Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Erzbischof Johann I., der schon so oft genannt wurde, schenkte1211 den Cisterzienscrn zu Hammerode dieses Amphitheater. Diesebrachen einen großen Theil desselben ab und ließen sich in Trier ausdem Material ein Haus bauen. Eine Zeichnung des Amphitheatersvor dieser Zerstörung ist noch vorhanden.

Südlich vom Amphitheater, auf dem sogenannten Kreuzberge, be-fand sich ein Circus zu Wettrennen und Wettfahrten. In dem zwischendem Amphitheater und Circus gelegenen Thale war ein zu Seegefech-ten eingerichteter Teich, eine5>ui»»>:I>i»

Das zweite Bauwerk außerhalb Triers, das wir hier beschreibenwolle», ist die St. Mathiaskirche in dem gleichnamigen, 20 Minutenvon der Stadt entfernten Dorfe. Von dem Neuthore zieht sich dienach der Saar führende Straße in grader Richtung bis nach St. Mathias.Wenn wir der Sage glauben dürfen, so hat schon um 73 der christ-lichen Zeitrechnung der heilige Eucharius in der Gegend, wo jetzt dieSt. Mathiaskirche steht, dem Evangelisten Johannes eine Kirche ge-weiht. Mag diese Sage begründet sein oder nicht, soviel ist gewiß,daß hier schon sehr frühe eine Kirche war. Der heilige Cyrillus, derzwischen 455 und 457 Bischof von Trier war, begann eine neue Kirchemit einem daneben liegenden Kloster zu bauen, nachdem die frühereKirche von den Hunnen gänzlich zerstört worden war.

Da aber im 12. Jahrhunderte die Kirche nicht mehr ausreichte,begann der Abt Eberhard von Kamberg (11101129) in seinen letztenJahren den Bau der gegenwärtigen Kirche. Sie wurde ll48 den3. Januar von dem Pabste Eugen III. im Beisein von 18 Kardinäleneingeweiht. Beim Graben der Fundamente fand man ll27 den Leich-nam des Apostels Mathias, der von der heiligen Helena mit dem hei-ligen Rocke nach Trier gebracht worden sein soll. Jedoch erst 150 Jahrespäter finden wir für das Kloster und die Kirche ven Namenzumheiligen Mathias;" früher war cS dem heiligen Eucharius gewidmet.Seit jener Zeit ist bis auf den heutigen Tag jene Kirche ein viel be-suchter Wallfahrtsort. Der Leichnam des heil. Mathias ruht in einemmarmornen Sarkophage hinter dem jetzige» Hochaltar.

Im Anfange des 16. Jahrhunderts erweiterte der Abt Anton Leivcndie Krppta der Kirche um das Doppelte ihrer Länge, überwölbte dasHauptschiff, das nur mit einer Holzdccke versehen war, führte über derFronte einen schönen Glockenthurm mit 2 spitzen Helmen auf, vergrößertedie Fenster und versah sie mit Glasmalereien, die aber 1768 von demAbte Adalbcrt Wiltz wieder entfernt wurden. Das jetzige Portal derKirche wurde 17l9 erbaut. Am 19. September 1783 brach eine großeFeuersbrunst in der Kirche aus, die das Dach mit den beiden Helmenverzehrte. Das Dach wurde wieder hergestellt, nicht aber die Thürme. '

Die Kirche, wie sie jetzt ist, hat die Form eines lateinische» Kreu- izes, dessen ganze Länge bis zum Thorschlüsse 227 Fuß im Lichten be-trägt. Neben dem Hauptschiffe laufen 2 durch nah zusammenstehendePfeiler von ihm getrennte, niedere Abseiten her. Das Querschiff istim Lichte» 92 Fuß 5f/, Zoll lang und 27 Fuß 7^ Zoll breit. Siedient jetzt zur Pfarrkirche der Gemeinden St. Mathias, St. Medardund Hciligkreuz.

Wir kommen jetzt zu dem letzten Gegenstande, den wir in diesenBlättern berühren wollen: es ist das Monument zu Igel. In demgenannten Dorfe, etwa 2 Stunden von Trier, steht etwas erhabendiese Pyramide, 72 Fuß hoch, neben der großen Heerstraße der Römer,die von Trier nach Rheims und in das innere Gallien führte, geradedem Punkte gegenüber, wo die Saar in die Mosel mündet. Viel hatdies Denkmal durch die Zeit, mehr noch durch die Menschen gelitten,so daß es jetzt schwer ist, die auf demselben sich vorfindende» Figurenund die sehr verstümmelte Inschrift zu erklären. Sie lassen daher allenmöglichen Spielraum zu beliebigen Conjecturen. Einige Schriftstellersind der Ansicht, das Denkmal sei zur Verherrlichung der Vermählungder Helena, der Mutter Constantins I., mit Constantinus ChloruS ge-

