, nach der Johannisstraßc. Oestlich von ihr läuft in parallelerRichtung mit ihr die Metzelstraße.

Ungefähr in der Mitte zwischen dem Landgerichtsgebäude und demHauptmarkte findet sich noch einer der Vertheidigungsthürme aus derConstantinisthen Zeit. Der Thurm hat bei einer Länge von 52 Fuß eineBreite von 28 und eine Höhe von 44 Fuß. Seine Mauern, 4 Fuß dick, findmit viereckig gehauenen Kalksteinen, die mir zwei Lagen Z cgeln abwech-seln , bekleidet. Die vier Ecken find mit Quadersteinen von verschiedenerGröße eingefaßt. In den verschiedenen Stockwerken sind kleine, 8 Zollbreite un? 15 Zoll hohe Oeffnungcn. An der Rordscite in dem 2. Stock-werke find 2 große, durch einen aus Sandsteinquadern bestehenden Pfei-ler getrennte Fenster. Ein ähnliches, nur kleineres, findet sich in derSüdost-Seite. Unter dem Thurme ist ein mit Ziegelsteinen überwölbterKeller. Der Architekt Christian Wilhelm Schmitt sucht in seinen Trier-schen Baudenkmalen nachzuweisen, dieser Thurm gehöre in die ZeiPvppo's.

Wir sind nun wieder auf dem Hauptmarkte angelangt, von demwir ausgegangen waren und hätten somit die Beschreibung der Stadtbeendigt. Es bleiben jetzt nur noch einige Bauwerke in der Umgebungderselben zu erwähnen übrig.

Unter diesen zieht zunächst das Amphitheater unsere Aufmerksamkeitauf sich. Es liegt in östlicher Richtung nicht weit von den Ruine» amAltthore entfernt, am Wege, der nach der Olewig führt. In seinerganzen Ausdehnung ausgegraben, liegt es frei vor den Blicken des Be-schauers da. Seine Eingänge waren nach Süden und Norden. DieMauern am südlichen Eingange sind 5 Fuß dick, im vorder» Theile 7,im hintern 15 Fuß hoch. Sie laufen auf 114s/, Fuß parallel fort, in-dem sie zwischen sich einen Gang von 17 Fuß Breite lassen. Dann abererweitert sich der Eingang bedeutend und läuft noch 96 Fuß 'fort. Dernördliche Eingang ist 193 Fuß lang, 18 Fuß und 3 Zoll breit. An bei-den Eingängen, die mit starken Quadern überwölbt waren, besondersam südlichen, zeigen sich noch Spuren von halbrunden Thürmen, diewohl aus der Zeit herrühren, als sich die Trierer hier gegen die heran-stürmenden Schaarcn des Crocus im Jahre 466 befestigten und so tapservertheidigten, daß dieser »»verrichteter Sache abziehen mußte.

Der Kampfplatz, die Arena, hat die Form einer Ellipse, deren großeAchse bis an die Ringmauer 2l9V- Fuß beträgt; die kleine Achse ist155 Fuß lang. Der Boden ist Schteferfcls, der wagerecht beHauen war.lim die Arena läuft ein, in den Felsen gehauener Graben, in dem sichdas Quellwasscr sammelt. Dieses wird dann durch eine» 9 Fuß hohenKanal in den nahen Olewiger Bach geleitet. Um die Arena läuft eine5 Fuß dicke Mauer, die jetzt noch meistens 7 Fuß hoch ist. Hinter dieserbefinden sich, durch einen Gang von ihr getrennt, die Behältnisse für diewilden Thiere, deren wir in unserm Amphitheater 16 zähle», 6 größereund 4 kleinere. Alle Mauern find mit Kalksteinen eingefaßt. Um dasAmphitheater liefen mehrere Reihen Arkaden, die zu den »erschienenenSitzen führten. Es konnte gegen 6666 Zuschauer fassen und war wahr-scheinlich schon zu Trajans Zeit erbaut. Constantin ließ es jedoch wiederherstellen; denn, wie alles Andere, war auch dieses Gebäude 261 zer-stört worden. Constantin ließ auch 366 mehrere Tausend gefangenerFranken den wilden Thieren im Amphitheater vorwerfen und zerreißen.Dasselbe that er 313 mit gefangenen Friesen.