setzt; Andere glauben, es sei zum Andenken der Geburt CaligulaS,der zu Igel geboren worden sei, aufgestellt worden; wieder Anderenehmen an, es sei eine Apotheose einer Person aus der kaiserlichenFamilie. Am wahrscheinlichsten ist es, nach der Inschrift und den aufder Pyramide dargestellten Figuren zu schließen, daß es ein Familien-Denkmal der Sckundiner war, das 8<-eu»<lius ^v<!»ti»»s und «ve»»-«iiiius 8ecurus ihren verstorbenen Eltern oder Oheimen desselben Stam-mes setzten. Die Familie der Sckundiner war in diesen Gegendensxentez i» rel,u5. Als solche hatten sie für die Bedürfnisse des Heeresund das Postwcsen zu sorgen.

Im Jahre 1765 drohte die Spitze des Denkmals einzustürzen. DieStände des Herzogthums setzten daher eine Summe fest, um es vorweiterer Zerstörung zu bewahren.

Wenn wir hier alle auf den 4 Seiten der Pyramide vorkommen-den Figuren betrachten wollten, so würde uns dies viel zu weit führen.Wir wollen daher nur die nach Süden gerichtete Hauptseite des Mo-numents näher ins Auge fassen, weil sie auch auf unserm Bilde dar-gestellt ist.

Auf dem obern Theile der Plinthe dieser Seite sehen wir jdasInnere eines Gemaches, an dem auf beiden Ecken die Vorhänge nochzu erkennen sind. An einem Tische sitzt eine Person, die andern umsie stehenden Personen vorzulesen scheint. Es find nämlich auf diesemFelde noch 4 Personen deutlich, sechs aber kaum den .Umrissen nachzu erkennen. Ueber diesem Bilde befindet sich auf einer 9 Fuß 6 Zolllangen und 3 Fuß 6 Zoll hohen Tafel die Inschrift.

Ueber der Inschrift ist das Hauptbild; es besteht aus 3, 9 Fußhohen Bildern, die einander die Hände zu reichen scheine». Die eineFigur ist eine männliche, die andere wohl eine weibliche; die dritteFigur, die vielleicht den andern die Hände in einander legt, ist wenigzu erkennen. Ueber diesen Figuren stehen 3 Brustbilder, 2 männlicheund 1 weibliches. Auf den beiden Enden dieses Feldes stehen Pilastervon zusammengesetzter Ordnung. Diese wiederholen sich an 3 andernSeiten des Denkmals. Die auf unserm Felde enthalten in 4 Abthei-lungen tanzende Genien.

Ueber dem Hauptbilde, im Friese, ist ein Saal mit Säulen dar-gestellt. Eine männliche und eine weibliche Person sitzen an einemTische. Diener tragen Speisen auf und ab. In der Attika ist eingewölbter Saal dargestellt mit 6 Figuren, von denen aber nur 5 noch zuerkennen sind.

Im Fronton entdeckt man eine nackte Figur, ein Trinkgefäß hal-tend, in der linken einen Thyrsusstab schwingend. Auf jeder Seitesteht eine kleinere nackte Figur, die der mittlern den Stab und dasGefäß zu entreißen scheint.

Die übrigen 3 Seiten des Denkmals sind auf dieselbe Art abge-theilt und enthalten alle Bilder, die mehr oder weniger auf die Be-schäftigung der Sckundiner bezogen werden können, wie beladeneSchiffe, beladene Wagen, beladene Maulesel u. dgl.

Die Bedeckung ist pyramidenförmig aus Hausteinen gearbeitet; dieFlächen derselben sind schuppenförmig beHauen. Oben ist an den4 Ecke» ein Säulencapital angebracht. Auf jeder der 4 Seiten ist einvon Schlangen umgebenes Menschcnhaupt, auf der Hauptseite der Kopfeines Greises, auf der nördlichen der eines Jünglings, auf der östlichender eines Kindes und auf der westlichen der eines Mannes. Auf jederEcke des Capitals befindet sich eine Syrene. Auf dem Capitale ruhteine von 4 Sphynren getragene große, steinerne Kugel, auf der eineFigur stand. Von dieser Figur sind nur noch der Torso eines Adlersund Reste von Menschenfüßen zu erkennen. Früher soll die Kugel vonEisen, hohl und mit Asche gefüllt gewesen sei». Alerander und Wil-helm Wiltheim behaupte», so sei sie noch im 16. Jahrhundert gewesen.Wenn dies wahr ist, so wäre jene eiserne Kugel weggenommen unddiese steinerne an ihre Stelle gesetzt worden.